Interview : "Meine Kinder sind Klimadetektive"

Jörg Pilawa spricht mit dem Tagesspiegel über Solaranlagen in Hamburg, schlechtes Gewissen – und seine Zukunft im ZDF.

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Mr. Quiz. Jörg Pilawa wechselt 2010 zum ZDF. Für die Doku »Pilawas Welt von morgen - Wie wir das Klima retten können« (ARD, 21...NDR Presse und Information

Herr Pilawa, woher kommt jetzt Ihr Engagement in Sachen Klima?



Als Vater dreier Kinder kommt man doch zwangsläufig zu der Frage: Und wie sieht die Welt im Jahr 2080 aus? Meine Kinder werden in dieser Zeit leben, und ich möchte dabei helfen, dass wir unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft hinterlassen. Als der Autor Detlef Cordts mir eine Klimadoku vorgeschlagen hat, habe ich spontan zugesagt. Die Klimadokumentation hat mich am meisten Arbeit im vergangenen Jahr gekostet. Aber keine Sendung mir auch so viel Spaß gemacht. Ich habe ganz, ganz viel gelernt.

Für diese Reportage trugen Sie ja auch zur Erderwärmung bei – indirekt, mittels Flugzeug nach Burkina Faso. Anders geht es wohl nicht, aber trotzdem: Haben Sie kein schlechtes Gewissen?


Nein, überhaupt nicht. Wir sind nach China und Afrika geflogen, waren viel in Deutschland unterwegs. Wir haben CO2 produziert und damit das Klima belastet, richtig. Aber wir haben eine Dokumentation erstellt, in der nicht nur die Folgen des Klimawandels aufgezeigt werden, sondern für die Zuschauer auch jede Menge Tipps gegeben werden, wie man ganz persönlich etwas gegen den Klimawandel unternehmen kann. Ich bin sicher, die Energiebilanz unserer Klimadoku wird positiv sein. Außerdem gibt es ja Klimazertifikate zu kaufen.

Was hat Sie denn auf dieser Reise am meisten überrascht?


Ich hab’ oft einen Schreck bekommen, welche verheerenden Folgen der Klimawandel haben wird, wenn wir nicht sofort handeln. Es ist wirklich eine Minute vor zwölf. Zugleich bin ich aber auch immer wieder überrascht worden, mit welch einfachen Mitteln etwas gegen den Klimawandel unternommen werden kann und unternommen wird.

Ein paar Beispiele?

In Burkina Faso zäunt die Umweltorganisation newTree, eine Nichtregierungsorganisation aus der Schweiz, die Sahelzone ein. Einfach Schutzzäune aufstellen, schon wachsen da ganz von selbst wieder Bäume und Büsche, weil die Ziegen vom Gelände ausgesperrt sind. Oder nehmen wir den Ort Dardesheim im Harz. Die Gemeinde hat sich komplett auf erneuerbare Energien umgestellt und speist heute vierzig Mal so viel Strom ins Netz, wie sie selber verbraucht. Es geht doch.

Dann müssten Sie auch privat, zu Hause in Hamburg, mit gutem Beispiel vorangehen.


Die Solaranlage ist auf dem Dach installiert, meine Kinder sind wechselweise Klimadetektive und achten darauf, dass nicht unnötig Licht im Haus brennt, der Vater hat den Sportwagen abgeschafft und einen Hybrid-Wagen bestellt. Nun sparen wir 170 Gramm CO2-Emission pro gefahrenem Kilometer.

Hand aufs Herz, glauben Sie wirklich, dass die Erde noch zu retten ist? Den Politikern in Kopenhagen traut man kaum was zu.


Ich bin optimistisch, dass es klappt. Wir können das Ziel erreichen, die maximale durchschnittliche Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Dafür müssen wir alle etwas tun. Und wir müssen den Politikern klipp und klar sagen: „Jetzt ist es Zeit zu handeln!“ Sollte es in Kopenhagen kein verbindliches Abkommen geben, setzt die Politik unsere Zukunft aufs Spielt.

Solche Reportagen haben Sie nicht allzu oft bei der ARD gemacht. Da sind Sie Mr. Quiz. Wird es so etwas auch beim ZDF verstärkt geben? Wollen Sie im Zweiten noch journalistischer werden?


Die Arbeit an der Klimadoku hat mir nicht nur viel Spaß gemacht, sondern meine grauen Zellen mobilisiert. Und die arbeiten mit dem Autor Detlef Cordts an weiteren Ideen.

Das Interview führte Markus Ehrenberg.

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