Internetjournalismus : Montgomery gibt Online mehr Gewicht

Die Devise „Online first“ der Springer-Tageszeitungen erhält ihre Entsprechung bei der britischen Mecom-Gruppe, zu der die „Berliner Zeitung“ und die „Hamburger Morgenpost“ gehören. In Zukunft soll der Leser mehr über die Inhalte bestimmen.

Im Laufe dieses Jahres werde jede Redaktion der Verlagsgruppe in ein „Content Department“ umgewandelt, das gleichermaßen für Print und Online arbeite, sagte Vorstandschef David Montgomery am Montagabend bei einer Veranstaltung der amerikanischen Handelskammer (AmCham) in Berlin.

Der Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Josef Depenbrock, arbeite daran, aus der Redaktion einen „Knotenpunkt für Content“ zu machen. So solle auch die 14-täglich erscheinende Stadtillustrierte „Tip“ künftig weniger nur ein Magazin sein, sondern über das Internet „lebendigen Content“ bieten, sagte Montgomery. Nach seinen Worten ist das klassische Geschäftsmodell der Zeitungen bankrott. Die Lösung liege in der Zweitverwertung von Inhalten und in der Interaktion mit dem Publikum. Journalisten dürften kein Monopol auf Inhalte haben. „Das Publikum möchte mitreden, möchte teilhaben an dem Medienerlebnis.“ Auch wollten die Nutzer und Leser sich untereinander vernetzen.

Nach Montgomerys Worten reagieren die Berliner Redaktionen der Mecom-Titel „enthusiastisch“ auf die geplanten Veränderungen. Die Mehrfachnutzung von Inhalten sei eine große Chance für Journalisten. Es gehe um neue Erlösquellen, aber eben auch um die Verantwortung der Branche. „Der Gesellschaft zu dienen ist das, was unser Geschäft zu etwas Besonderem macht“, sagte Montgomery.

Mecom mit Sitz in London ist unter anderem an Medienhäusern in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Polen und der Ukraine beteiligt. Montgomery unterstrich, dass die Gruppe sich grundsätzlich langfristig engagiere und nicht auf schnelle Gewinne aus sei. mod

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