Interview : „Turbulenzen machen mich nervös“

Felicitas Woll über die Angst vorm Fliegen, die Leichtigkeit von Lolle und ihre Rolle als Bertha Benz.

Der Fernsehfilm „Carl & Bertha“ (ARD, 20 Uhr 15) mit Ken Duken und Felicitas Woll erzählt die Liebesgeschichte zwischen Carl Benz, der vor 125 Jahren das Automobil erfand, und seiner Frau Bertha. Sie schrieb sich mit der ersten Fahrt im pferdelosen Wagen in die Technikgeschichte ein.
Der Fernsehfilm „Carl & Bertha“ (ARD, 20 Uhr 15) mit Ken Duken und Felicitas Woll erzählt die Liebesgeschichte zwischen Carl Benz,...Foto: SWR

Frau Woll, im Rahmen der ARD-Themenwoche „Der mobile Mensch“ spielen Sie in dem Fernsehfilm „Carl und Bertha“ die Frau von Automobil-Entwickler Benz. Was bedeutet für Sie Mobilität?

Mobilität verbinde ich mit geistiger Freiheit und Beweglichkeit. Auch träumen macht mobil. Die möglichst schnelle Fortbewegung von A nach B allein finde ich nicht so bedeutsam. Wenn sich etwa die Bahn verspätet, müssen manche Leute die Bahnmitarbeiter übel beschimpfen. Da denke ich, es gibt andere Probleme, wo ich mich aufregen kann und muss. Von daher bin ich eigentlich ganz froh über einen solchen Moment der Entschleunigung.

Können Sie das gut, Tempo rausnehmen?

Ja. Wenn ich nach dem Drehen nach Hause fahre, bin ich nur zu Hause. Ich bin dann in meiner Welt, bin mit meiner Tochter zusammen, habe meinen Garten, mein Haus. Ich lebe den Moment. Den Moment des Draußensitzens, des Lesens und des Abschaltens. Aber das ist natürlich schwer, weil ich auch immer gezwungen bin, auf mein Telefon zu schauen, ob irgendwas angekommen ist oder nicht. Ich kann das aber auch gut ausschalten. Ich bin kein Gerne-Telefonierer.

Reisen Sie gerne?

Ja schon, wenn das Reisen mich nicht so anstrengen würde. Mobilität hat für mich manchmal auch mit Angst zu tun. Wenn ich in den Flieger steige, denke ich schon kurz darüber nach, dass ich vielleicht nicht mehr zurückkomme. Ich bin nicht der Typ, der bei Turbulenzen im Flugzeug ruhig seine Zeitung weiterliest. Ich werde dann nervös. Trotzdem finde ich es schön, mir die Welt anzuschauen und bin gerne unterwegs.

Sie leben in Hessen ganz idyllisch auf dem Land. Haben sie je überlegt, nach Berlin zu ziehen?

Sicher, aber ich hab mich schnell dagegen entschieden. Ich mag Berlin unheimlich gerne, meine Familie stammt von dort. Aber Stadt ist für mich trotzdem ein absolut künstlicher Ort. Es gibt zwar schöne Grünanlagen, doch für mich, die ich am Nationalpark lebe, fehlt da der echte Bezug zur Natur. So nah an Riesenhäusern, überall Autos und Menschen und ständig die Frage, was mache ich heute Abend, mit wem treffe ich mich morgen zum Frühstück oder auf welche Ausstellung gehe ich. Das ist nett ab und zu, aber auf Dauer macht es mich eher träge. Wenn ich rausgehe und weiß, dass ich auf einem Planeten lebe, dass ich die Erde unter meinen Füßen habe, dass es nachts dunkel und still ist, dann weiß ich, wo ich bin.

Fahren Sie gern Auto?

Ja, ich bin jemand, der dann gerne Musik anmacht und das Fahren genießt. Ich fahr nicht viel, meist nur kurze Strecken, oft nur bis zum nächsten Bahnhof, weil ich meist mit dem Zug unterwegs bin. Aber wenn, dann gerne.

Als Bertha Benz in dem Film „Carl & Bertha“ sind Sie 1888 mit einem Benz-Patent-Motorwagen 13 Stunden lang von Mannheim nach Pforzheim unterwegs. Wie war es mit diesem dreirädrigen Wagen, der aussieht wie eine Kutsche ohne Pferd, zu fahren?

Das ging ganz gut. Wir hatten einen Fachmann vor Ort, der den Wagen in Gang setzte. Das Steuern mit dieser Stange war etwas gewöhnungsbedürftig. Außerdem laufen da alle mechanischen Teile frei beweglich, das ist nicht ungefährlich, wenn man die Finger an die falsche Stelle bekommt. Ich finde es faszinierend, wie sehr Carl und Bertha Benz an diese neue Idee geglaubt haben. Lebte Benz heute, würde er wahrscheinlich einen alternativen Autoantrieb bauen.

Fiel es Ihnen schwer, sich ins 19. Jahrhundert zu versetzen?

Ich kann mich ganz gut in andere Zeiten hineindenken. Ich habe natürlich auch vorher nach Material gesucht. Es gibt nicht viel über Bertha, gerade mal den Lebenslauf und das Kennenlernen der beiden, obwohl das auch nicht ganz bewiesen ist. Man kann sich um die beiden herum zum Teil seine eigene Geschichte bauen. Wie die zwei zu der Zeit zusammenlebten, ist sehr außergewöhnlich und spannend zu erzählen. Und für eine Schauspielerin natürlich ein Geschenk.

Werden Sie noch oft auf ihre Rolle als Lolle in „Berlin, Berlin“ angesprochen?

Ja, und die Leute auf der Straße fragen dann immer: „Mensch, wann geht’s denn weiter?“ Das macht mich manchmal ein bisschen rappelig. Ich werde auch immer noch auf Anfang 20 geschätzt, was ja gar nicht so schlecht ist. Vielleicht sehe ich dann mit 40 aus wie 30. Dann hab ich noch gut zu arbeiten.

Haben Sie nach Ihrem Erfolg mit dem Zweiteiler „Dresden“ von 2005 manchmal das Bedürfnis, endlich ernst genommen zu werden?

Manchmal schon. Aber ich habe nicht den Drang, groß zu zeigen, dass ich erwachsen geworden bin. Denn ich merke, je älter ich werde und auch Dinge erlebe, die traurig sind und die mich verändern, desto schwieriger wird es zu dieser Leichtigkeit von Lolle zurückzukommen. Von daher sehne ich mich nach einer richtig guten Komödie, aus der ich mir wieder ein Stück dieser Leichtigkeit ziehen kann.

Das Interview führte Simone Schellhammer.

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