Medien : Jäger und Gejagte

Kurt Sagatz

„Tatort: Der Tag des Jägers“; von Niki Stein, mit Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15. Es war vermutlich nur eine Frage der Zeit, denn wen lassen die Laubpuster wirklich kalt? Besonders, wenn die moderne Variante des Besens von einem Benzinmotor betrieben und frühmorgens in Dienst genommen wird. Ganz schnell haucht da der brave Hausmeister mit seinem knatternden Arbeitsgerät auf dem Rücken im Hessen-„Tatort“ das Leben aus, niedergestreckt von einem einzigen gut gezielten Schuss aus einem Jagdgewehr. Der Tod des Hausmeisters bleibt im Verlauf dieses Krimis allerdings das Einzige, worauf für das Ermittlerduo Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) Verlass ist. Denn es drohen weitere Gewalttaten, eine Geiselnahme hat es schon gegeben. Vieles spricht dafür, dass der Tatverdächtige kurz vor einem Amoklauf steht. Einen Nachbarn hat der Mann, der von seiner Frau und den beiden Kindern verlassen wurde, allem Anschein nach bereits als Geisel genommen, auch wenn die Aussagen von dessen Ehefrau Ina Müritz (Marie-Lou Sellem), die die halbe Nacht auf einem Stuhl gefesselt verbracht hat, wenig erhellend sind. Wer hatte Schuld an dem jahrelangen Nachbarschaftsstreit zwischen den Müritz’ und der Familie von Markus Paulus (Stephan Kampwirth)? War das Aussöhnungsangebot in Form einer Flasche Champagner nur ein Vorwand, um in die Wohnung der Müritz’ zu gelangen, oder wie kam es sonst zum Ausbruch des offenen Streits mit Herrn Müritz (Oliver Stritzel)? Der herbstliche Nebel lichtet sich nur langsam in diesem Krimi, immer gerade nur so viel, dass die Spannung erhalten bleibt. Manche Wendung wirkt etwas überzogen, vor allem der von Staatsanwalt Dr. Scheer (Thomas Balou Martin) verursachte Streit innerhalb des Krisenstabes. „Der Tag des Jägers“ ist nicht immer logisch, aber auch niemals langweilig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben