Medien : Japans Beben und Schillers Leiche

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Zum Beispiel Japan. Ein Land, in dem die Menschen wissen, dass eines Tages das große Beben kommen wird. Direkt unter den Füßen der Japaner schieben sich zwei Platten der Erdkruste ineinander. Ungeheure Spannungen entstehen, die sich irgendwann entladen müssen. Die Tsunami-Katastrophe im letzten Jahr schien wie ein Vorgeschmack. Autor Malte Jaspersen lebt in Japan und arbeitet für das deutsche Radio. Wie kein Zweiter kann er uns von den prekären Lebensgefühlen der Japaner erzählen. Sein Feature „Jishin - Gespaltene Erde“ ist der Bericht eines Betroffenen. Was genau ist zu befürchten? Wieviel Vorsorge lässt sich treffen? Wieviel Gelassenheit bleibt angesichts der düsteren Prognosen? (Kulturradio, 27. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Als die Band „Deep Purple“ 1972 in Japan musizierte, bebte die Erde im übertragenen Sinne. Dick waberte der Rauch über dem Wasser. „Made in Japan“ war ein legendäres Konzert in der Tokioter Budokan Hall, dessen Mitschnitt jetzt noch einmal gehört werden kann. Für alle, die 1972 nicht nach Japan durften. Oder einfach zu spät auf die Welt gekommen sind (Deutschlandradio Kultur, 27. April, 20 Uhr 03, UKW 89,6 MHz).

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„Wer hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen?“ , fragen sich der Historiker Jörg Friedrich und der Lyriker Durs Grünbein in einem öffentlichen Streitgespräch. Wenn zwei kluge Köpfe im Radio miteinander diskutieren, kann zumindest der Hörer nur gewinnen. Friedrich hat zuletzt ein düster scharfsinniges Buch über den Bombenkrieg gegen Deutschland geschrieben. Grünbein gilt hierzulande nicht nur als bedeutender Dichter, sondern auch als eigensinniger Meisterdenker. Sogar der Kanzler lädt ihn zum Vortrag ein. Hören Sie also, was die beiden Intellektuellen über die jüngere deutsche Geschichte zu sagen haben (Kulturradio, 28. April, 22 Uhr 04).

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Natürlich kommen wir an Friedrich Schiller jetzt nicht vorbei. Wussten Sie, dass die sterblichen Überreste des Jubilars allerhand durchgemacht haben? Bekanntlich hielt Goethe Schillers Schädel in den Händen und schrieb darüber ein Gedicht. Damit noch nicht genug: Insgesamt viermal wurde Schillers Leiche nach ihrem ersten Begräbnis umgebettet. Zuletzt sichtete im Jahr 1965 ein russischer Experte für Mumifizierung alle Einzelteile und versuchte, das Hinterbliebene neu zu ordnen. Das Gebein wurde zu Konservierungszwecken lackiert. „Schillers Leiche“ heißt ein Hörspiel von Uwe Mengel, das dem unruhigen Leben des toten Schiller auf makaber-unterhaltsame Weise nachsinnt. Ein Spaziergang durch anderthalb Jahrhunderte deutscher Geschichte, die ihrem Klassiker manches zugemutet hat (Kulturradio, 29. April, 22 Uhr 04).

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Der Begriff Tagelöhner scheint uns heute antiquiert. Zu Unrecht, wie Annette Blaschkes Feature „Mit dem Schlafsack zur Jobvermittlung“ beweist. Die Autorin hat sich mit ihrem Mikrofon auf einem Berliner Arbeitsamt umgehört. Morgens halb vier kommen die ersten Arbeitswilligen, um einen Tagesjob zu ergattern. Halb sechs werden die Angebote dann herausgegeben. Wer Glück hat, findet sogar für eine Woche Beschäftigung. Als Bauhelfer oder Mitglied einer Putzkolonne. Das Feature befragt Menschen, die sich möglicherweise für den Rest ihres Lebens mit „McJobs“ durchschlagen müssen. Die Tagelöhner von heute (Deutschlandradio Kultur, 2. Mai, 0 Uhr 05).

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