Medien : Investoren willkommen

„Printgipfel“: Unterstützung für Holtzbrinck

Felix Serrao

„Es ist ein positives Signal, dass Ausländer in Deutschlands Medien investieren“, sagte der Verleger Dirk Ippen gestern beim „Printgipfel“ der Münchner Medientage. Gemeint war der Verkauf des Berliner Verlags durch die Verlagsgruppe Holtzbrinck an die Mecom Group von David Montgomery und den Medienfonds Veronis Suhler Stevenson. Zur Überraschung zahlreicher Teilnehmer war Ippen nicht der Einzige, der sich so äußerte: „Wir werden dem Verkauf vielleicht etwas Positives abgewinnen, wenn man die Redaktionen in Ruhe arbeiten lässt“, meinte Hans Werner Kilz, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“. Er fügte aber hinzu, dass er den Kampf des Chefredakteurs der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, gegen den Verkauf nachvollziehen könne: „Eine Redaktion, die fürchtet, ihre Freiheit zu verlieren, muss sich wehren können.“ Von „positiven Effekten“ des Verkaufs sprach auch Claus Strunz, der Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ (BamS).

Der einzige ausländische Diskussionsteilnehmer zeigte am wenigsten Verständnis für die Angst deutscher Journalisten und Politiker vor nichtdeutschen Medieninvestoren: Martin Kall vom Züricher Großverlag Tamedia nannte es unverständlich, dass diese in einem Land abgelehnt würden, zu dessen größten Schwierigkeiten die Gewinnung von Direktinvestitionen zählen würde. Zudem träten deutsche Verleger auf fremden Märkten selbst „sehr durchsetzungsstark“ auf. Diese Kritik bekräftigte Verleger Ippen mit Blick auf den heimischen Markt: „Als wenn deutsche Investoren die wahren Engel der deutschen Zeitungslandschaft wären!“

„So viel Lob haben Sie gar nicht erwartet?“, fragte der erstaunte Moderator Frank Thomsen („Stern“) schließlich Michael Grabner, den stellvertretenden Vorsitzenden der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck. Eben noch sei Grabner als „der, der mit den Heuschrecken tanzt“, bekannt gewesen, plötzlich stünde er als „der große Retter“ da. Grabner bedankte sich höflich für die Zustimmung der Kollegen und wies Thomsen unter beifälligem Gelächter der Runde darauf hin, dass es grundsätzlich „ungebührlich ist, jemanden als Insekt zu bezeichnen“. Deutsche Verleger, die in der Vergangenheit in osteuropäische Medien investiert haben, würden anders empfangen: „Die haben da viel mehr Anstand, viel mehr Respekt vor dem Kapital“, lobte er. Warum statt der „Berliner Zeitung“ nicht der ebenfalls zu Holtzbrinck gehörende Tagesspiegel verkauft worden sei, wollte Thomsen wissen. Grabner sagte, für den Tagesspiegel habe es kein verlegerisches Angebot gegeben, das über eine „Filialisierungsstrategie“ hinausgegangen wäre.

Der Wirbel auf dem Berliner Zeitungsmarkt war vor, während und nach dem Münchner „Printgipfel“ eindeutig das dominierende Thema in den Messehallen. Über verlegerische Zusatzgeschäfte, Gratis-Zeitungen und andere aktuelle Branchenthemen redete man nur en passant. Allgemein fiel das Bemühen der Printmanager auf, den krisengebeutelten Tonfall der vergangenen Jahre abzulegen. Thema Werbeflaute: „Vielleicht mal ganz heilsam“, nannte „SZ“-Chef Kilz den Umstand, dass sich dieser Tage auch Feuilletonredakteure mit Begriffen wie Wachstum und Erlös auseinander setzen müssten. Ob sich die „Süddeutsche“ mit ihren erfolgreichen Zusatzprojekten wie Buch-, Musik- und Filmreihen nicht zu weit von ihrem Kerngeschäft entfernt? Laut Kilz dienen die Extra-Aktivitäten als Entlastung für die gebeutelte Redaktion. „Das war wichtig, gerade in einer Phase der Depression.“ Zusatzgeschäfte werde es auch künftig geben. Für den kommenden Sommer etwa ist eine Fußball-WM-Edition geplant.

Nichts geplant hat nach eigenen Angaben „BamS“-Chef Strunz, wenn es ums Thema Gratiszeitungen geht. Die Axel Springer AG werde aus eigenen Stücken nicht aktiv werden, sagte er dem Tagesspiegel. Für den Fall, dass ein Konkurrent aus dem In- oder dem Ausland einen erneuten Versuch auf diesem Markt unternehme, hätte man aber Konzepte in der Schublade. „Die werden wir dann vor der Konkurrenz umsetzen.“ Wer gegen Springer ins Feld ziehen wolle, müsse „schon sehr gut sein“. Auf die Frage nach der Gratis-Bedrohung für Bezahlzeitungen reagierten die Teilnehmer gelassen. Ein solches „Unterwegsmedium“ sei mit Sicherheit nicht das „Sterbeglöckchen deutscher Zeitungen“, prophezeite Verleger Dirk Ippen.

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