Interview : "Bericht aus Berlin ist kein Politproporz"

Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, zum zehnten Geburtstag der sonntäglichen Sendung.

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Immer wieder sonntags. Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, moderierte bereits den ersten „Bericht aus Berlin“ am...

Herr Deppendorf, der „Bericht aus Berlin“ wird zehn Jahre alt. Was ist in dieser Zeit besser geworden – die Politik oder die Sendung?


Auf jeden Fall die Sendung.

Die wichtigen Politiker stehen unter permanenter Medienbeobachtung. Lässt sich in den Interviews überhaupt noch irgendetwas Neues herauspressen?

Bei hartnäckiger Nachfrage und Zeit: ja.

Reden Politiker vor der Kamera anders als hinter der Kamera?

In manchen Fällen ja.

Wer den „Bericht aus Berlin“ regelmäßig verfolgt, der bekommt den Eindruck, dass die Interviewpartner nach dem Stimmenanteil der Parteien im Bundestag ausgewählt werden. Warum ist der „Bericht aus Berlin“ TV gewordener Politproporz?

Der Eindruck ist falsch. Wir sind kein Politproporz: Wir wählen unsere Gäste nach Aktualität aus.

Bei den parteipolitischen Querelen um die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wurde getadelt, Brender sei unberechenbar. Die Chefs der Hauptstadtstudios von ARD und ZDF seien dagegen berechenbar. Was ist mit diesem Lob aus Unionskreisen gemeint?

Da müssen Sie diejenigen fragen, die so etwas behaupten. Peter Frey und ich sind nicht berechenbar.

Glaubt Politik unverdrossen an die Macht des Fernsehauftritts?

Ja. Und in Wahlkampfzeiten besonders.

Ist der „Bericht“ die Nachrichtenbeschaffungsmaschine für die „Tagesschau“?

An guten Tagen ja.

Was konnte, was kann Ihre Sendung beim Publikum erreichen?

Die Politik kritisch zu hinterfragen und die politischen Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Und das Aufzeigen der Konsequenzen der politischen Entscheidungen für die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Welche Themen interessieren die Zuschauer besonders, welche gar nicht?

Im Augenblick alle Themen zur Wirtschaftskrise. Bunte Themen gar nicht.

Der Sendetermin am Sonntag um 18 Uhr 30 scheint nicht der beste. Hat das ZDF-Pendant „Berlin direkt“ im Anschluss an „heute“ den attraktiveren Platz?

Ja, eindeutig. Von Anfang an.

Was unterscheidet den „Bericht aus Berlin“ von „Berlin direkt“?

Wir sind aktuell, kritisch, nachfragend und haben ein exzellentes Studiodesign.

2009, das Jahr der Bundestagswahl. Wie viele TV-Kanzlerduelle wird es geben?

Das wissen – wenn überhaupt – nur Merkel und Steinmeier.

Wer moderiert für die ARD: Anne Will, Frank Plasberg – oder Ulrich Deppendorf?

Da fragen Sie bitte die Intendantinnen und Intendanten.

Die Fragen stellte Joachim Huber.

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