Jahresrückblick : Ein Herz für Verlierer

Markus Lanz präsentiert die „Menschen 2012“ – Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Showmaster Thomas Gottschalk kommen aber nicht.

Jörg Seewald
Alles fertig! Die Gäste können kommen, Markus Lanz wartet schon. Foto: ZDF
Alles fertig! Die Gäste können kommen, Markus Lanz wartet schon. Foto: ZDFFoto: Tobias Hase

Markus Lanz hat ein Herz für Verlierer. Sein Mann des Jahres sei Ex-Bundespräsident Christian Wulff, sagte der Moderator bei einem Pressetermin zu „Menschen 2012“. „Ich glaube, dass es eine menschlich große Leistung ist, aus einer solchen Höhe abzustürzen und trotzdem bei sich zu bleiben und nicht daran zu zerbrechen.“ Das nötigt Markus Lanz großen Respekt ab, genauso wie die Leistung seines Vorgängers bei „Wetten, dass..?“. „Thomas Gottschalk ist für mich einer der Menschen des Jahres, weil er an einem Punkt seines Lebens, wo er sich hätte entspannt zurücklehnen können, sagt: Ich mach noch mal was Neues.“ Weder Wulff – das hat juristische Gründe – noch Gottschalk werden am Sonntagabend zu Gast in der ZDF-Sendung sein, wohl aber Menschen, die wie Lanz in diesem Jahr nach einem Höhenflug viel Prügel einstecken mussten. Das ist neben dem langjährigen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), auch der Piratenpolitiker Johannes Ponader, der Lanz offenbar schon beim Auftritt in der abendlichen Talkshow mit seinem Anderssein faszinierte. „Es gibt da doch die ganz andere Art, Politik einzupacken. Ponader hat viel Prügel eingesteckt und sich dennoch nicht verhoben“, lobt Lanz mehr als einmal den Piraten.

Die mediale Schlagzahl des ehrgeizigen Südtirolers Lanz wirkt derzeit ähnlich aufreibend wie die englischen Fußballwochen deutscher Topklubs wie Bayern München und Borussia Dortmund. Drei Mal die Woche Talkshow, am Sonntag „Menschen 2012“, am nächsten Samstag „Wetten, dass..?“, die Kochshow… Es solle sich bitte niemand Gedanken um seine Gesundheit machen. Einen Chirurgen frage doch auch niemand, wie viel er operiere, verbietet sich Lanz Mitleid. Schon 2013, nach dem Ende seiner Kochshow, habe er weniger zu tun: drei Mal Talk in der Woche, sechs Mal „Wetten dass..?“ und einmal Jahresrückblick.

Dass er die Moderation von „Menschen 2012“ als etwas Besonderes betrachtet, darüber lässt Lanz im persönlichen Gespräch keinen Zweifel. Er habe die Sendung schon immer besonders gemocht wegen der besinnlichen Momente. Nur sei die Zahl der Jahresrückblicke ja „inflationär“, was er schade finde. Schon Mitte des Jahres habe ihn der Kollege Günther Jauch gefragt, wann er denn seinen Rückblick mache.

Der 2. Dezember ist für Lanz gerade recht. „Später wollen die Menschen ja nicht beim Weihnachtsbaumschmücken belästigt werden.“ Drei Stunden dauert die Livesendung am Sonntagabend, etwa so lang wie „Wetten, dass..?“. Lanz betont, dass die Menschen-Sendung über einen größeren „Chillfaktor“ verfüge, wegen der Einspielfilme und der Möglichkeiten, sich auf die Gäste einzulassen. Den „Ziemlich beste Freunde“-Autor Philippe Pozzo di Borgo samt Pfleger Abdel Sellou wird er begrüßen, Auma Obama, eine Schlecker-Mitarbeiterin und den Rentner Manfred Walter, der sechs Tage in einer Gletscherspalte überlebte. Weitere Sportler sind der Rennfahrer Alessandro Zanardi, dem nach einem grausamen Unfall ein zweites Leben geschenkt wurde, und die Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann.

Schließlich ist dann doch ein echter Verlierer zu Gast: Der Grieche Costis Mitsotakis, der in einem spanischen 250-Seelen-Dorf lebt und als Einziger kein Lotterielos kaufte, das den ganzen Ort mit 128 Millionen Euro reich machte – nur ihn nicht. Lanz, der selber aus armen Verhältnissen kommt und in seinen Shows gerne über Geld redet, mag sich in den armen Teufel hineinversetzen können. Sein Erfolgsgeheimnis: „Wenn dein Gesprächspartner merkt, dass du was von seinem Leben erfasst hast, dann ist er in der Regel bereit, sich zu öffnen und etwas preiszugeben. Das ist der Job, den wir haben. Mehr ist es nicht.“ Jörg Seewald

„Menschen 2012“, 20 Uhr 15, ZDF

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