IPHONE : Ideen für Millionen

Für das iPhone gibt es 85 000 Apps: Wer entwickelt sie, wer profitiert davon?

Anna Sauerbrey
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Zu den beliebtesten iPhone-Apps gehören der Fußball-Manager „Fifa 10“ sowie diese Grill-Simulation. Das „iBier Spezial“ und das...

Im Radio läuft ein Song, aber kein Moderator erklärt, wer ihn gesungen hat. Shazam weiß es trotzdem. Die Applikation für das iPhone, kurz App, gleicht aufgenommene Töne mit einer Datenbank ab und ermittelt Songtitel und Urheber. Kleine Helfer wie diese sind die jüngste Erfolgsgeschichte von Apple. Seit Sommer 2008 verkauft der kalifornische Computerriese zusätzliche Anwendungen für das iPhone in seinem zentralen App-Store: inzwischen gibt es fast nichts, was es nicht gibt, von Navigationsprogrammen über Einkaufslistenmanager bis zum Gehirnjogging, von Text- und Bildverarbeitungsprogrammen bis zu einer App, mit der man in sein iPhone blasen kann wie in eine Flöte. Mittlerweile gibt es laut Apple 85 000 verschiedene Apps, jüngst meldete das Unternehmen den Rekord von insgesamt zwei Milliarden Downloads.

Der Konzern schreibt die Apps nicht selbst, er lässt sie schreiben, von einer stetig wachsenden Community. „Wir allein hätten ja niemals die Kreativität der Tausenden von Entwicklern“, sagt Apple-Sprecher Georg Albrecht. Diese Kreativität zapft Apple an, indem ein Developer-Programm angeboten wird. Jeder kann eine App schreiben und sie dem Unternehmen anbieten. Für das Marketing und die Betreuung der Developer berappt Apple pro Programm eine Gebühr von 99 Euro. Von jeder verkauften App, die im Durchschnitt 79 Cent kostet, erhält der Entwickler 70 Prozent, der Rest geht an Apple. Ein lukratives Geschäft, mit dem Apple im ersten Jahr weltweit rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz gemacht haben dürfte.

Unter Programmierern hat die Eröffnung des App-Stores eine Euphoriewelle ausgelöst. „2008 ging es darum, dabei zu sein“, erinnert sich Sophia Teutschler, die zu den Entwicklern der ersten Stunde gehört. Nur wenige hundert Apps gab es im Sommer 2008 und bald kursierten Geschichten über junge Leute, die mit einer guten Idee über Nacht viel Geld verdient hatten. Das hat sich inzwischen geändert. „Das Goldrittertum ist vorbei“, sagt Ortwin Gentz, der mit seiner Einmannfirma Futuretap Apps entwickelt. Seine erste App im Store, das Programm „Where to?“, hat Gentz allerdings nicht selbst entwickelt, sondern gekauft. 70 000 Dollar war ihm das App wert. Die Summe hat sich amortisiert. So leicht aber lässt sich ein App nicht mehr verkaufen. „Das ist ein Markt, der sehr brutal zwischen Anbietern trennt, die Erfolg haben, und welchen, die immer unter dem Radar fliegen,“ meint Gentz. Vor allem auf das Marketing komme es an. Apps, die von Apple auf der Startseite vermarktet oder sogar in einem Werbespot angepriesen werden, können schnell auf tausende Downloads kommen. Wer nicht von der Apple-Redaktion zur Präsentation ausgewählt wird, muss selbst die Werbetrommel rühren wie Sophia Teutschler, die Banner auf den Websites von Special-Interest-Publikationen wie Mac-World schaltet.

Die Konkurrenz wird auch dadurch verschärft, dass große Spielefirmen wie EA oder Gameloft den Markt entdeckt haben. Die Großen schaffen es in der Regel schnell mit ihren Apps unter die Top 100. „Wir profitieren natürlich von unseren großen Marken, die ohnehin schon bekannt sind“, sagt Martin Lorber, Sprecher von EA, das unter anderem seine „Sims“ für das iPhone nutzbar gemacht hat.

Neben kleinen und großen Entwicklern haben inzwischen auch Medienunternehmen den App-Store entdeckt, mehr oder weniger freiwillig. „Die Marke hat uns in eine regelrechte Sogwirkung versetzt“, sagt Stephan Schmitter, der als Geschäftsführer verantwortlich ist für Spreeradio, das zu derselben Senderfamilie wie 104,6 RTL gehört. Es gelte, dabei zu sein, selbst wenn sich mit dem neuen Dienst kein Umsatz machen lasse. Auch überregionale Medien wie „Stern“ oder N 24 sind mit kostenlosen Apps vertreten. Mehr ein Marketinginstrument als ein Geschäftsmodell.

Auf Umsatz hoffen aber Buchverlage, die ebenfalls auf das iPhone drängen. Nachdem der Berliner Independent-Verlag Onkel und Onkel zunächst Apps für eigene Publikationen entwickeln ließ, hat Gesellschafter Volker Oppmann inzwischen gemeinsam mit theCode ein neues Unternehmen ausgegründet, das iPhoneLösungen für Verlage entwirft. Die Idee scheint zu überzeugen. Gerade hat Textunes Rahmenverträge mit Random House und Holtzbrinck unterzeichnet. Apple ist das recht. Je mehr Möglichkeiten findige Entwickler und Unternehmen für das iPhone ausmachen, desto attraktiver wird ihr Gerät. Eines für alle und alle für eines.

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