Interview : „Ganz blöde Idee“

Wer immer „Wetten, dass..?“ einstellen will, der bekommt es mit Show-Erfinder Frank Elstner zu tun. Und Thomas Gottschalk hätte ruhig noch ein paar Jahre dranhängen können.

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Zwei und eine Show. Frank Elstner (links) hatte einst die Idee zu „Wetten, dass..?“. Er hat die Premiere am 14. Februar 1981 und bis 1987 noch 38-mal moderiert. Dann kam Thomas Gottschalk und „Wetten, dass..?“ wurde seine Show. Am 3. Dezember hat er aufgehört und ist zur ARD gegangen. Das ZDF will „Wetten, dass..?“ 2012 fortsetzen. Foto: picture-alliance
Zwei und eine Show. Frank Elstner (links) hatte einst die Idee zu „Wetten, dass..?“. Er hat die Premiere am 14. Februar 1981 und...Foto: picture alliance / Eventpress Ra

Herr Elstner, wie lange haben wir für unser Gespräch?

So lange, bis Sie mich langweilen.

Perfektes Stichwort. Langweilt Sie nicht inzwischen die Diskussion um die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“?

Wenn über „Wetten, dass..?“ so ausdauernd diskutiert wird, dann ist das erst mal ein gutes Zeichen. Dass um die Moderation so lange diskutiert wird, das finde ich dagegen überflüssig. Mir tut es leid für alle Beteiligten, die bisher genannt wurden und in Wirklichkeit nie eine Chance hatten.

Hätten Sie einen Kandidaten für uns?

Ich hätte auf keinen Fall einen Kandidaten für Sie, weil ich mich nicht einmische in die Belange des ZDF. Nur so viel: Es gibt genügend begabte Moderatoren in Deutschland. Ich sehe kein Problem darin, „Wetten, dass..?“ neu zu besetzen. Mit wem, das ist das Geheimnis des ZDF. Und an wen ich denke, das wird mein Geheimnis bleiben.

Sehr schade. Aber sieht es nicht auch für Sie so aus, als stochere das ZDF im Nebel?

Haben Sie das ZDF schon gefragt?

Aber sicher.

Und, was haben die gesagt?

Nichts.

Tja, dann kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie Sie. Ich lese jeden Tag neue Spekulationen. Und das wird erst ein Ende finden, wenn das ZDF sagt, so und so geht es weiter. Der Programmdirektor des Senders will ja im Januar eine Entscheidung treffen. Müssen wir halt so lange warten.

Sie haben „Wetten, dass..?“ erfunden. Ihnen kann es doch nicht egal sein, was mit der Sendung passiert!

Natürlich ist mir das nicht egal. Wenn es so wäre, dann wäre ich ja ein Trottel. Ich will es mal so sagen: Thomas Gottschalk war ein so übermächtiger Star, dass es mich nicht wundert, dass die Diskussion um seine Nachfolge so lange dauert. Mir hat nur ein bisschen leidgetan, dass Thomas Gottschalk in seiner letzten Sendung nicht seinen Nachfolger selbst präsentieren konnte.

Wir hatten gehofft, Sie würden die Sache wieder in die Hand nehmen.

Sehr nett von Ihnen. Wirklich.

Es sieht aber doch so aus, als wüssten die Herren im ZDF nicht so recht wie weiter.

Es ist nicht meine Art, aus der Ferne meinen Senf dazuzugeben. Ich finde, dass ZDF hat die Sendung all die Jahre sehr gut präsentiert. Immerhin ist „Wetten, dass..?“ die erfolgreichste Show Europas, das ist doch schon mal was. Die Situation, so wie sie heute ist, tut doch vor allem den Journalisten weh, die langsam nicht mehr wissen, was sie noch schreiben sollen, weil es immer nur um die Gottschalk-Nachfolge geht. Dabei wäre es doch schön, wenn mal wieder über die Inhalte von „Wetten, dass..?“ geschrieben würde. Die Sendung hätte es verdient. Deshalb wünsche ich mir und uns allen, dass das ZDF bald eine Lösung findet. Im Moment erleben wir ein planloses Geplänkel. Das muss eine Ende haben. Möglichst schnell.

War es richtig, dass Thomas Gottschalk aufgehört hat?

Ich finde, er hätte ruhig noch ein paar Jahre dranhängen können. Aber Thomas Gottschalk ist kein Dummkopf, er wird schon wissen, was er macht.

Im ZDF läuft „Wetten, dass..?“, in der ARD zur selben Zeit Thomas Gottschalk und eine große Abendshow: Können Sie sich das vorstellen?

Dazu wird es nicht kommen. Niemand wird so dumm sein, zwei Lokomotiven aufeinander zu rasen zu lassen.

Sie setzen auf die Klugheit aller Beteiligten. Ist es auch klug vom ZDF, „Wetten, dass..?“ fortzusetzen?

Das halte ich sogar für eine sehr kluge Entscheidung. Die Sendung in ihrer Grundidee ist nach wie vor gut. Man sollte jetzt vielleicht eine kleine Pause einlegen, aber dann wieder mit voller Kraft durchstarten. Vielleicht werden wir ja alle von dem überrascht, was das ZDF im Januar mitzuteilen hat.

Halten Sie die Idee, „Wetten, dass..?“ sterben zu lassen, um Platz für Neues zu schaffen, für eine blöde Idee?

Für eine ganz blöde Idee. Warum sollte man das tun? Warum eine erfolgreiche Sendung einstellen, nur weil der Moderator wechselt? Eine Show ist immer ein Gesamtwerk, es liegt nie an nur einem einzigen Menschen und sei er auch noch so bekannt und beliebt.

Wir hatten zuletzt den Eindruck, „Wetten, dass..?“ sei Thomas Gottschalk und umgekehrt.

Ein Irrtum. Das wurde vielleicht von den Medien so gesehen, aber das macht es nicht richtiger.

Was halten Sie von der Idee, irgendjemand völlig Unbekanntem eine Chance zu geben?

Sehr viel. Das würde mich auf jeden Fall schon mal sehr neugierig machen. Ich finde, „Wetten, dass..?“ sollte so gemacht werden, dass möglichst viele Menschen möglichst viel Freude daran finden und dabei auch noch Platz für Neues ist.

Verstehen Sie die Absage von Hape Kerkeling?

Ich habe großen Respekt vor Hape Kerkeling. Er wird sich überlegt haben, was er am besten kann. Aber Sie müssen mir nachsehen, dass ich zu einzelnen Personen keine Stellung nehme. Das steht mir einfach nicht zu.

Lassen Sie uns 1000 Blumen blühen lassen! Warum nicht eine Frau als Moderatorin, oder zwei, oder drei?

Es gab in Japan eine Sendung, die von drei Frauen präsentiert wurde. Die Idee habe ich dem ZDF vorgetragen, es wurden drei Frauen ausgesucht, die Sendung aber nach sechs Folgen eingestellt. Was will ich damit sagen? Man könnte es machen. Aber ein Garant für einen Erfolg wäre es auch nicht. Erfolg im Fernsehen herzustellen, ist eine extrem schwierige Sache. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber Ideen gibt es ohne Ende. Das Fernsehen wird sich in den nächsten Jahren stark verändern, auch unter dem Einfluss der neuen Medien. Und eine der Stärken des neuen Fernsehens werden Livesendungen sein. Man sollte also das, was man hat, hüten und pflegen. Zum Beispiel „Wetten, dass..?“.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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