Internet für Kinder : Der Sandmann steht im Tor

Ausbildung zum Computerspieler: Die Vorschulangebote der TV-Sender

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Hallo Kinder! Die Startseite des öffentlich-rechtlichen Internetportals kika.de erinnert in ihrer bunten Aufmachung durchaus an...Screenshot: Tsp

Die Website ist wie die Konsole eines Raumschiffs gestaltet. Mit einem Klick auf eingearbeitete Bilder – Maus, Ernie, Käpt’n Blaubär oder das Sandmännchen – landet man auf den entsprechenden Seiten. Die ARD-Kinderseite www.kinder.ard.de ist so etwas wie das Einstiegsportal zu den Angeboten für Kinder aller ARD-Anstalten. Vorschultauglich allerdings sind nur wenige, empfehlenswert allein die beiden Angebote des WDR. Ob das mit dem neuen Vorschulportal kikaninchen.de besser wird? Der laut Rundfunkstaatsvertrag vorgeschriebene Dreistufentest ist zwar bestanden, die geplante Website ist erlaubt, doch es wird wohl mindestens März werden, bis der neue Kinderkanal von ARD und ZDF, bis kikaninchen.de starten kann.

Bei der kommerziellen Konkurrenz ist das Konzept umstritten. Eine Analyse der vergleichbaren Internetseiten zeigt jedoch, dass ein fundiertes, auf die Fähigkeiten der jungen Nutzer ausgerichtetes Angebot überfällig ist: Was die Sender ihren jüngsten Zuschauern im Internet vorsetzen, vermittelt den Eindruck, die Veranstalter wollten die Kinder für die spätere Nutzung von Video- und Computerspielen ausbilden. Immerhin: Der Web-Auftritt des Klassikers „Die Sendung mit der Maus“ (www.wdrmaus.de) stellt ein ganz auf die Zielgruppe zugeschnittenes Angebot zur Verfügung. Allerdings ist es unumgänglich, dass Eltern die Symbole erklären. Kindern wird nicht auf Anhieb ersichtlich sein, dass die rasanten Zahnräder für die berühmten „Sachgeschichten“ stehen.

Pädagogisch ausgereifter ist die Seite mit dem Elefanten (www.wdrmaus.de/elefantenseite), die auf den gleichen Grundsätzen wie die „Sendung mit dem Elefanten“ basiert. Zu jedem Angebot gibt es einen Elternbereich mit Infos über Lernziele. Die Seite ist stärker auf Online-Anfänger ausgerichtet als die Maus-Website, die Navigation leicht zu durchschauen. Fährt man mit dem Mauszeiger auf Symbole, sagt eine Kinderstimme, welche Angebote man aufrufen kann. Die Spiele sind sehr anschaulich und für Anfänger leicht nachzuvollziehen, da eine Kinderstimme Regeln erklärt. Auch die Sandmännchen-Seite des RBB (www.sandmann.de) hält ein reichhaltiges Angebot bereit, das von der Information über Filmfiguren bis zu Geschichten reicht, die sich die Kinder erzählen oder von Eltern vorlesen lassen können. In der Rubrik „Spiele“ gibt es Malbilder, Rezepte, einen Kalender zum Selberbasteln und diversen Zeitvertreib von Memory übers Labyrinth bis zum Puzzle. Viele dieser Spiele sind schlichte Formen sogenannter „Jump & Run“-Games, bei denen die Figuren vorwärtsstrebend Hindernissen ausweichen müssen. Nicht alle Spielregeln werden akustisch erklärt, einige Erklärungen sind unvollständig, und das Sandmännchen als Torwart beim Elfmeterschießen ist ein merkwürdiger Anblick.

Die Websites der anderen ARD-Sender richten sich überwiegend an Kinder im Grundschulalter. Gleiches gilt für tivi.de, die Kinderseite des ZDF. Der sparsame Vorschulbereich ist nicht ausdrücklich ausgewiesen und ebenso wenig mit dem großen Spektrum der Elefantenseite zu vergleichen wie der Vorschulbereich im Kika, der mit seiner bunten Aufmachung an kommerzielle Angebote erinnert: Die „Glücksbärchis“ würden besser zu Super RTL passen. Die entsprechende Website ist genauso infantil wie die Serie. Die Spiele allerdings sind für Online-Anfänger zum Teil durchaus knifflig. Ungleich komplexer, aber dafür nicht gratis ist der Toggolino Club von Super RTL (www.toggolino-club.de). Der Sender fürchtet angesichts der Pläne für kikanichen.de um seine Pfründe. Der Club richtet sich an drei- bis siebenjährige Kinder und bietet rund 130 (Lern-)Spiele. Die jährlichen Kosten betragen 69 Euro. Nach Angaben von Super RTL hat der Toggolino Club 70 000 Abonnenten. Die Spiele sind rund um die Protagonisten der Vorschulserien des Senders gestaltet. Der angekündigte Mehrwert klingt jedoch zu vielversprechend. Die Spiele sind eher schlicht. Der Club ist ein geschlossener Bereich, Kinder können ihn nicht durch versehentliche Klicks auf Links verlassen. Da Super RTL im Trickbereich keine Eigenproduktionen zu bieten hat, können sich die Kinder ausschließlich mit Importfiguren beschäftigen; Gleiches gilt für die von Nickelodeon USA übernommenen Angebote von Nick jr. (www.nickjr.de).

Angesichts des wenig berauschenden Angebots ist es kein Wunder, dass Medienpädagogen wie Bernd Schorb von der Universität Leipzig , Vorstandsvorsitzender des JFF-Instituts für Medienforschung in Theorie und Praxis, dem neuen Kika-Projekt positiv entgegensehen. „Das Portal muss vor den kritischen Augen der Eltern und ihren hohen Erwartungen bestehen, und die werden das Angebot genau unter die Lupe nehmen.“

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