INTERVIEW ZUR GEZ : „50 Prozent Begeisterung reichen“

Ex-Deutschlandradio-Chef Ernst Elitz begibt sich auf die Suche nach der gerechten Rundfunkgebühr

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Ernst ElitzFoto: dpa

Herr Elitz, beneiden Sie die Ministerpräsidenten um die Frage, im Jahr 2010 eine neue Formel für die Erhebung der Rundfunkgebühr finden zu müssen?

Noch schlimmer. Ich verspüre eine gewisse Schadenfreude. In den vergangenen Jahren haben die Ministerpräsidenten versucht, den Rundfunkanstalten den Schwarzen Peter zuzuschieben. Nach dem Motto: Es geht doch um euer Geld, nun macht uns mal einen schönen Vorschlag. Dann wäre der Ärger über ARD und ZDF zusammengeprasselt und die Politik hätte sich in die Büsche geschlagen.

Bislang gilt: Das Bereithalten eines Rundfunkempfangsgerätes löst die Gebührenpflicht aus. Jetzt finden sich in den Haushalten immer mehr Hybridgeräte wie Internet-PCs oder Mobiltelefone, die auch die Nutzung von Radio und TV erlauben. Wäre das eine Lösung: die Ablösung der Geräte- durch eine Haushaltsgebühr?

Das wäre sinnvoll. Es gibt zwar noch eine Minderheit, die weder Handy noch PC hat. Aber wer die neue Kommunikationstechnik im Haus hat, wird damit auch Radio- und Fernsehprogramme, deren Internetangebote und die Portale der Zeitungen nutzen, also das volle Programm. In ein paar Jahren wird diese Technik in den Haushalten so verbreitet sein wie früher der Kachelofen.

Bei den Ministerpräsidenten geistert die Idee herum, künftig solle nicht mehr die GEZ die Gebührenpflicht eines Bürgers nachweisen, sondern der Bürger müsse beweisen, dass er weder fernsehe noch Radio höre. Ist das Irrsinn, Realitätsferne?

Es würde zumindest eine bewährte Fairnisregel verletzen. Wenn jemand kassiert, dann muss er nachweisen können, dass er eine Leistung erbracht hat und dass ich in der Lage bin, sie zu nutzen. Es gibt ja auch das Modell, dass beim Kauf eines jeden Geräts, das Rundfunk- und Fernsehempfang ermöglicht, eine Empfangsgebühr fällig wird. Das hielte ich für okay. Die Erfahrung spricht dafür: Wer es kauft, der nutzt es auch. Dann bräuchte die GEZ nicht mehr den Fuß in die Tür zu quetschen.

Die Akzeptanz der monatlichen 17,98 Euro für ARD, ZDF und Deutschlandradio sinkt. Warum gelingt es den Sendern immer weniger, die Gebühr zu rechtfertigen?

Es gibt hinreichend repräsentative Umfragen, die belegen, dass die meisten die aktuelle Höhe der Gebühr gar nicht kennen. Dann scheint sie das auch nicht besonders zu beschweren. Und die Zahl der von der Rundfunkgebühr Befreiten nimmt zu. Rechtfertigen kann ich die Gebühr, indem ich die Menschen mit meinem Programm begeistere und ihnen einen verlässlichen Nutzwert biete. Daran mangelt es vielleicht manchmal. Hundertprozentig wird kaum jemand zufrieden sein. Aber fünfzig Prozent Begeisterung reichen.

Undenkbar, dass der Fernsehzuschauer und Radiohörer künftig nur bezahlt, was er bei ARD & Co. auch nutzt? Das würde die Akzeptanz schlagartig erhöhen.

Gutes Beispiel. Wenn nur noch die für Theater, Opern und Konzerthäuser bezahlen, die sie auch nutzen, dann gingen gesellschaftliche Werte verloren, auf die wir stolz sind. Kultur, verlässliche Information auf Knopfdruck – wie bei Radio und Fernsehen – sind ein hohes Gut in der Demokratie. Die Bereitschaft zur Zahlung würde schlagartig steigen, wenn man das in die Köpfe bekommt.

Eine gerechte Rundfunkgebühr. Ist es das, was alle wollen – und keiner schafft?

Sie sprechen eine philosophische Frage an: Was ist Gerechtigkeit? Das gilt für die Rundfunkgebühr genauso wie für unser Steuersystem. Im Grunde muss der Bürger sagen: Na klar, ich würde gern weniger zahlen, aber eigentlich bin ich ja ganz zufrieden mit dem Angebot. Das ist die Form von Gerechtigkeit, die jeder von uns auch sonst obwalten lässt.

Ernst Elitz war

Gründungsintendant des Deutschlandradios. Er lehrt Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin.

Mit ihm sprach

Joachim Huber.

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