Medien : In der Zeitmaschine

Mit „Berlin is in Germany“ starten ORB und ZDF die zwölfteilige „Ostwind“-Reihe

Lena Bodewein

„Einer kommt zurück, und alles ist anders.“ Diese Wendung war es, die Regisseur Hannes Stöhr an seinem Film „Berlin is in Germany“ (22 Uhr in ORB und zeitgleich im ZDF) am meisten fasziniert hatte.

Der eine, der zurückkommt, ist Martin Schulz (Jörg Schüttauf), der 1989, noch zu DDR-Zeiten, ins Gefängnis kam, die Wende nur im Knast miterlebt hat und im Jahr 2001 schließlich entlassen wird. Für ihn ist wirklich alles anders. Er hat nur seinen blauen DDR-Perso, etwas Ost-Geld und keine Anlaufstelle mehr. Denn seine Frau Manuela (Julia Jäger) hat einen neuen Partner – einen Lehrer aus dem Westen –, und sein elfjähriger Sohn Rokko weiß nicht, dass Martin sein Vater ist. Wie der Ex-Knacki versucht, das neue wiedervereinte Leben mit all seinen Tücken, von Arbeitslosigkeit und Kunsttherapie über Handys und Sexshops bis zum Gameboy, zu meistern und seine Familie zurückzugewinnen, ist rührend, witzig und bitter zugleich.

Schüttauf spielt Schulz nicht als Naivling und nicht als Opfer; dass er, aufgrund seiner eigenen Biografie Freude an und Verständnis für die Rolle hatte, ist zu merken. „Wenn die Rolle ein Westdeutscher gespielt hätte, wäre ich traurig gewesen, dass man mich nicht gefragt hätte.“ Der Film, der 2001 auf der Berlinale mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde, ist in der Programmwerkstatt „Ostwind“ von ORB und ZDF entstanden. In dieser Kooperation wollen die beiden Sender junge Filme fördern, die Geschichten über die Veränderung nach der Wende im Osten erzählen. Man versteht sich nicht nur als Geldgeber, sondern als „Ideen- und Inspirationsquelle“, sagt ORB-Redakteurin Cooky Ziesche. Man setze sich mit jungen Filmemachern hin, um „den Film von der Idee über Drehbuch, Produktion und Vermarktung zu entwickeln.“ Das Konzept stammt von ORB-Intendant Rosenbauer, der beim ZDF, das ohnehin sein Engagement in Ostdeutschland verstärken will, auf offene Ohren stieß. Die Kooperation soll auch nach der Fusion von ORB und SFB fortgesetzt werden. Insgesamt ist sie auf zwölf Filme angelegt, von denen die ersten vier in diesem März, die beiden nächsten Staffeln im Frühjahr 2004 und 2005 ausgestrahlt werden.

Nach „Berlin is in Germany“ läuft am 17. März der Dokumentarfilm „Mit Ikea nach Moskau“ über zwei Deutsche, die die erste russische Filiale des Möbelhauses miteröffnet haben. Es folgt am 24. März „Zutaten für Träume“, ein Spielfilm über ein Ex-Liebespaar, das sich in Potsdam bei einem Kochwettkampf gegenübersteht. Die erste Staffel schließt am 31. März der jugoslawische Film „Normal People“ ab, der eine Gruppe junger Leute bei dem Versuch porträtiert, nach dem Krieg in Belgrad zu einem normalen Leben zurückzukehren.

Dass der erste Film der Staffel an einem Sonntag um 22 Uhr läuft, ist die Ausnahme, die weiteren strahlen die Sender montags aus, der ORB um kurz nach 22 Uhr, das ZDF zu späterer Stunde. Dabei ist es gerade bei „Berlin is in Germany“ schade, dass der Film nicht früher gezeigt wird. Angeblich könne man solche Produktionen um 20 Uhr 15 nicht bringen. Hauptdarsteller Jörg Schüttauf war zunächst ein bisschen „erschrocken“, dass der Film nicht um Viertel nach acht läuft, aber dann sieht er es gut gelaunt ironisch: „Ich kann verstehen, dass dieser Film so ’ne Qualität hat, dass er für die 20-Uhr-15-Zeit nicht geeignet wäre.“ 22 Uhr als Prime Time zu definieren, ist jedoch die eine Sache. Dass die anderen drei Filme im ZDF um Mitternacht laufen, eine ganz andere – eine bedauerliche.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben