Intendantengehälter : Mehr Transparenz

Sechs ARD-Anstalten legen Topbezüge offen – Hessicher Rundfunk und ZDF wollen dennoch nicht nachziehen.

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Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat einen Stein ins Rollen gebracht. Nachdem der Sender die Gehälter seines Spitzenpersonals veröffentlichte, ziehen fast alle der insgesamt neun ARD-Anstalten nach – obwohl sie im Gegensatz zum WDR dazu nicht gesetzlich verpflichtet sind. Rundfunk ist Ländersache, deshalb gelten für die öffentlich-rechtlichen Anstalten individuelle rechtliche Rahmenbedingungen. Dass einige Sender nun auch ohne Verpflichtung die Gehälter offenlegen, soll ein Zeichen für mehr Transparenz gegenüber den Gebührenzahlern sein.

Als erster Sender – nach dem WDR – hatte am Donnerstag der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Gehälter veröffentlicht, am Freitag entschloss sich der Südwestrundfunk (SWR), künftig die Bezüge des Intendanten sowie die Gesamtsumme des Spitzenpersonals zu veröffentlichen: Intendant Peter Boudgoust verdiente im Geschäftsjahr 2009 demnach 273 000 Euro inklusive Sachbezügen. Boudgoust ist derzeit auch Vorsitzender der ARD – mehr Geld verdient er deshalb aber nicht, teilte der SWR mit. Das Gehalt der sieben Direktoren führt der Sender nicht einzeln auf, sondern verweist auf die Gesamtsumme von 1,578 Millionen Euro, die Boudgoust und die Direktoren erhalten haben. Die Zahlen sollen mit dem Geschäftsbericht 2009 im September veröffentlicht werden. Der Saarländische Rundfunk (SR) teilte am Freitag auf Anfrage mit, dass Intendant Fritz Raff ein jährliches Gehalt von 210 000 Euro erhält – mit dem Hinweis, dass sich Raff mittlerweile in seiner dritten Amtszeit befindet.

Radio Bremen, kleinste der neun ARD-Anstalten, legt zwar nicht die einzelnen Bezüge des Direktoriums offen, listete aber die Gesamtsumme auf: 297 000 Euro wurden 2009 insgesamt an die Mitglieder der Unternehmensleitung gezahlt. Sie wird gebildet von Intendant Jan Metzger, der im August 2009 Heinz Glässgen ablöste, Programmdirektor Dirk Hansen, und Brigitta Nickelsen, Direktorin für Unternehmensentwicklung und Betrieb. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) veröffentlicht die Gesamtbezüge des Intendanten, seines Stellvertreters und der leitenden Angestellten. Sie summierten sich im Geschäftsjahr 2008 auf 2,058 Millionen Euro. Laut NDR-Sprecher betrug das Jahresgehalt von Intendant Lutz Marmor einschließlich einer Aufwandspauschale im Geschäftsjahr 2009 286 000 Euro.

Nachdem die anderen Sender mehr Transparenz zeigen, wollen der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der Bayerische Rundfunk (BR) jetzt über eine Veröffentlichung der Bezüge beraten. Wenn im September Verwaltungs- und Rundfunkrat des BR tagen, werde vermutlich eine Veröffentlichung beschlossen, heißt es aus dem BR. Der Sender betonte allerdings, dass die Gehälter des neuen BR-Intendanten Ulrich Wilhelm und der Direktoren „im ARD-Vergleich angemessen“ seien. Als einzige ARD-Anstalt will der Hessische Rundfunk (HR) nicht von seiner Position abrücken. Auch das ebenfalls gebührenfinanzierte ZDF hüllt sich über die Bezüge seines Spitzenpersonals weiter in Schweigen. Sonja Pohlmann

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