Interview : "Ein Schocker im Finale"

Südafrikas Fußballreporter Robert Marawa über sein Treffen mit Marcel Reif, die WM und Liebe.

Gute Aussicht. Robert Marawa (l.) und Marcel Reif nehmen für Arte im Jonnesburger Stadion Soccer-City Platz.
Gute Aussicht. Robert Marawa (l.) und Marcel Reif nehmen für Arte im Jonnesburger Stadion Soccer-City Platz.Foto: Arte

Für die Arte-Sendung „Durch die Nacht mit …“ haben Sie den deutschen Fußball-Reporter Marcel Reif in Südafrika getroffen. Reif trägt bei der Begegnung ein normales Hemd, Sie das Trikot der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft. Haben Sie sich über Reifs Outfit gewundert?

Nein, der Unterschied ist mir gar nicht aufgefallen. Aber Fußballtrikots anzuziehen, ist bei uns gerade ganz normal, der Freitag wurde sogar inoffiziell zum Fußballfreitag ernannt. Vom Präsidenten, über die Minister, bis hin zu Schulkindern tragen alle Fußballtrikots. So stimmen wir uns auf die Weltmeisterschaft ein.

Tragen Sie das Trikot auch, wenn Sie auf Sendung sind?

Nein, dann ziehe ich einen Anzug an, denn als Journalist will ich neutral berichten und das soll sich auch in meiner Kleidung widerspiegeln.

Sie haben bereits 2006 von der Fußball-WM aus Deutschland berichtet. Haben Sie Unterschiede feststellen können, wie deutsche und wie südafrikanische Reporter über Fußball berichten?

Ja, darüber habe ich mich auch mit Marcel Reif unterhalten. Deutsche Reporter beziehen sich sehr oft auf Statistiken und nutzen diese in ihren Sendungen. Wir konzentrieren uns dagegen eher auf technische Aspekte, das ist einer der fundamentalen Unterschiede.

Aber gibt es trotz der Unterschiede generell Fähigkeiten, die einen guten Fußballreporter ausmachen?

Viel Liebe und Leidenschaft für Fußball. Wichtig ist, den Sport schon lange Zeit beobachtet zu haben, damit man Situationen einordnen kann, ohne lange in die Notizen schauen zu müssen. Mich treibt meine Liebe zum Spiel immer wieder an.

Ihre Art kommt beim Publikum offensichtlich gut an. In Südafrika haben Sie den Status eines Popstars.

Das liegt auch daran, dass Fußball hier eine so große Rolle spielt. Jeder schaltet die Übertragungen und Analysen im Radio und Fernsehen ein und will Teil der Fußballfamilie sein.

Warum ist Fußball so beliebt in Südafrika?

Fußball ist nah an den Menschen dran. Und speziell während des Apartheid war Fußball ein Weg für die Menschen, sich auszudrücken. Für viele Spieler ist es später ein Weg gewesen, der Armut zu entfliehen und im Ausland Karriere zu machen, so wie Jomo Sono, der bei den New York Cosmos und dann den Toronto Blizzards spielte. Fußball wird bei uns regelrecht als Kunstform gefeiert.

Und wie, tippen Sie, schneiden die deutschen Fußballkünstler ohne den verletzten Michael Ballack ab?

Es tut mir wirklich leid, dass Ballack nicht dabei sein kann. Aber das deutsche Team hat auch andere gute Spieler, Sebastian Schweinsteiger hat sich toll entwickelt. Ich sehe Deutschland mindestens im Achtelfinale.

Wer wird dann Weltmeister? Marcel Reif tippt auf ein Finale zwischen Spanien und Brasilien.

Ich würde mich über einen echten Schocker freuen, ein Finale mit einem Team, mit dem niemand gerechnet hat. Am liebsten wäre mir eine Entscheidung zwischen der Elfenbeinküste und Brasilien.

Das Gespräch führte Sonja Pohlmann.

„Durch die Nacht mit ... Marcel Reif und Robert Marawa“, Arte, 0 Uhr

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