Internet : "Google vergisst nicht"

SchülerVZ-Chef Markus Berger-de Léon über Schulhöfe, Voyeure und Jugendschutz im Netz. Ein Interview nach dem Start der Aktion "Watch your Web" von Verbraucherministerin Ilse Aigner.

Kurt Sagatz
Berger
Markus Berger-de Léon -Foto: promo

Herr Berger-de Léon, Verbraucherministerin Ilse Aigner hat in dieser Woche die Aktion „Watch your Web“ gestartet, um Jugendliche auf die Gefahren in Sozialen Netzwerken hinzuweisen, dem „Schulhof des 21. Jahrhunderts“, wo jeder jedem aus dem Verborgenen zuschaut. Ist SchülerVZ ein Schulhof der Voyeure?



Nein, natürlich nicht, aber es kann nie genügend Kräfte geben, die die Nutzer darauf hinweisen, wie man im Internet am besten mit seinen Daten umgeht.

Vor allem Jugendliche unterschätzen häufig, was mit ihren Daten passieren kann. Die großen deutschen Netzwerke haben unlängst mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) einen Katalog von Regeln zum Jugendschutz ausgearbeitet. Was sind die wesentlichen Elemente?

Das Wichtigste ist, dass die Profile von minderjährigen Nutzern nicht in den Suchmaschinen auftauchen dürfen, dafür haben wir auf unseren Portalen gesorgt. Der zweite zentrale Punkt ist, dass es den Nutzern möglich ist, ihre Profile ohne Rückstände zu löschen.

Und danach sind die Informationen, die ich zuvor in mein Profil eingestellt habe, komplett weg?


Bei uns ja. Die Aussage, das Internet vergisst nichts, stimmt bei uns nicht. Die gelöschten Daten sind danach bei allen drei VZ-Plattformen tatsächlich weg.

Es sei denn, jemand hat zuvor einen Bildschirmausdruck angefertigt.


Das ist richtig. Kopien, die von den Daten erstellt wurden, bleiben erhalten. Darüber haben wir keine Kontrolle.

Weitere Aufklärung ist also notwendig.

Was Ministerin Aigner jetzt mit „Watch your Web“ unternimmt, ist eine Form der Aufklärung. Wir unternehmen sehr viel, in dem wir beispielsweise den Schulen Lehrmaterial bereitstellen. Wenn wir eingeladen werden, gehen wir auch gerne in die Schulen. Vor allem aber zeigen wir den Nutzern, wie man die vorhandenen umfangreichen Einstellungen für die Privatsphäre richtig einsetzt.

Die Jugendschutzregeln der FSM wurden auch von anderen Communities wie wer-kennt-wen.de oder den Lokalisten unterzeichnet.

Diese Selbstverpflichtung ist in diesem dynamischen Bereich der richtige Weg. Eine ähnliche Richtlinie haben wir zudem auf europäischer Ebene unterzeichnet. Die amerikanischen Anbieter, die in diesem Markt eine wichtige Rolle spielen, machen dabei jedoch nicht mit. Das sollte man sich als Nutzer ganz genau angucken. Dazu gehört die Frage, ob man auf diesen Seiten genau über die Nutzungsbedingungen informiert wird, wie die Datenschutzbestimmungen aussehen, und ob man, wie hierzulande vorgeschrieben, die Möglichkeit hat, diesen Bedingungen aktiv zuzustimmen. Für die Nutzer ganz wichtig ist zudem, wie weit man selbst festlegen kann, was mit seinen Informationen geschieht. Damit mein Foto, mein Name, mein Profil nicht ohne mein Wissen und meine Zustimmung in einer Suchmaschine auftauchen. Denn Google löscht keine Daten. Was dort in der Datenbank ist, bleibt auch drin – für immer.

Das Gespräch führte Kurt Sagatz.

ZUR PERSON

Markus Berger-de Léon ist seit März Geschäftsführer der Internet-Communities SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben