Inklusion : Paralympicssieger tanzt bei "Let´s Dance" mit

Heinrich Popow ist zweifacher Paralympicssieger und nun Teilnehmer in einer Tanzshow. Körperliche Nachteile sieht er dabei nicht - im Gegenteil. Ein Porträt.

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Kommt Heinrich Popow auch bei "Let´s Dance" aufs Siegertreppchen?
Kommt Heinrich Popow auch bei "Let´s Dance" aufs Siegertreppchen?Foto: Daniel Karmann/dpa

Er möchte zeigen, dass es für Menschen mit Behinderung keine Grenzen gibt, und das wird Heinrich Popow von diesem Freitag an vor einem Millionenpublikum tun: bei der RTL-Show „Let’s Dance“. Als erster Teilnehmer mit Prothese tanzt der Paralympicssieger mit.

Der Sprinter und Weitspringer fällt schon lange durch seine Lässigkeit auf, die er nun bei der Tanzshow einsetzen will. „Ich kann gewisse Ballettdinger machen, ohne mich dehnen zu müssen. Einfach Schraube locker machen, Fuß umdrehen – dann geht’s“, sagt er im Trailer zur Sendung. Popow sagt aber auch Sätze wie: „Wir haben Leid erlebt, doch wir verkörpern Lebensfreude durch unseren Sport.“

In seinen Disziplinen hat er nahezu alles erreicht: 2012 gewann er bei den Paralympics in London Gold über 100 Meter, 2016 in Rio de Janeiro gelang ihm das im Weitsprung. Die nächste Weltmeisterschaft Mitte Juli in London soll sein letztes großes Event werden. In der paralympischen Bewegung ist Popow einer der Athleten mit der größten Strahlkraft. Das liegt nicht nur an seinen Erfolgen, sondern an seiner Art. Der 33-Jährige spricht Missstände schonungslos an und kümmert sich, wenn er helfen kann.

Popow wurde mit neun Jahren nach einem Knochentumor das Bein amputiert, da waren er und seine kasachische Familie gerade zwei Jahre in Deutschland. Sein Lehrer habe ihm damals gesagt: „Geh zum Arzt und hol dir ein Attest zur Sportbefreiung.“ Er entschied sich jedoch erst recht für den Sport. Mit 18 zog es ihn zum TSV Bayer 04 Leverkusen, wo er zum Profi wurde. Vor Kurzem schloss er eine Ausbildung als Orthopädietechniker ab. Diese Erfahrungen will er nun weitergeben. Für sein Projekt „Running Clinics“ reist er um die Welt, versorgt Kinder in Japan, Indien oder Kuba mit Prothesen und bringt ihnen bei, damit Sport zu treiben. Auch in Deutschland will er sich um Nachwuchsförderung kümmern.

Sein Auftritt bei „Let’s Dance“ soll ebenfalls eine mutmachende Botschaft sein. Im Ausland haben schon einige paralympische Athleten an solchen Shows teilgenommen: Amy Purdy in Kanada, Giusy Versace in Italien, Kelly Cartwright in Australien. Problematisch könnte es für Popow nur werden, wenn er ins große Finale kommt, denn das findet kurz vor der WM statt. Aber da ist er ganz optimistisch: Er möchte nebenbei Leichtathletik trainieren, „und wenn ich so viel tanze, werde ich sowieso fitter sein als je zuvor“.

- "Let´s Dance", RTL, Freitag, 24.2., 20.15 Uhr

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