Medien : Indisponiert

Niemand hinderte Angelika Beer an ihrem Live-Auftritt bei n-tv

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„Das wäre Zensur gewesen, wenn wir es nicht gesendet hätten.“ Helmut Brandstätter, Chefredakteur des Berliner Nachrichtensenders ntv, lässt keinen Zweifel aufkommen, dass die Ausstrahlung und zweifache Wiederholung der Talkshow „Talk in Berlin“ richtig war. Einer der Gäste in der Sendung am Sonntag, die Grünen-Politikerin Angelika Beer, war erkennbar indisponiert. Schon bei der ersten Frage wirkte die Parteichefin derangiert, antwortete wirr, fuhr sich mehrfach mit den Händen übers Gesicht. Moderator Klaus Bresser richtete daraufhin nur selten Fragen an Angelika Beer. Nicht verhindern konnte er, dass sie sich selbst ins Gespräch einbrachte. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle reagierte sichtlich verärgert.

Als Zuschauer hätte man sich gewünscht, dass ein Mitarbeiter der Partei oder ein Redakteur von „Talk in Berlin“ Angelika Beer an dem Live-Auftritt gehindert hätten. Da sie jedoch (für Politiker ungewöhnlich) allein, ohne Referent, mit dem Taxi zum Studio gefahren war und verspätet zur Sendung kam, war ihr Zustand niemandem aufgefallen. Der Vorspann lief bereits, als sie, gerade noch rechtzeitig, auf einem Stuhl in der Talkshow platziert wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Vor zehn Jahren, erinnert sich die Redaktionsleiterin des „Grünen Salon“, sei Helmut Berger offensichtlich nicht ganz nüchtern bei Erich Böhme zu Gast gewesen. Auch bei ihm war keinem vor der Sendung etwas aufgefallen. Allerdings ist es für einen Künstler mit so einem schrillen Image weniger schädlich, wegen auffallenden Verhaltens auf Seite 1 der „Bild“ zu landen als für eine Politikerin und Parteichefin. Für eine Stellungnahme war Angelika Beer am Dienstag nicht zu erreichen.

Gibt es so etwas wie einen „Gäste-Check“ bei Live-Talkshows? Bei „Sabine Christiansen“ und „Berlin Mitte“ jedenfalls nicht. Michael Wedell, Sprecher der „Christiansen“- Produktionsfirma TV 21, sagt, es sei noch nicht passiert, dass „wir einen Gesprächspartner aus dem Ring nehmen mussten.“ Ein angeschlagener Gast würde vor Sendebeginn auffallen. Laut Wedell kommen die Gäste in der Regel eine Dreiviertelstunde vor Sendestart ins Berliner Studio, nicht alleine, sondern in Begleitung von Referenten. „Selbst wenn es knapp wird, muss jeder Gast noch in die Schminke, dann gibt es eine Ton- und eine Lichtprobe“, sagt Wedell. Doris Schröder von der ZDF-Talkshow „Berlin Mitte“ erinnert sich an zwei Fälle, bei denen ein Gästestuhl noch vor Sendestart aus dem Studio getragen werden musste: „Im November 2002 sagte Jürgen Trittin ganz kurzfristig ab, weil er zu seiner Mutter ins Krankenhaus fahren wollte. Bei Walter Riester konnte der Hubschrauber nicht starten.“ Auch bei „Berlin Mitte“ gilt: Gäste kommen so gut wie nie alleine, Schminke, Probe. „Wir mussten uns noch nie wegen eines indisponierten Gesprächpartners Gedanken machen.“ Für den „Was wäre, wenn“-Fall gibt es weder in der Redaktion der ARD-Sendung noch in der Redaktion der ZDF-Talkshow Planungen. jbh/usi

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