Medien : In WM-Form

Helmut Schümann

Und wie groß ist jetzt Ihre Erleichterung? Nun, da die Vertrauensfrage im Dortmunder Westfalenstadion zu aller Zufriedenheit beantwortet wurde? Groß, nicht wahr, das hatten wir uns schon gedacht, angesichts 17,87 Millionen Zuschauern, die in diesen schweren Zeiten den Blick fürs Wesentliche noch nicht verloren und bei der ZDF-Übertragung von Deutschland versus Ukraine eingeschaltet haben. Die Frage nach der Erleichterung war im Übrigen die meist gestellte Frage nach dem Sieg der deutschen Ehre und der geschafften WM-Qualifikation (Befragt wurden von den eifrigen ZDF-Reportern von Bundesinnenminister Otty Schily bis Ersatz-Co-Co-Trainer Horst Hrubesch in etwa alle der 52 400 anwesenden Stadionbesucher und - wie erstaunlich - bei keinem, war die Erleichterung nicht riesengroß.).

Es war aber auch - große Erleichterung - so ziemlich die einzige Dümmlichkeit, die den 120 eingesetzten öffentlich-rechtlichen TV-Männern nebst ihren 32 Kameras unterlief. Und wenn man so will, sie gleicht sich aus mit der gar lustigen Daumen-Drück-Aktion, die die 90 privaten Kollegen und 22 Kameras von Sat 1 am vergangenen Sonnabend zum ersten Teil der Fußball-Entscheidung gestartet hatten. Remis also beim Duell der beiden Anstalten, die im kommenden Jahr aus Japan und Asien die WM nach Deutschland vermitteln werden. Wenn beide Übertragungen das Maß der zu erwartenden Berichte sein sollten, dann können wir uns freuen. Beide kamen überraschend unaufgeregt daher, beide verzichteten erstaunlicherweise auf branchenübliches Brimborium, mit dem ansonsten ein ohnehin spektakuläres Ereignis noch ein wenig spektakulärer aufgepeppt wird.

Sat 1-Kommentator Werner Hansch verkniff sich seine Thekensprache und nannte beim ersten Spiel den deutschen Treffer mal nicht "geiles Tor", ZDF-Kollege Bela Rethy hatte den Fan in sich nur am Ende kurz die Zügel gelassen, als er von einer deutschen Endspielteilnahme träumte. Und dass der Dortmunder Jürgen Kohler als Experte im ZDF-Studio trotz kluger Brille und Anarcho-Bärtchen auch verbal den Vorstopper gab, dafür konnte noch nicht einmal Moderator Wolf-Dieter Poschmann etwas. Und auch nicht dafür, dass DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ganz schwummerig wurde über Rudis Kampftruppe: "Endlich haben wir wieder deutsche Tugenden gezeigt, wir waren unheimlich aggressiv." Hat er damit jetzt Rudi Völler oder Rudi Scharping gemeint? Egal, es waren zwei angenehme Fußballabende, wovon der letztere dem Zweiten Programm den Quoten-Hit des Jahres bescherte. Womit also klar wäre, was uns wirklich bewegt in diesen bewegenden Tagen.

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