Internetmedien : Netzeitung kämpft um ihre Zukunft

Josef Depenbrock überbrachte nur eine halbe frohe Botschaft. Trotz radikaler Restrukturierung bleibt die Onlinesparte des britischen Unternehmens erhalten. Der Betreibsrat sieht dennoch die eigentliche Arbeit der Redaktion in Gefahr.

Bei Netzeitung.de stand die Welt gestern für kurze Zeit still. Zwar gab es um elf Uhr genug neue Nachrichten, um die Seiten der Online-Zeitung zu füllen. Doch ausnahmsweise waren den 14 Mitarbeitern ihre eigenen Sorgen wichtiger als das Weltgeschehen. Zwei Stunden lang trafen sie sich zu einer Betriebsversammlung, denn sie fürchten, dass ihre Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Depebrock: Umzug aufgeschoben

Josef Depenbrock, Geschäftsführer der BV Deutsche Zeitungsholding, hatte kürzlich radikale Sparmaßnahmen angekündigt. 150 Stellen sollen in der Holding wegfallen, zu der neben der Netzeitung auch die "Berliner Zeitung“ oder die "Hamburger Morgenpost“ gehören. Eigentümer ist der britische Finanzinvestor David Montgomery mit seiner Mediengruppe Mecom.

Verschärft wurden die Sorgen der Netzeitungs-Mitarbeiter nun dadurch, dass Depenbrock ankündigte, Online habe keine Priorität mehr in der Holding. Die Restrukturierungsmaßnahmen seien jetzt wichtigstes Ziel. Kurzerhand fand der fürs vergangene Wochenende geplante Umzug in den gemeinsamen Newsroom für Netzeitung und Berliner Zeitung nicht statt. "Nur aufgeschoben“, versichert Depenbrock.

Netzeitung bleibt erhalten

Er will, dass die Online-Bereiche der "Berliner Zeitung“ und Netzeitung bald enger zusammenarbeiten. "Dadurch wird das Handicap der Netzeitung beseitigt, bisher nicht an ein Printhaus angebunden zu sein. Die Marke Netzeitung bleibt aber erhalten“, sagte Depenbrock. So könnten die Seiten der Online-Zeitung mit Texten der Zeitungsredakteure gefüllt werden. Ob und wie viele Stellen dadurch gespart werden sollen, sagte Depenbrock nicht.

Doch Netzeitungs-Betriebsrat Matthias Breitinger warnt vor solchen Plänen. Für eine Online-Zeitung wie die Netzeitung genüge es nicht, abends lediglich Texte auf die Seiten zu stellen, die am nächsten Tag in der "Berliner Zeitung“ stehen. "Wir müssen aktuell arbeiten. Und dafür brauchen wir ausreichend eigene Redakteure“, sagte er. "Nur mit einem starken Team können wir eine starke Marke bleiben.“ (TSP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben