Interview : „Filme guckt man besser weiter im Fernsehen“

Der Youtube-Gründer Chad Hurley zur Zukunft des Videoportals. Rechtsextreme Inhalte und der Mutter-Konzern Google spielen für ihn dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Hurley Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Mitgründer und heutiger CEO von Youtube, Chad Hurley. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mr. Hurley, auf Youtube tauschen Millionen von Nutzern Videos aus. Viele davon sind nicht für Ihre Plattform lizenziert. Sind Sie Held oder Bösewicht?

Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort. Vor 2005 war es extrem schwierig, Videos zu tauschen. Wir eröffnen denen, die mit ihren Handys und Kameras Videos aufnehmen, die Möglichkeit, Teil einer globalen Öffentlichkeit zu werden.

Und verletzen dabei auch das Copyright von TV-Sendern, Musikern, Künstlern...

Das ist eines der kleineren Probleme. Vor allem machen wir es Medienunternehmen möglich, dieses neue Publikum zu erreichen. Alle haben von „online-Videos“ gesprochen, wir haben dafür die Türen geöffnet. Allein in Deutschland hat Youtube schon über 60 Partner, vom ZDF über Bayern München bis zur SPD.

Wird Youtube zu einer Art World Television?

Nein. Neben DVDs, Downloads und Kabel- und Satelliten-TV bieten wir nur eine weitere Option, um Videomaterial zu verbreiten. Die Leute gehen online, wollen kurze Clips schauen, sie mit anderen teilen und miteinander sprechen – nicht Filme in voller Länge anschauen.

Es bleibt also bei den kurzen Clips?

Ja. Eine Sendung oder einen Film schaut man sich am besten immer noch im Fernsehen an.

Wie viel Zeit verbringen Sie auf Youtube?

Schwer zu sagen. Pro Minute kommen neue Videos in einer Länge von etwa acht Stunden auf die Seite. Es ist schwer, da dranzubleiben.

Fühlen Sie sich eigentlich verantwortlich für Youtube-Inhalte, die Hitler-Reden oder Rassenhass verbreiten?

Nein. Das ist kein typisches Problem von Youtube: Im Internet tauschen die Leute aus, was sie wollen, ob gut oder schlecht. Wir haben klare Richtlinien zu Inhalten mit Gewalt, Hass oder Pornografie, und Mechanismen, mit denen Nutzer Videos melden können, die inhaltlich bedenklich sind. Bei uns soll aber jeder das Gefühl haben, teilnehmen zu können.

Google hat Youtube für 1,65 Milliarden Dollar gekauft. Hat sich das gelohnt?

Google will von uns, dass wir über mehr Ressourcen verfügen, um ein besseres Produkt für unsere Nutzer zu machen. Machen wir unsere Nutzer weiter glücklich, dann ist auch Google glücklich.

Aber Google will auch Geld verdienen.

Wir wollen auf Youtube mehr Werbung platzieren, aber wir können Lösungen finden, bei denen die Nutzer nicht davon abgelenkt werden, was sie eigentlich wollen: Videos schauen.

Gestern vergab Youtube in Berlin den „Secret-Talents“-Preis. Was ist denn Ihr geheimes Talent?

Hmm. Websites bauen!



Das Gespräch führte Moritz Gathmann

Chad Hurley, 30,  2005 Mitgründer und heutiger CEO beim Videoportal Youtube. Nebenbei finanziert der studierte Grafikdesigner und  Millionär Filme

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