Internet-Communities : Studi VZ: „Wir verkaufen keine Daten“

Das Social Network für Studenten gerät wegen Datenspeicherung und Target-Werbung in die Kritik. User müssen den dazu kürzlich veränderten AGBs zustimmen, ansonsten droht ihnen eine Sperrung ihrer Mitgliedschaft.

Kurt Sagatz

Die Onlineplattform Studi VZ, in der rund 4,5 Millionen Studenten Informationen austauschen und sich vernetzen, steht in der Kritik. „Wir verkaufen keine Nutzerdaten unser Mitglieder an Dritte“, betonte der Geschäftsführer des Unternehmens, Marcus Riecke, am Freitag: „Anderslautende Behauptungen sind falsch.“ Tatsächlich wird derzeit in den Foren von Studi VZ heiß über die Einführung von gezielter Werbung diskutiert. Beim sogenannten Targeting wird die Werbung auf die jeweiligen Internetnutzer zugeschnitten – Technik für Männer, Kosmetik für Frauen. Dazu werden aus den Daten der Studi-VZ-Nutzer die Angaben zu Alter, Geschlecht, Wohnort/Uni-Standort und Studienfachrichtung ausgewertet. Nachdem Studi VZ die Pläne dafür Ende September veröffentlicht hatte, gingen jetzt die Mails an die rund 4,5 Millionen Nutzer raus. Darin werden sie aufgefordert, den geänderten Geschäftsbedingungen zuzustimmen, wenn sie den Zugang zu Studi VZ nicht verlieren wollen. Den behalten sie aber auch, wenn sie die Option „Ich möchte keine personalisierte Werbung erhalten“ anklicken, sagte Studi-VZ-Sprecher Dirk Hensen. Der zuständige Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix begrüßte, dass die Nutzer den neuen Bedingungen aktiv zustimmen müssten und das Unternehmen den Verkauf der Daten ausschließe.

Das 2005 gegründete Studentenportal gehört – wie der Tagesspiegel – zur Verlagsgruppe von Holtzbrinck, der Kauf fand im Januar statt. Für das dazugehörende Portal Schüler VZ ist gezielte Werbung noch kein Thema. Werbung gibt es dort seit Oktober. Man sei sich bewusst, dass Werbung bei den zumeist minderjährigen Schüler ein sensibles Thema sei. „Auch wenn es derzeit nur Überlegungen dazu gibt, heißt das nicht, dass wir gezielte Werbung in Schüler VZ komplett ausschließen wollen“, sagte Hensen. Mit der Einführung der personalisierten Werbung soll unter anderem sichergestellt werden, dass Studi VZ für Studenten kostenlos bleibt. Zudem will das Unternehmen das Geschäftsjahr 2008 mit einer schwarzen Null abschließen. „Die personalisierte Werbung ist ein sehr wichtiges Thema“, so Hensen. Die US-Portale My Space und Facebook schalten bereits gezielte Anzeigen, auch das deutsche Business-Netzwerk Xing will sich für entsprechende Werbung öffnen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben