Medien : Jahrestagung der Pressegrossisten: Gratiszeitungen und hohe Spritpreise

Ulrike Simon

Den beiden Neulingen, "Yam" und "Vivian" gelang es am Mittwoch, die größte Aufmerksamkeit bei der Jahrestagung der Pressegrossisten in Baden-Baden zu erregen. Über die neue Teenie-Zeitschrift "Yam" aus dem Axel-Springer-Verlag wurde getuschelt, dass die erste Ausgabe wohl um die 500 000 Exemplare verkauft habe. Ein ordentliches Ergebnis, doch Bauer-Konkurrent "Bravo" ist noch nicht eingeholt.

2000 steht das Treffen im Zeichen des 50-jährigen Bestehens des Verbandes jener Berufsgruppe, die auch dafür verantwortlich ist, dass rund 4000 Zeitschriften an insgesamt 120 000 Verkaufsstellen jederzeit erhältlich sind. Damit erwirtschaftete das Presse-Grosso 1999 insgesamt 6,1 Milliarden Mark Umsatz. Die Entwicklung des Um- und Absatzes ist wie die Jahre zuvor leicht rückläufig: Zwar steigen die Umsätze mit Spezialtiteln, diese Zusätze kompensieren jedoch nicht vollständig die Rückgänge bei den General-Interest-Titeln.

Allein im ersten Halbjahr 2000 erschienen 206 neue Zeitschriften, denen 131 Einstellungen gegenüber standen. Das Sortiment steigt permanent, man erinnere sich nur an die vielen neuen Wirtschaftsmagazine. Die erfolgreichsten Neugründungen seit Juli 1999 sind "Computer Bild Spiele" und das Burda-Blättchen "Viel Spaß", gefolgt von Bauers billiger Frauenzeitschrift "Avanti" und "Lea" (Klambt-Verlag). Das "Big Brother"-Begleitheft steht auf Rang 6 der erfolgreichsten Neugründungen, "Focus Money" auf Rang 15, "Telebörse" auf 17. Im gesamten Zeitschriftenmarkt bleiben jedoch die Programmzeitschriften Auflagenmarktführer ("TV-Movie" mit 1,8 Millionen Exemplaren vor "TV-Spielfilm" mit 1,6 und "Auf einen Blick" mit 1,5 Millionen Exemplaren).

Was die Entwicklung des Pressemarktes insgesamt anbelangt, stehen die Pressegroßhändler vor drei großen Herausforderungen: Zum einen gilt es, filialisierte Konzerne wie Wal-Mart & Co. davon abzuhalten, das bestehende Vertriebssystem des Grosso zu umgehen. Würden diese Märkte nur hochauflagige Zeitschriften verkaufen, würde dies einer wirtschaftlichen Zensur für kleinere Magazine gleichkommen.

Entsprechend muss der Verband weiter an seiner Effizienz arbeiten, um Partner der Einzelhändler zu bleiben. Zum anderen müssen Umsatzeinbußen bewältigt werden, etwa durch kostenlose Zeitungen (Rückgang um etwa 15 Prozent) und durch die steigenden Treibstoffpreise, die den Transport der Zeitschriften verteuern. Dies werde das Grosso 4,5 bis 5 Millionen Mark kosten, schätzt deren erster Vorsitzender, Werner Schiessl.

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