Institution mit Regionaleffekt : Mehr nehmen als geben

Medienboard Berlin-Brandenburg zieht Bilanz für 2010, für die Filmförderung und das Standort-Marketing.

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Der schönste Effekt in Berlin-Brandenburg ist der Regionaleffekt. Und der geht so: Jeder Euro, den das Medienboard beider Länder 2010 zur Förderung von Film und Standort ausgab, löste fünf Euro Investitionen in der Hauptstadtregion aus. Bei einem Mitteleinsatz von 28,5 Millionen Euro bedeuteten das über 120 Millionen Euro, die in die Kassen beispielsweise von Hotels und Handwerk flossen.

Senatssprecher Richard Meng betonte bei der Pressekonferenz des Medienboards zur Bilanz 2010 die „fortgesetzte Erfolgsgeschichte“ der Zweiländereinrichtung, hier wirke genau das richtige Konzept. Dieses umfasst den Film-, den Fernseh- und den Digitalbereich.

Berlin-Brandenburg sieht sich als „Filmstandort Nr. 1 in Deutschland“. Der Stolz drückt sich in Zahlen aus. Die Filmförderung macht mit knapp 24 Millionen Euro im Jahresetat von 32,3 Millionen Euro den Löwenanteil aus; eine Summe, die laut Geschäftsführerin Kirsten Niehuus zu Qualität und Wirtschaftlichkeit führte. Bei einer weiter gestiegenen Zahl an Drehtagen (1423) wurden über 100 Produktionen unterstützt, darunter Blockbuster wie Roland Emmerichs „Anonymus“ oder „Kokowääh“von Til Schweiger. Filme, die Kasse machen, Filme, die Preise machen – Oscar, Berlinale-Bären, Golden Globes, 16 Lolas –, Filme, die Image machen. Der Besucherflaute 2010 in den deutschen Kinos hatten auch die mit der Filmförderung aus der Hauptstadtregion unterstützten Produktionen so viel nicht entgegenzusetzen, immerhin hätten von den insgesamt 20,9 Millionen Zuschauern für Filme made in Germany mehr als die Hälfte Medienboard-gefördertes Kino gesehen. Niehuus sagte, dass dieses Auf und Ab in der Branche durchaus nicht untypisch sei. Im ersten Halbjahr 2011 wurden unter anderen Helmut Dietls „Zettl“, die „Russendisko“ nach Wladimir Kaminers Roman gefördert, unter zukünftigen Projekten ist „Wolkenatlas“ von Tom Tykwer.

Ein wichtiges Wachstumsfeld in der Kreativitätswirtschaft mit 30 000 Unternehmen, 220 000 Mitarbeitern und rund 22,4 Milliarden Euro Jahresumsatz ist der digitale Sektor. Elmar Giglinger, Geschäftsführer Standortmarketing, betonte die „besondere Gründungsdynamik“, was Förderung, Produktion und Diskussion digitalen Contents angehe – siehe Deutsche Gamestage mit der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises.

Im Vergleich zu Film und Digital tut sich der Fernsehstandort Berlin-Brandenburg schwer, der mit klarem Abstand die Nummer drei hinter München und Köln ist. Gerne wird auf die fehlenden Sender in der Hauptstadtregion verwiesen. Aus der Branche ist zu hören, dass alle, die im und für den TV-Bereich Verantwortung, diesen unbefriedigenden Zustand nicht länger akzeptieren wollen. Einfach wird es nicht.

Vor dieser Anstrengung findet eine andere statt, und zwar am 5. und 6. September der „Internationale Medienkongress“ im Rahmen der „medienwoche@IFA“. Unter dem Motto „Content meets Technology“ geht es um Zukunftsfragen von Medienwirtschaft, Inhalteproduzenten und Geräteindustrie. Joachim Huber

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