Interview : Mariele Millowitsch: "Da sind die Messer schärfer"

Mariele Millowitsch im Tagesspiegel-Interview über Jugendwahn, US-Serien und ihre neue Krimireihe.

Marie und die tödliche Gier
Mariele Millowitsch.Foto: ZDF

Erst mal eine Fachfrage an die Tierärztin: Können Dackel wirklich einen Bandscheibenvorfall bekommen, wie Sie in Ihrer Doktorarbeit untersucht haben?



Oh ja, unbedingt, diese Rasse ist prädestiniert dafür. Das hat mit dem Stoffelwechsel im Knorpel zu tun.

Aber Dackel müssen nicht schwer tragen?

Die haben einfach Pech, dass sich die Bandscheiben anders verhalten als bei anderen Hunden. Ein Züchtungsproblem.

In Ihrer neuen Krimireihe betreibt Ihr Mann eine Tierhandlung. Haben Sie bei der Entwicklung der Figur mitgeredet?

Nicht bei den Reptilien. Das war die Idee des Autors Alexander Adolph, aber ich war begeistert.

Ihre Figur, Marie, hatte in der Mordkommission gearbeitet, ebenso wie der Vater, der bei einem Überfall erschossen wurde. Marie ist ein traumatisiertes Genie, kein Bösewicht. Haben Sie nicht mal Lust, auszubrechen aus diesem Fach: „patente, sympathische Frau mitten aus dem Leben“?

Ich habe mich mal vor ein paar Jahren gegen diese Schublade gewehrt, aber ich habe darin noch ganz viel Raum. Vielleicht kommt mal jemand, der für mich eine Figur schreibt, die richtig böse und kaputt ist. Hab’ ja noch ein bisschen Luft.

Wie wirkt sich das Älterwerden in Ihrer Karriere aus?

Der Jugendwahn hat mich nicht tangiert, weil meine Karriere angefangen hat, wenn sie bei anderen aufhört. Die „Girlfriends“ habe ich mit 39 begonnen zu drehen. Ich hatte immer Glück, dass sich die richtigen Türen geöffnet haben und werde ganz sicher nicht auf Teufel komm raus eine viel jüngere Frau spielen.

Vor zwei Jahren hat RTL „Die Familienanwältin“ mit Ihnen in der Titelrolle vorzeitig abgesetzt.


Es war schade um das Format, da war ich schon verärgert. Die Serie lief beim falschen Sender. Die Privaten haben einen anderen Druck als die Öffentlich-Rechtlichen. Da sind die Messer schärfer. Ich glaube nicht, dass ich für Private noch einmal eine Serie drehen würde.

Warum musste es nun wieder eine Krimiserie sein, von denen es bereits so viele gibt?

Ich weiß, aber von den Berufssparten, in denen man eng mit Menschen zusammenarbeitet, gibt es nicht so viele. Da landen Sie schnell bei Anwälten, Ärzten oder Kommissaren. Ich war schon alles.

Auch ihr langjähriger Dreh-Partner Walter Sittler spielt einen ZDF-Kommissar. Gibt es noch einmal gemeinsame Pläne?

Nein, es fällt keinem etwas zu uns ein.

Bedauern Sie das?

Ja! Er ist so ein hinreißender Schauspieler, ich würde sofort wieder mit ihm arbeiten. Aber es gibt keine gescheiten Bücher.

Anders als bei US-Serien.


Ich schaue die wie verrückt. Haben die Autoren! Aber die wissen, dass sie das Geld wieder einspielen, weil sie es in die ganze Welt verkaufen.

Sind denn gute Ideen teuer?

Die wenigen guten Autoren in Deutschland sind erst mal nicht zu bekommen, und wenn doch, dann kosten sie. Bei „Nikola“ hatten wir amerikanische Autoren, die nur für den deutschen Markt geschrieben haben, und deutsche Autoren, die das übersetzt haben. Das bezahlt ihnen heute keiner mehr.

Sie hatten bei „Beckmann“ eine Art Familientreffen. Wie hat es das Verhältnis der Geschwister untereinander beeinflusst, dass sie eine öffentliche Familie sind?


Gar nicht, das war ja immer so. Jeder von uns geht anders damit um.

Sie sind noch das Nesthäkchen, oder? Dafür spricht schon der Name: Mariele.

Ja, der Name, dafür kann ich nichts.

Sie könnten sagen: Ich heiße Marie-Luise.

Der ist mit Frau Marjan und anderen Kolleginnen belegt. Natürlich ist eine Verniedlichung in meinem Alter – ich bin auch nicht gerade filigran – ein bisschen merkwürdig. Ich ändere das nicht mehr.

Hätten Sie nicht doch Lust gehabt, das Theater in Köln zu übernehmen?


Damals ja, jetzt nicht mehr. Es war Vaters Erbhof-Mentalität. Als Frau hatte ich keine Chance, das Theater zu bekommen. Das ist okay, es ist kein Stachel geblieben.

Das Gespräch führte  Thomas Gehringer.

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