Medien : Investoren gesucht

Die „taz“ setzt auf Regionalisierung. Und braucht dafür Geldgeber

Ulrike Simon

Kommenden Sonnabend wird die „taz“ wieder einmal selbstreferenziell. Auf vier Seiten wird die „tageszeitung“ dann ihr jüngstes Projekt vorstellen. Es geht, wie so oft, um Geld, und das soll diesmal von Investoren kommen. Mindestens 5000 Euro soll jeder in eine neue Beteiligungsgesellschaft, die „taz Entwicklungs KG“, einbringen. Bis 2006 will der Verlag auf diese Weise fünf Millionen Euro eingeworben haben. Mit dem Geld sollen Projekte finanziert werden wie Regionalausgaben, das Datenbank- und Internetangebot „digitaz“ und „Le Monde Diplomatique“.

Bis zum 31. Oktober – an diesem Tag endet die Zeichnungsfrist – will die „taz“ laut Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch die erste Million zusammen haben. Schon einen Tag später soll dann das erste Projekt der Entwicklungs KG starten: die seit langem geplante, tägliche „taz“-Regionalausgabe für Nordrhein-Westfalen, die dann 20 Mitarbeitern eine Festanstellung gibt. Ruch glaubt, die Regionalisierung der „taz“ sei die Zukunftsvorsorge für die Zeitung. Und dies, obgleich die großen überregionalen Tageszeitungen in der jüngsten Vergangenheit mit ihren Regionalisierungen allesamt gescheitert sind oder sie aus Spargründen aufgegeben haben: sei es nun die „Welt“ mit ihrer Bayern-Ausgabe, die „FAZ“ mit ihren „Berliner Seiten“ oder die „Süddeutsche Zeitung“ mit ihrer Berlin-Seite und der NRW-Ausgabe. Für letztere beansprucht die „taz“ übrigens, „Ideengeber“ zu sein.

Von den neuen Plänen der „taz“, die im nächsten Jahr ihren 25. Geburtstag feiert, sind auch die Ausgaben in Bremen und Hamburg betroffen. Künftig sollen die beiden Ausgaben zu einer einzigen „taz nord“ zusammengeführt werden. Nach dem Vorbild der NRW-Ausgabe wird es dann für Bremen und Hamburg lediglich „lokale Fenster“ geben, also jeweils ein bis zwei Seiten, die sich nur mit Lokalem aus den beiden Städten beschäftigen. „Die Entwicklungs KG kann nicht unsere strukturellen Probleme lösen“, sagte Ruch am Dienstag. Daher müssten schon jetzt die defizitär arbeitenden Redaktionen in Bremen und Hamburg umstrukturiert werden. Beide hätten „Sanierungsbedarf“.

Die langfristigen Entwicklungspläne der KG werden ausführlich in einer Broschüre vorgestellt, mit der die „taz“ die Investoren gewinnen will. So ist geplant, dass die Auflage der Zeitung binnen zwölf Jahren in NRW um 5000 und in Norddeutschland um 2100 Exemplare steigt. Als Anreiz werden die Redaktionen am Vertriebsumsatz beteiligt. Errechnet wurde auch, wann die Ausgaben in die schwarzen Zahlen kommen: In NRW soll dies 2008 sein, im Norden 2007. Die KG selbst, so die „Ertragsprognose“, werde im Jahr 2014 einen Gewinn von 4,8 Millionen Euro erwirtschaften. Unter dem Punkt „Chancen & Risiken“ steht außerdem, „dass die Abgabe exakter Ergebnisprognosen nicht möglich ist. Im Verlagsgeschäft stehen Gewinne und Verluste in großer Abhängigkeit zur Akzeptanz des Mediums gegenüber neuen LeserInnenschichten, der werbetreibenden Wirtschaft und der Erschließung von Zweit- und Drittverwertungen“.

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