Medien : Intendant Hoffmann

Der ehemalige Chef von Sat 1 wird Chef der Filmförderung Berlin-Brandenburg

Joachim Huber

Martin Hoffmann bekommt einen neuen Job. Nach Informationen dieser Zeitung wird der ehemalige Sat-1-Chef zum Intendanten und Geschäftsführer der Filmförderung der Medienboard GmbH (früher Filmboard Berlin-Brandenburg) ernannt. Hoffmann löst Klaus Keil ab, der nach seinem Ausscheiden zum 31. März noch bis zum Jahresende als Berater für die erfolgreiche Institution arbeitet. Klaus Keil ist nach zehnjähriger Intendanz – genauso alt ist auch der Filmboard – einem Ruf als Ko-Direktor an das Erich-Pommer-Institut in Potsdam gefolgt.

Künftig also entscheidet Martin Hoffmann, den eine fünfköpfige Findungskommission ausgewählt hat, darunter Berlinale-Chef Dieter Kosslick, die Produzenten Katrin Schlösser und Nico Hofmann. Der 44-jährige Volljurist Hoffmann hat im Dezember 2003 den Privatsender Sat 1 in Berlin verlassen – wahrlich nicht im gegenseitigen Einvernehmen. Mit Urs Rohner, damals Vorstandschef der ProSieben Sat 1 Media AG und heute ebenfalls abgelöst, verband Hoffmann ein herzliches Nicht-Verhältnis. Mit Hoffmann verließ Harald Schmidt den Sender, ein Schlag, von dem sich Sat1 noch nicht erholt hat.

Hoffmann stand für Schmidt, und er stand für große fiktionale Produktionen im Programm von Sat 1: „Der Tunnel“, „Wambo“, „Vera Brühne“, „Tanz mit dem Teufel“ und zuletzt, quasi als Höhepunkt, „Das Wunder von Lengede“. An diesen Filmen mit hervorragenden Ensembles und Regisseuren aus der ersten Reihe lässt sich ablesen: Bei Martin Hoffmann verbinden sich der Wille zur Kunst und die Bereitschaft zum Kommerz.

Das wird viele Filmschaffende so erschrecken, wie sie bereits bei Klaus Keil erschrocken sind. Der Intendant Keil sagte, ein Film müsse sein Publikum finden, er sprach vom Drehbuchschreiben als Handwerk, über Marktchancen von Filmen, er hatte die Kunst und die Kasse im Auge, das war unerhört und speziell in den Augen der Autorenfilmer ein Sündenfall. Dafür bekam Keil den Spitznamen „Kommerz-Keil“.

Das war einmal, heute werden Keil und sein Team gefeiert, allein 2003 konnten die geförderten Projekte 15 Millionen Zuschauer in die Kinos locken, haben die 17,2 Millionen Euro Fördergelder der beiden Länder Berlin und Brandenburg sowie der drei Sender Pro7, Sat1 und ZDF Folgeinvestitionen von 68 Millionen Euro ausgelöst.

Jetzt kommt Martin Hoffmann, einer, der für das Privatfernsehen gearbeitet hat. Kommt da ein „Kommerz-Hoffmann“? Hoffmann hat beim Privatfernsehen das Kalkulieren, das Kämpfen, das Entscheiden, das Überzeugen gelernt. All dies braucht er. Die Aufgabe der Film- und Fernsehförderung für Berlin und Brandenburg folgt dem Intendantenprinzip. Bei aller Teamarbeit verknüpfen sich die Erfolge, ebenso die Misserfolge mit dem Mann an der Spitze. Martin Hoffmann wird den Vorwurf aushalten müssen, dass ihm das Fernsehen, der Fernsehfilm, näher stehen könnte als der Kinofilm, und er die Fördergelder entsprechend verteilt. Mit diesem Vorwurf wird er gut leben können. Sein Name steht, siehe die genannten Sat-1-Produktionen, für Qualität, für die Qualität des Singulären und für die Qualität im Populären. Und ein Kassenschlager hilft auch der Filmförderung, weil dann die eingesetzten Gelder zurückfließen.

Hoffmann hat aus seinen Privatfernseh-Jahren tiefe Befriedigung gezogen – nicht aber sein Glück. Sein Glück zieht er aus der klassischen Musik. Nach einer nie dementierten Fama stand Martin Hoffmann im vergangenen Jahr vor der Frage, ob er als Intendant der Berliner Philharmoniker arbeiten möchte. Da hat er Nein gesagt. Und jetzt wird er doch Intendant, für Fernsehen und für Film.

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