Interview : Oliver Welke: „Ich bin der Fake-Anchor“

„heute“ wird „heute-show“: Oliver Welke moderiert eine neue Nachrichtensatire. Ein Interview.

Olli Welke
Nein, das ist nicht Steffen Seibert, das ist Olli Welke. -Foto: ZDF

Gratulation, Herr Welke, Sie werden jetzt Politainer …



Was sollen wir lange drum herumreden: „Politainment“ ist wieder so ein klassischer Pressemitteilungs-Kniff. Soll halt wie was klingen, was es vorher noch nie gab. Gemeint ist wohl: Wir machen eine Unterhaltungssendung, aber zu politischen Themen.

In schlagkräftigen Worten: Was ist die „heute-show“?

Die „heute-show“ ist eine Nachrichtensatire. Der Amerikaner nennt das „Fake News“. Sieht erst mal aus wie eine Nachrichtensendung, aber wer länger zusieht, der merkt, es ist gar keine. Und viele unserer Reporter sind nicht mal Journalisten.

Und Ihre Rolle darin?

Ich wäre dann folgerichtig der „Fake-Anchor“. Sehe aus wie ein Nachrichtenmann, inklusive Krawatte, bin aber keiner.

Sind Sie eigentlich der verfrühte Harald Schmidt? Der ARD-Mann soll ab September an die „Daily Show“ des US-Vorbilds Jon Stewart anknüpfen. Das sollen Sie auch.

Tatsächlich haben wir keine Ahnung, was genau Harald Schmidt ab September in der ARD macht. Daher halten wir es wie der FC Bayern und sagen: Wir gucken nur auf unser eigenes Spiel.

Ihre Fernsehbilder und Nachrichten aus der Politik sind echt oder erfunden?

Die Ausschnitte und O-Töne aus anderen Sendungen sind alle echt. Zusätzlich schicken wir unsere Leute aber auch mal zu Parteitagen und ähnlichen Veranstaltungen, um einfach mal andere Fragen zu stellen.

Sie starten eine Absetzbewegung zu sich selbst, zum Sat–1–Comedian Oliver Welke, indem Sie jetzt „echte politische Satire“ machen wollen. Was ist das, „echte politische Satire“?

Es geht um Politik im Fernsehen. Also nicht nur um Politiker und was sie so beruflich machen, sondern auch um die Rolle der Medien. Konkret darum, wie Politik im Superwahljahr bei den verschiedenen Sendern behandelt wird.

Wie aktuell ist die „heute-show“?

Wir zeichnen am Sendungstag um 18 Uhr 30 auf.

Boulevard kommt bei Ihnen gar nicht vor. Schade eigentlich.

Gelegentlich lappt ja Politik auch mal in andere Lebensbereiche hinein. Schauspieler lassen sich vor Parteikarren spannen. Oder Edmund Stoiber redet über die Bundesliga. Dann könnte sogar Fußball mal vorkommen.

Urban Priol und Georg Schramm tauchen mit „Neues aus der Anstalt“ im ZDF immer knapp vor der „heute-show“ auf. Wer garantiert, dass diese Kabarettisten Ihnen nicht die Butter vom Brot nehmen?

Erstens stimmen wir uns schon ein wenig ab, und zweitens sind ja im Gegensatz zu „NADA“ die TV-Ausschnitte das Rückgrat unserer Sendung. Die Formate beißen sich kein bisschen.

Martina Hill, grandios in „Switch Reloaded“ unter anderem als ARD-Börsenkorrespondentin Anja Kohl, ist Ihre Assistentin, Partnerin oder was?

Assistentin wäre schön. Tatsächlich ist die großartige Kollegin für unsere Version des ZDF-„Politikbarometers“ zuständig. „Kompetent in Prozent“ heißt das bei uns. Martina spielt eine Frau, die meint, die Welt mit Zahlen erklären zu können.

Das erinnert alles verdammt an Rudi Carrells „Tagesshow“. Der bot eine Persiflage auf die „Tagesschau“.

Wie Rudis „Tagesshow“ arbeiten wir mit Nachrichtenausschnitten. Allerdings spielen wir keine Sketche, und Norbert Blüm schüttet mir auch keinen Eimer Wasser über den Kopf.

Können wir uns wieder auf Ihr sardonisches Westfalen-Lächeln freuen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber wenn das so westfälisch rüberkommt, mache ich das jetzt öfter.

Das Interview führte Joachim Huber.

„heute-show“, 23 Uhr, ZDF

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