Medien : IQ-Test im Fernsehen: Der Spaß-Quotient

Paul Janositz

Fernsehen, heißt es gemeinhin, beansprucht nicht viel Intelligenz. Fernsehen bedeutet Ausspannen, Sich-Berieseln-Lassen. Und das Schlimmste, was einem dabei passieren kann, ist, dass man sich langweilt. Heute abend, beim "Großen IQ-Test" mit Günther Jauch, kann das anders werden. Da muss man konzentriert nachdenken. Und für manchen Zuschauer könnte der Fernsehabend sogar ziemlich unangenehm enden: mit der Erkenntnis, dass er einen Intelligenzquotienten, von, sagen wir, mickrigen 90 Punkten hat. Nur: Wie ernst ist ein solches Ergebnis zu nehmen?

Der Bundesverband deutscher Psychologen warnte schon: Den IQ könnte man nicht per Ferndiagnose ermitteln. Bei Jauchs Show handele es sich "in erster Linie um Unterhaltung". Denn das Messen des IQ ist eine komplizierte Angelegenheit. Bei der Frage, welche geistigen Eigenschaften es genau sind, die Intelligenz ausmachen, geht der Streit der Forscher schon los. Das kann beispielsweise die Fähigkeit sein, logisch zu denken und aus gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ist dann etwa ein Affe intelligent, der allmählich lernt, die vor dem Gitter liegende Banane mit einem Stock so weit heranzuziehen, dass er sie greifen kann? Nur, wenn er diese Erfahrung auch auf andere Situationen übertragen könnte, lautet ein Einwand. Außerdem müsste er sein Wissen mitteilen können. Affen können demnach nicht intelligent sein, selbst wenn sie die größten Bananen an Land ziehen und alle möglichen Faxen machen. Letzteres zählt nicht als gezielte Weitergabe von Wissen.

Es soll doch neuerdings sogar intelligente Roboter und Kühlschränke geben, moniert der Technikfreak. Das Argument lässt sich leicht entkräften, denn diese Maschinen können nur das, was ihnen der Programmierer in den Chip gelegt hat. Ganz von sich heraus bestellt auch der intelligenteste Kühlschrank kein Bier. Bei uns Menschen dagegen liegt die Intelligenz in den Genen, wenn auch nicht ganz. Vielleicht zu 50 Prozent, sagen die Wissenschaftler. Den Rest steuert die Umwelt bei. Erziehung, Förderung, vielleicht sogar die Ernährung spielen eine wichtige Rolle. Der Einfluss der Umwelt beginnt schon im Mutterleib, in Kindergarten und Schule wird noch ordentlich an der Intelligenz gefeilt. Im Urlaub allerdings sollte man vorsichtig sein. Denn nur faul am Strand liegen, schadet der Intelligenz. Woher man das weiß? Da braucht man nur den Intelligenzquotienten (IQ) vor und nach Mallorca zu messen.

Ob der IQ das richtige Maß für die Intelligenz ist, ist allerdings umstritten. Da man aber nichts Besseres hat, hat sich der 1912 eingeführte Begriff durchgesetzt. Um den IQ zu bestimmen, müssen die Probanden eine ganze Batterie spezieller Aufgaben lösen. Für richtige Lösungen gibt es Punkte. Die Summe wird mit dem durchschnittlichen Ergebnis der jeweiligen Altersgruppe geteilt und mit hundert malgenommen. Der IQ der meisten Menschen liegt zwischen 90 und 110. Hochintelligente erreichen Werte um 140.

Für die Definition, was Intelligenz eigentlich ist, gibt die Rechnerei aber auch nicht viel her. Halten wir uns doch besser an Aristoteles. Der alte Grieche sagt: "Intelligenz ist der Zustand auf der Suche nach Wahrheit mit Hilfe der Vernunft." Günther Jauch, bekanntermaßen ein Fan korrekter Erziehung und humanistischer Bildung, hat sich diesen Spruch zu Herzen genommen. "Millionen von Deutschen interessieren sich dafür, was sie auf dem Kasten haben", sagt Jauch. Damit sich die Mühe lohnt, gibt es - nein nicht Bananen - sondern Geld zu gewinnen. Wessen IQ nach der Sendung ebenso tief notiert, wie derzeit der Kurs der T-Aktie, braucht dennoch nicht verzweifelt zu sein. "Zum Glück sagt der IQ ja wenig über die Erfolgschancen eines Menschen und schon gar nichts über die Qualität seines Charakters aus", tröstet der IQ-Master. RTL sei Dank.

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