Interview : „Formel 1 ist stärker als jede Automarke“

Hans Mahr, der mit seiner Firma Mahmedia die RTL Group berät, spricht mit dem Tagesspiegel über den Saisonstart der Formel 1in Australien, spannende TV-Duelle und ein Stadtrennen in Berlin.

Mahr
Hans Mahr -Foto: ddp

Herr Mahr, Sie haben über Jahre die Sportberichterstattung mitgestaltet. Mit welchem Interesse verfolgen Sie die neue Formel-1-Saison, die am Wochenende in Melbourne in Australien beginnt?

Mit ganz hohem Interesse, weil ich nach wie vor glaube, dass es neben dem Fußball wirklich nur eine andere Fernsehsportart gibt, und das ist die Formel 1.

Die letzte Saison wäre fast am grünen Tisch entschieden worden. Droht so etwas auch in diesem Jahr?

Ich glaube nicht, dass die Spionagegeschichten weitergehen. Die sind mehr oder minder ausgestanden. Bei McLaren-Mercedes wird Ron Dennis wahrscheinlich zurücktreten. Man könnte sagen: Schwamm drüber! Ich bin sicher, dass man sich nun wieder voll auf die sportlichen Seiten konzentrieren kann. Und das wird genauso spannend werden.

Zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes zeichnet sich ein Duell mit einem unglaublichen Wettrüsten ab. Niki Lauda spricht vom „Kalten Krieg“. Ist die Zuspitzung für die Sender gut oder schlecht?

Jede Zuspitzung ist gut, jedes Duell, jede Spannung ist gut. Den Sendern kann gar nichts Besseres passieren, als wenn einige besonders starke Fahrer um die WM kämpfen. Hoffentlich sind darunter auch einige Deutsche.

Bernie Ecclestone möchte mehr Stadtrennen, doch in Deutschland stößt er dabei auf wenig Gegenliebe. Wie wünschenswert ist ein Rennen in Berlin?

Ein Stadtrennen in Berlin wäre das Größte, was man für den Motorsport in Deutschland machen könnte. Da würden sicher 150 000 bis 200 000 Leute dabei sein. Für Berlin wäre das eine wahnsinnige Werbung. Es gibt keine Sportart, die weltweit so gesehen wird. Es gibt also gute Gründe, das mal wieder zu prüfen.

Gesprochen wird jedoch nur über die Bedenken. Können Sie das nachvollziehen?

Da ich ja selber grün angehaucht bin, kann ich die Bedenken sehr wohl nachvollziehen. Der Ausstoß von Abgasen bei einem solchen Rennen ist natürlich ökologisch keine gute Sache. Aber man muss das alles in der Relation sehen. Nehmen Sie die Menschen, die zu einem Fußballspiel fahren. Zum Beispiel die fast 70 000, die sich ein Spiel von Bayern München anschauen. Die verpesten die Luft mehr als die ganze Formel 1 bei einem Stadtkurs in Berlin.

Die massivste Kritik an der Formel 1 lautet: zu viele Regeln, zu wenig Überholmanöver. Jetzt hat der Formel-1-Veranstalter Fia eine einheitliche Motorelektronik vorgeschrieben. Wie viel Egalisierung verkraftet die Formel 1 noch?

Einige Änderungen wirken der Egalisierung sogar entgegen. Bisher haben alle Teams mit Traktionskontrolle gearbeitet. Die fällt jetzt weg und es kommt somit mehr auf den Fahrer und weniger auf den Computer an. Dass man bei den Einheitsreifen und der Einheitseinspritzpumpe angelangt ist, halte ich nicht für so schlecht. Es muss nicht jedes Team jede technische Entwicklung mit Millionenaufwand selbst voranbringen. Das andere ist: Wenn eine Technik für alle Teams gleich ist, kann sie im Sinne eines sportlichen Wettbewerbs auch besser kontrolliert werden. Aber sicherlich wäre es sehr erfreulich, wenn es mehr Überholmanöver gäbe. Aber das liegt ja nicht nur an den Autos, sondern auch an den Kursen. Bei einer wunderbaren Strecke wie in Monaco gibt es eben nicht so viele Stellen zum Überholen.

Timo Glock, Nick Heidfeld, Nico Rosberg, Adrian Sutil, Sebastian Vettel – dürfen sich die Zuschauer uneingeschränkt über fünf deutsche Fahrer freuen oder spielt das am Ende keine Rolle, weil außer Heidfeld von denen doch keiner ganz vorne mitfährt?

Je mehr deutsche Fahrer, desto besser für das deutsche Publikum. Auch wenn vermutlich neben Nick Heidfeld von den deutschen Fahrern nur Nico Rosberg eine Chance haben wird, ganz vorn dabei zu sein. Dennoch wird es möglicherweise der eine oder andere schaffen, sich durch eine gute Leistung auch in den schwächeren Autos für ein stärkeres Auto zu empfehlen. Und das schafft die Voraussetzung dafür, in den kommenden Jahren in den guten Autos auch wieder mehr deutsche Fahrer zu sehen.

Die Formel 1 ist im ständigen Wandel. Wie schlau ist es, dass RTL erneut mit Florian König und Niki Lauda, Heiko Wasser und Christian Danner sowie Boxengänger Kai Ebel in die neue Saison geht?

Darauf möchte ich mit einer Gegenfrage antworten: Kennen Sie ein besseres Team? Ich kenne keinen Besseren als Niki Lauda und auch die anderen sind ein eingespieltes Team, die die beste Berichterstattung gewährleisten. Warum soll man da unnötigerweise einen austauschen, nur um ein neues Gesicht zu präsentieren.

Ende 2006 hat Michael Schumacher seine Karriere als aktiver Formel-1-Pilot beendet, mit dem Saisonende 2007 ist auch für Ralf – den sie als Manager betreut haben – in dieser Klasse vorerst Schluss. Was bedeutet eine Formel 1 ohne Schumacher?

Aus meiner Sicht ist das nicht unbedingt ideal. Aber die Formel 1 hat alles überlebt. Sie hat den furchtbaren Tod von Ayrton Senna im Jahr 1994 überlebt, sie hat das Ausscheiden von Michael Schumacher überlebt und wird nun auch das von Ralf überleben. Die Formel 1 ist stärker als ihre Fahrer und sie ist sogar stärker als jede Automarke. Mein Wunsch ist: Wer auch immer vorne mitfährt, hoffentlich ist ein Deutscher dabei.

Das Interview führte Kurt Sagatz.

Hans Mahr war

Chefredakteur und

Informationsdirektor bei RTL, später im

Premiere-Vorstand für den Sportbereich

zuständig. Mit seiner Firma Mahrmedia berät er die RTL Group.

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