Internet : Werbung bei Google News und ein schlechter Scherz

Für die Zeitungen ist Google seit langem Freund und Feind zugleich. Nun platziert der Internet-Konzern Werbung zwischen den Meldungen seines Nachrichten-Sammeldienstes Google News. Streit mit den Verlagen ist programmiert.

Kurt Sagatz

Diese Anzeige bei Google News ging offenbar zu weit: „Letzte Nachricht: Präsident Obama wurde ermordet. Vermutlicher Mörder ist ein russischer Spion“, darunter ein Link zu www.lolnews.usnewnews.com. Das LOL in der Adresse steht für Laughing Out Loud, übersetzt entspricht das dem bekannten Schenkelklopfer. Doch dieser Witz war anscheinend so geschmacklos, dass Google am Freitag auf die Werbung im Umfeld der Nachrichtensuche wieder verzichtete.

Google-Deutschlandsprecher Stefan Keuchel will bei dem heiklen Thema ohnehin lieber einen Gang zurückschalten. Die ersten Werbeeinblendungen von Google News seien „keine breit angelegte Werbeoffensive“, sondern eher eine Art Beta-Version. Diese sei zudem ausschließlich auf die USA und auch dort auf ausgewählte Themen beschränkt. „Für Deutschland gibt es keine Pläne“, sagte Keuchel.

Was nicht ist, kann noch werden. Google macht keinen Hehl daraus, dass mit dem Versuchsballon herausgefunden werden soll, wie sich Google News monetarisieren lässt. „In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollen wir sehen, ob damit Geld zu verdienen ist“, sagt Keuchel. Der Streit ist programmiert, denn die „Nachrichtenquellen“ an den Einnahmen zu beteiligen, ist nicht vorgesehen. Die Informationen stünden ohnehin kostenlos im Netz. Zudem würden die Nachrichtenquellen auf andere Weise von Google News profitieren. Ein nicht unerheblicher Anteil des Traffics dieser Seiten stamme von Google. Nach der Google-Suche und Google-Maps gehört die Nachrichtensuche zu den beliebtesten Angeboten des US-Unternehmens. Für Google News Deutschland werden 25.000 Nachrichtenquellen ausgewertet, die klassischen Zeitungs- und Magazintitel spielen hierbei eine herausgehobene Rolle.

Für die Verlage ist Google sei langem ein „Frienemy,“ also Freund und Feind zugleich, beschreibt Holger Kansky, Multimedia-Referent des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) das gespaltene Verhältnis der Verbandsmitglieder zu Google. Durch den US-Werbevorstoß werde die Problematik verschärft. „Google steht offenbar selber unter einigem Druck, denn Werbung auf den News-Seiten war bislang tabu“, sagt der BDZV-Experte: „Wenn diese Entwicklung auch nach Deutschland kommt, muss darüber nachgedacht werden, wie man sich dagegen positioniert.“ Fest steht: Der Werbemarkt wird enger, auch im Internet mit den bisher zweistelligen Zuwachsraten im Anzeigengeschäft. Zum Kongress „Zeitung online 2009“, der im Mai in Köln stattfindet, will der BDZV einen „Google-Report“ über den Einfluss von Google auf das Geschäft der Zeitungshäuser veröffentlichen. 

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