Internet : Bloggen für Millionen

In den USA haben Blogger längst erkannt, dass man mit der eigenen Meinung richtig gut Kasse machen kann - sogar hauptberuflich. Aber funktioniert das auch in Deutschland?

Irja Most
Blogs
Foto [M]: tagesspiegel.de

"Ich kann allen nur raten, die vom Bloggen leben wollen: Such dir eine interessante Zielgruppe und betreibe das Blog professionell", gibt Peter Turi aus seinem Erfahrungsschatz preis. Gut 10.000 Euro Umsatz im Monat bei 4000 bis 5000 Besuchern pro Tag scheinen dem Blog-Betreiber von turi2 recht zu geben.

Bloggen ist auch in Deutschland längst zum Volkssport geworden. Rund acht Prozent schreiben mindestens einmal pro Monat Beiträge in eigenen oder fremden Blogs. Weitere zwölf Prozent bloggen gelegentlich. Fast jeder zweite liest Online-Tagebücher. Das führt zumindest die Internet-Benutzer-Analyse von Fittkau & Maaß Consulting an, wie der Branchenverband Bitkom berichtet. 2007 war nach dieser Studie auch das Rekord-Jahr für Online-Werbung. Eine gute Gelegenheit für Blogs, mit der Vermarktung noch intensiver anzubandeln. Hinzu kommt die Aussicht, dass Suchmaschinen Marken und persönliche Meinungen künftig stärker einbinden wollen, wie Yahoo bereits verlauten ließ.

Doch auf die Statistik starren und hoffen, dass die Zugriffszahlen empor schnellen, reicht für den finanziellen Erfolg allein nicht aus. Auch wenn sich jeder Blogger wünscht, so viele Besucher wie möglich auf seiner Seite zu haben, ist der Traffic kein Garant für eine klingelnde Kasse - auf die richtige Vermarktungsstrategie kommt es ebenfalls an. "Am besten konzentriert man sich auf eine spezielle Zielgruppe, die noch nicht bedient wird", weiß Turi.

Sex sells

Auch Alphablogger Robert Basic ist mit zwei nicht repräsentativen Umfragen zum Thema Geld verdienen mit Blogs im Dezember 2006 und Mai 2007 auf seinem Blog Basic Thinking zu dem Ergebnis gekommen, dass Fachblogs mehr mit Werbung einnehmen als Mischblogs. Sowohl in der ersten Umfrage mit 47 ausgewerteten Blogs als auch bei der zweiten Erhebung, bei der 117 in die Wertung eingingen, waren Fachblogs die Top-Verdiener.

Bei der Frage-Runde im Mai bewegten sich neun Fachblogs in einer Einnahmespanne zwischen 1.000 und 10.000 Euro. Und zwei Fachblogs knackten sogar die 10.0000-Euro-Marke. Im Schnitt schaffte ein Fachblog 762 Euro pro Monat. Ein Mischblog kam dagegen nur auf einen Umsatz von 243 Euro monatlich.

Hinsichtlich der Werbeform erwies sich bei den im Januar präsentierten Ergebnissen Sponsoring am profitabelsten, danach folgte Linkverkauf, Affiliate-Banner und Adsense. Amazon brachte am wenigsten. Zudem gilt wohl auch bei Werbung auf Blogs: Sex sells. Bei der ersten Umfrage brachte es ein Ausreisser mit 9000 Euro durch Sponsoring im Erotik-Bereich auf einen einsamen Spitzenplatz.

Goldene Gadgets

Die Zukunftsmusik für Blogger, die vom großen Reichtum träumen, spielt wie so oft in den USA. Dort haben sich Blog-Betreiber nicht nur einen Platz auf Augenhöhe mit den Online-Angeboten der traditionellen Medien erkämpft. Einige sahnen richtig ab. Allerdings müssen sich die Meisten mit Werbeeinahmen auf unter 1000 Dollar pro Monat begnügen und können sich keine bezahlten Mitarbeiter leisten.

Aber ein paar schaffen mit Gadget-Blogs den Sprung in die Spitzenverdiener-Liga. So zum Beispiel die prominentesten Vertreter Gizmodo oder Engadget, die auf ihren Blogs die neuesten Hightech-Spielereien vorstellen. Sie haben damit ein ideales Werbumfeld aus der entsprechenden Branche. Der deutsche Auftritt von Gizmodo wird von NetMediaEurope Deutschland GmbH vermarktet und kam 2007 pro Monat im Schnitt auf 200.000 Besucher auf seiner Seite. Der US-Auftritt soll einen geschätzten Jahresumsatz zwischen einer halben und einer Million US-Dollar haben.

Das Blog Ubergizmo ist auf den Gadget-Zug mit aufgesprungen und im September 2004 gestartet. Hubert Nguyen wettete mit seiner Ehefrau und Computerspiele-Designerin Elaine Fiolet, dass er Gizmodo toppen kann. Gesagt, getan. Zum Start waren es zei Besucher, einen Monat später schon um die 1000 und heute sind es inzwischen zwei Millionen täglich.

Ubergizmo gibt es mittlerweile in mehreren Sprachen und beschäftigt inzwischen Mitarbeiter in China, Singapur und Europa. "Man kann davon leben", zitiert die "Wirtschafswoche" Elaine Fiolet in ihrer aktuellen Ausgabe in ihrer Rubrik Valley Talk. So gut, dass Gatte Nguyen kürzlich seinen Job bei einem der marktführenden Herstellern von Grafikprozessoren und digitalen Medienprozessoren Nvidia an den Nagel hängte. Dazu bleibt keine Zeit mehr. Vermarktet wird Ubergizmo über Federated Media und Google.

Werbung mit Netz

In Deutschland werden für die Vermarktung von Blogs neue Wege beschritten. Gemeinsam mit Werber Sascha Lobo startete Spreeblick-Blogger Jonny Haeusler das Netzwerk adical vor knapp einem Jahr. Prominentester Etat-Gewinn ist Bildblog. Das Blog, das der "Bild"-Zeitung fleißig auf die Finger schaut, wurde gegründet von den Journalisten Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier. Mit rund 45.000 Besuchern zeigt es sich immerhin so erträglich, dass Schultheis seinen Lebensunterhalt mit den Einnahmen bestreiten kann. Doch für eine langfristige Planung reicht es nicht. Er sieht beim Geldverdienen mit Blogs noch einige Stolpersteine von Seiten der Werbekunden: "Das Problem sind nicht die pro Schaltung erzielten Erlöse, sondern, dass die Werbetreibenden nach wie vor eher zögerlich sind, was Schaltungen in Blogs angeht."

Jeder kann bei adical allerdings nicht mitmachen. Das Netzwerk sucht sich seine Blogs aus und auch nicht jeder Webekunde kann einfach daherkommen. Denn die Fahne der ursprünglichen Blog-Kultur wird bei adical weiter hochgehalten: Erst kommt die Leidenschaft, dann das Geschäft. Bei jeder Buchung hat der adical-Blogger ein Vetorecht und Schultheis’ Vertrauen in den Vermarkter ist groß. "Die Frage, ob beispielsweise 'Bild’ auf Bildblog werben dürfte oder nicht, stellen wir uns, wenn es eine entsprechende Anfrage gibt. Ich bin sicher, wir finden dann auch eine Antwort darauf", erklärt Christop Schultheis.

Netzwerken ist aber nicht jedermanns Sache. Robert Basic hat seine ganz eigene innovative Idee, um mit Werbung Einnahmen zu machen: Werbeakquisition 2.0. Er überlässt seinen Lesern, welche Werbung sie auf seiner Seite sehen wollen. Sie akquirieren die passenden Kunden und bekommen für die Vermittlung ein Drittel ab.

Einfach losgebloggt

Der Einstieg ins Blogger-Leben, ist ein Einstieg ohne viel Aufwand. Dazu braucht es nicht einmal einen teuren Kredit von der Bank. Peter Turi beispielsweise lieh sich etwas Geld von einem Freund, um sich voll und ganz auf den Start von turi2 zu konzentrieren. Heute beschäftigt er vier Redakteure, zwei Studenten halbtags und zwei Freiberufler. Um zahlungskräftige Werbekunden an Land zu ziehen, bietet turi2 verschiedene Banner, Video-Werbung, Textanzeigen und eine Premium-Partnerschaft mit dem Sponsoren-Paket an. "Da keine teuren Druckkosten wie zum Beispiel bei Printmedien anfallen und Internet so günstig wie noch nie ist, kann man den Großteil des Gewinns für sich einstreichen", so Turi.

Wer sich über eine Zielgruppe mit Traffic-Garantie den Kopf zerbricht, ist nicht allein. Auch Basic grübelte bereits in seinem Blog bereits darüber nach. Sein Vorschlag: Ein rotzfreches Gossip-Blog, dass sich mit Klatsch und Tratsch aus der deutschen Promi-Szene befasst nach den US-Vorbildern jossip oder thesuperficial.

Etwas in der Art in Deutschland gibt es zum Beispiel mit viply. Allerdings stehen auch hier ganz nach dem Motto "one step to hollywood" ausschließlich US-Promis im Fokus des Blogs. In der Hitliste von Topblogs rangiert viply zurzeit auf Platz 1 mit über 113.000 Besuchern pro Tag und wird professionell durch den Online-Vermarkter TripleDoubleU in punkto Werbung betreut.

Auch illustre Blogs wie hodenmumps zeigen, dass man mit schrägen Ideen erfolgreich sein kann. Der Internet-Auftritt, der täglich neue Fundstücke aus der Webwelt präsentiert, rangiert gleich hinter viply.de in der Hitliste bei Topblogs auf Platz zwei. Zu Besucherzahlen und Umsatz schweigt sich Betreiber Kai Osterholdt allerdings aus.

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