Internationale Funkausstellung : HD-Bildstörung

In den Messehallen unterm Funkturm werden die TV-Bilder immer schärfer. Doch die Verbraucher werden inzwischen durch die Diskussion über neue Gebühren und Settop-Boxen verunsichert.

Kurt Sagatz

Da sind sie wieder, die Herren mit den getönten Brillen, die wie gebannt auf einen Bildschirm schauen. Keine „Men in Black“, vielmehr handelt es sich um Vertreter eines japanischen Elektronikkonzerns, die auf einer Pressekonferenz der Internationalen Funkausstellung das neue 3D-Full-HD-Fernsehen vorführen, mit dem Unternehmen wie Panasonic und Samsung die nächste technologische TV-Revolution einleiten wollen. Vorausgesetzt, die Fernsehkonsumenten ziehen mit und versammeln sich tatsächlich mit den klobigen Brillen auf der Wohnzimmercouch.

Während einige Aussteller also bereits die übernächste Revolution im Gepäck haben, heißt der Techniktrend dieser Saison High-Definition – und zwar nicht aus der Konserve, sondern live von den Pay-TV-Anbietern und den Free-TV-Sendern. Bis Ende des Jahres werden nach Schätzung der Industrie 19 Millionen HDTV-Fernseher in deutschen Haushalten stehen, 4,7 Millionen davon werden dann auch HD-Programme empfangen können.

Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr, das wissen auch ARD und ZDF, die den HD-Zug in Deutschland maßgeblich ins Rollen gebracht haben. Die Showcases zur Leichtathletik-WM und jetzt zur Funkausstellung sowie der Start des Regelbetriebs zur Winterolympiade im nächsten Februar sind dabei nur die Vorbereitung auf eines der ganz großen TV-Ereignisse des kommenden Jahres: die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Die Macht der Fußballbilder hat bereits bei der WM 2006 in Deutschland und auch bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr den Absatz von Flachbildfernsehern erheblich gefördert.

Vieles spricht für die neue Technik, wäre da nicht eine neue Gebührendiskussion, die diesmal nicht von den öffentlich-rechtlichen Sendern, sondern von der privaten Konkurrenz ausgeht. Die beiden Senderfamilien von RTL und Pro Sieben Sat 1 wollen im Herbst ebenfalls mit der Ausstrahlung von HD-Programmen beginnen, die über die neue Astra-Plattform HD+ zum Zuschauer gelangen sollen – allerdings in verschlüsselter Form, für die eine Settop-Box mit CI-Plus-Smartcard benötigt wird. Preise von um die fünf Euro im Monat sind im Gespräch. Doch nicht nur die Kostenfrage ist noch nicht abschließend geklärt, auch technisch ist noch einiges offen. Wer bereits jetzt eine Box kauft, riskiert möglicherweise eine Fehlinvestition, warnen darum Experten wie der Verbraucherschützer Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Ginge es allein um technische Innovationen, wäre für Industrie, Sender und Zuschauer zudem ein anderes Signal viel wichtiger: Das rasche Ende der analogen TV-Ära, das ursprünglich im nächsten Jahr erfolgen sollte. So könnten frei werdenden Kanäle für die Übertragung von mehr Digitalprogrammen genutzt werden. Oder für die Übertragung im höherwertigen HD-Format. Doch da macht die Politik vorerst nicht mit. Die Deutschen müssten erst den Abschied von der Glühbirne verkraften, bevor man ihnen das Ende des analogen Fernsehens zumuten könne, sagte Kanzlerin Angela Merkel zur Ifa-Eröffnung. Einige Eckpunkte gibt es dennoch. ARD und ZDF haben angekündigt, 2012 die analoge Ausstrahlung per Satellit einzustellen.

Unterdessen spielt der Pay-TV-Sender Sky seine HD-Trümpfe aus. Gegen Aufpreis läuft hier nicht nur die Bundesliga hochauflösend. Vom 7. Oktober an zeigt der Sender alle vier „Indiana Jones“-Filme auf Sky Cinema HD in HD-Qualität. Ganz davon abgesehen, dass der Empfang von HD-Fußball sowohl bei Sky als auch beim T-Home-Programm „Liga total“ längst Alltag ist. Kurt Sagatz

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