Interview : "Wir wollten lediglich informieren“

Kuno Haberbusch über das Medienmagazin "Zapp" und Nebentätigkeiten von Journalisten.

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Foto: NDR/Dirk Uhlenbrock

Herr Haberbusch, hat „Zapp“ erreicht, was „Zapp“ mit dem Beitrag über Nebentätigkeiten öffentlich-rechtlicher Moderatoren erreichen wollte? Das ZDF kündigt eine strengere Genehmigungspraxis an.



„Zapp“ hatte nicht vor, etwas „zu erreichen“. Wir wollten lediglich informieren. Diesmal über ein Thema, das seit Jahren immer mal wieder diskutiert wurde – in manchen Sendern, aber auch in verschiedenen Medien. Im Übrigen haben wir in der Sendung darauf hingewiesen, dass diese Debatte um „Nebenverdienste“ alle Journalisten betrifft. Schließlich geht es um die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche. Wir Journalisten können Transparenz bei anderen wie Politikern oder Managern nicht nur immer fordern, sondern müssen es auch selbst praktizieren. Insofern finde ich es als Journalist gut, wenn mehrere Sender jetzt entsprechend reagieren und vielerorts ähnliche Diskussionen geführt werden. Noch besser wäre es, wenn private Sender und Verlage erkennen, dass sie auch betroffen sind. Schließlich geht es für uns alle um das Wichtigste, was wir haben sollten: Glaubwürdigkeit.

Der „Zapp“-Beitrag am 17. Juni hat in der Öffentlichkeit eine große Welle gemacht. Die „Bild“-Zeitung hat am 19. Juni damit aufgemacht. Alles nur Zufall oder gab es zwischen „Zapp“ und „Bild“ eine Absprache, wenn nicht eine Arbeitsteilung?

Nicht allein „Bild“ hat nach dem „Zapp“-Beitrag umfangreich berichtet. Für nahezu alle Zeitungen und Magazine war der „Zapp“-Beitrag Anlass zur Berichterstattung. Dazu bedurfte es weder einer Absprache noch einer Arbeitsteilung. Leider wurde auch im Tagesspiegel kolportiert, dass es genau solche Absprachen zwischen „Bild“ und „Zapp“ gegeben habe. Dabei weiß jeder „Zapp“-Zuschauer, dass wir immer wieder sehr kritisch über den Journalismus à la „Bild“ berichten. Und dass „Bild“ uns noch nie ein Interview vor der Kamera gegeben hat. Stattdessen haben sich „Bild“ und „Zapp“ schon mehrfach vor Gericht getroffen. Vor diesem Hintergrund ist die Behauptung einer Zusammenarbeit zwischen „Bild“ und „Zapp“ nicht nur absurd, sondern widerspricht auch unserer Auffassung von unabhängigem Journalismus.

An dem Bericht haben die Redaktion und Sie sehr lange Zeit gesessen. Das spricht für die Recherche, andererseits für Widerstände gegen die Ausstrahlung. Es sind ja Nebentätigkeiten von ARD-Mitarbeitern wie Tom Buhrow bekannt geworden.

Niemand wollte den Bericht verhindern. Schließlich war er sauber recherchiert und alle Behauptungen mit Dokumenten belegt. Wir haben uns im Sinne unseres selbstformulierten Anspruchs schon mehrfach kritisch auch mit Vorgängen im eigenen System beschäftigt. Nur das schafft Glaubwürdigkeit. Und es spricht für den NDR, dass „Zapp“ das senden darf, was die Redaktion für berichtenswert hält. Natürlich gibt es davor oder danach immer wieder Diskussionsbedarf, bisweilen auch Kritik. Aber das gehört zum Alltag eines (selbst-)kritischen Medienmagazins. Wäre schön, wenn es solche Magazine auch bei anderen Sendern oder Verlagen gäbe. Ich vermisse sie.

Üben Sie selbst Nebentätigkeiten aus?

Ich werde häufig zu Vorträgen und Diskussionen eingeladen – von Universitäten, Schulen oder Verbänden. Immer geht um das Thema „Ethik und Recherche im Journalismus“. Wenn es die Arbeit zulässt, nehme ich diese Einladungen an. Ich moderiere auch gelegentlich Veranstaltungen zum gleichen Thema. Außerdem bin ich Mitglied der Vorjury „Investigativ-Recherche“ des Henri-Nannen-Preises. Noch nie habe ich für all diese Tätigkeiten – übrigens allesamt außerhalb der Arbeitszeit – Honorare erhalten. Entsprechende Angebote habe ich immer abgelehnt. Ich betrachte diese Tätigkeiten als Teil meines Jobs.

Die Fragen stellte Joachim Huber.

Kuno Haberbusch leitet beim NDR-Fernsehen noch bis Mitte Juli das Medienmagazin „Zapp“ und das Satireformat „extra 3“. Seine nächste Aufgabe: investigative Dokus und Reportagen.

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