• Jahresrückblick „2012! Menschen, Bilder, Emotionen“: Menschengemachter Überschallknall

Jahresrückblick „2012! Menschen, Bilder, Emotionen“ : Menschengemachter Überschallknall

Bei seinem Jahresrückblick wird deutlich: Günther Jauch fühlt sich in der Zirkusarena wohler, als im Gasometer, wenn es politisch wird.

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Günther Jauch, womöglich einer der letzten großen Zirkusdirektoren. Foto: dpa
Günther Jauch, womöglich einer der letzten großen Zirkusdirektoren.Foto: dpa

Er lächelt vor den Werbepausen immer so nett entschuldigend, als wollte er sagen: Nehmt mir den Mumpitz nicht übel, und er wirkt dabei ziemlich unwiderstehlich. Womöglich ist Günther Jauch einer der letzten großen Zirkusdirektoren des Fernsehens, auf den man immer wieder reinfällt, was nicht kritisch gemeint ist, denn ein Gutteil des so genannten Dranbleibens ist ein Draufreinfallen. Dabei Regie zu führen und entsprechend zu grienen, ist Aufgabe des Showmasters. Jauch macht das mit dem Rückblick nun seit über zwanzig Jahren, und man hat den Eindruck, dass er sich in der Arena letztlich wohler fühlt als im Gasometer, wo er politisch werden muss.

 So ein Jahresrückblick zeigt einem ja auch, wie schnell die Zeit vergeht und dass man eigentlich keine Stunde übrig hat, um Jahresrückblicke zu gucken. Aber die Revue gibt einem auch das Gefühl, in einer hochinteressanten Epoche zu leben: in der ein junger Mann namens Felix Baumgartner aus 39 km Höhe als erster Mensch einen Überschallknall erzeugt; in der die vierzehnjährige Laura Dekker anderthalb Jahre lang allein um die Welt segelt; in der Silbermedaillen-Gewinner und Turner Marcel Ngyen 220 000 Freunde auf Facebook hat und nach dem Wahlspruch lebt: „Schmerz vergeht – Ehre bleibt“; in der ein Taxifahrer, Herr Vadim Belan, der erste Mensch ist, der erfährt, dass Joachim Gauck der neue Bundespräsident wird, und in der das Mädchen Livia eine prima Idee für die Rettung Griechenlands hat: Solartechnik, denn Sonne ist da immer. Ein bisschen mehr Politik kam noch hinzu. So musste Hannelore Kraft, Handballerin und Kanzlerin-Hoffnung für 2017, aufs Tor schießen, und ein tolpatschiger Kellner namens Martin Doege hat Angela Merkel auf dem politischen Aschermittwoch in Mecklenburg-Vorpommern Bier in den Nacken geschüttet. So ist es gekommen im Jahr 2012! Doege hat „Scheiße“ gerufen, aber das hat nichts genützt, er wurde gefeuert. Ein Hotelier gab ihm eine Chance, die nutzt er jetzt, und das Publikum in Köln-Hürth ist darüber sehr froh.

Die 10 größten Social-Media-Aufreger 2012
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Es ging auch in die weite Welt. Zwei Überlebende des havarieren Kreuzfahrtschiffes Concordia waren da, sie sprachen sehr ernst mit Jauch über die Todesangst. Und ernst ist auch die Geschichte der tapferen Malala aus Pakistan, die ihre Bücher unterm Kleid versteckt hat und doch von den Taliban als widerrechtlich zur Schule gehendes weibliches Wesen gestellt und niedergeschossen wurde. Auch um Sport muss es gehen bei „Menschen, Bilder, Emotionen“. Endlich mal Gold für Deutschland bei Olympia! Diskuswerfer Robert Harting ist da, er hat die Medaille dabei und erklärt Jauch, wie man den Diskus über die Finger gleiten lässt. Jauch macht einen Versuch. Gar nicht so übel.

 Nicht dass kein Aufwand getrieben wurde in Köln-Hürth. Man hat sich was einfallen lassen. Mit der Seglerin talkt Jauch in der Nachbildung einer Kajüte, mit dem Diskuswerfer auf dem Imitat eines Siegertreppchens (Jauch auf Platz 3), und mit dem Fahrer Belan rollt er zu Beginn der Show in einem echten Taxi auf die Bühne. Mats Hummels, Fußballnationalspieler, hat seine Trophäen mitgebracht. „Mit der Punktausbeute“ ist er nicht zufrieden, aber sonst geht es ihm gut. „Man hat Tage, da läuft alles von alleine“. Im Übrigen entscheidet der Zufall. Der richtet ja manchmal auch Schlimmes an. So im Falle Rudi Assauer, der Alzheimer hat.

 Zu den Höhepunkten des Jahres gehört natürlich auch das Programm von RTL und RTL II, z.B. Aaron Troschke aus „Wer wird Millionär?“ (125.000 Euro), mit dem Jauch vor einer Nachbildung des Troschkeschen Imbisses sein Geplauder fortsetzt. Auch die Geissens sind gekommen, sie müssen Sprüche raten, essen Fondue und berichten „vom ganz normalen Leben in St. Tropez“.  Im Publikum wird ein Transparent entfaltet, auf dem steht: „Roooooooobert!“ - das ist der Schrei, den Frau Geiss immer ausstößt, wenn sie ihren Mann zurechtweist. Jetzt hier im Rückblick macht sie es leider nur einmal. Ja, wirklich, es war ordentlich was los im Jahre 2012. Eigentlich noch mehr, aber man muss schließlich auswählen. Das fällt nicht immer leicht.

 

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