Medien : Israels Feldherren

Arte-Dokureihe über Moshe Dayan, Itzhak Rabin und Ariel Sharon

Thomas Gehringer

Der Mann mit der Augenklappe war in den 60er und 70er Jahren neben Golda Meir das wohl bekannteste Gesicht Israels: Moshe Dayan (1915 – ’81) hatte 1941, als er für die britische Armee in Syrien kämpfte, ein Auge verloren. Nun war der kantige wie charismatische General und Minister zu einer der wichtigsten Figuren in der israelischen Politik aufgestiegen. Als der jüdische Staat im Sechs- Tage-Krieg 1967 seine arabischen Nachbarn demütigte, das Staatsgebiet ausweitete und auch ganz Jerusalem unter seine Kontrolle brachte, „verwandelte sich Dayan innerhalb einer Woche von einem populären Menschen in eine Gottheit“, erinnert sich der Schriftsteller Uri Avneri. Nach dem verlustreichen Jom-Kippur-Krieg 1973 trat Dayan als Verteidigungsminister zurück, wechselte vier Jahre später das politische Lager und handelte unter Ministerpräsident Begin das Camp-David-Abkommen mit aus. Von dieser schillernden historischen Figur, auch vom Bauern, weltgewandten Frauenhelden und leidenschaftlichen Archäologen Dayan handelt die erste von drei Dokumentationen über „Falken und Tauben – Israels Generäle in der Politik“ . Folge zwei und drei porträtieren den 1995 ermordeten Itzhak Rabin sowie den gegenwärtigen Ministerpräsidenten Ariel Sharon.

Die Reihe bietet eine gute Gelegenheit, das Hintergrundwissen zum schier endlosen Nahostkonflikt aufzufrischen. Und sie zeigt, wie stark militärisches Denken die israelische Politik nach der Staatsgründung 1948 geprägt hat – bis heute. „Wir sind eine Siedlergeneration. Ohne Stahlhelm, ohne Kanonen können wir keinen Baum pflanzen und kein Haus bauen.“ Die Worte von Generalstabschef Moshe Dayan, gesprochen bei der Beerdigung eines 1956 ermordeten jüdischen Siedlers, klingen wie aus naher Zeit.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert haben Juden und Palästinenser keinen Ausweg aus der Gewalt gefunden, dabei war auch der in einem Kibbuz in Palästina geborene Moshe Dayan kein blindwütiger Falke. Er lernte Arabisch, suchte immer wieder den Kontakt zu Palästinensern und ließ nach dem triumphalen Sechs-Tage-Krieg die Grenzen zwischen besetzter Westbank und Jordanien öffnen – „eine verrückte, ausgezeichnete Idee“, lobt Regierungskritiker Uri Avneri. Allerdings habe Dayan die Araber nie wirklich verstanden, und er trage einen „sehr großen Teil der Schuld“ daran, dass direkt nach der Staatsgründung die historische Chance auf Frieden verpasst worden sei.

Verantwortlich für diese Arte-Koproduktion mit der BBC, an der sich auch das ZDF und ein israelischer Sender beteiligten, ist der britische Regisseur und Produzent Paul Jenkins. Er präsentiert – dem ernsten Thema angemessen – eine recht konventionelle Mischung aus Interviews mit hochkarätigen Zeitzeugen (Ezer Weizmann, Shimon Peres) und einer Vielzahl von Archivaufnahmen. Dayans Sohn Asi und seine erste Ehefrau Ruth kommen ebenso zu Wort wie die andere Seite, zum Beispiel ein ehemaliger PLO- Kämpfer, der 1980 von Dayan im Gefängnis besucht worden war.

„Falken und Tauben – Israels Generäle in der Politik“, Arte, 29. Oktober, 5. und 11. November, jeweils 20 Uhr 45

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben