Medien : Je mehr Quellen, desto besser

Für Schule, Uni, Beruf gilt: Selbst die etablierten Internet-Nachschlagewerke können irren

Kurt Sagatz

Informationen aus dem Internet gelten häufig als unzuverlässig. Zugleich ist an Schulen, Universitäten und im Beruf das Internet nicht mehr wegzudenken. Wie also gehen Praktiker mit der Online-Recherche um? Nach welchen Regeln sollte man im Internet suchen?

BESSER BROCKHAUS STATT WIKIPEDIA?

Online-Nachschlagewerke können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden. Bei der ersten – dazu gehören die kostenfreien Angebote von Wissen.de und Encarta (über msn.de) sowie die kostenpflichtigen Seiten von Xipolis.com und Brockhaus.de – sind spezielle Redaktionen für den Inhalt und die Richtigkeit der Einträge verantwortlich. Die Redaktionen dienen quasi als erster Filter. Der bekannteste Vertreter der zweiten Gruppe ist die Wikimedia-Stiftung (Wikipedia). Diese Seiten werden von einer Vielzahl freiwilliger Helfer getragen, die den kostenlosen Betrieb sicherstellen. Dort ist trotz gegenseitiger Selbstkontrolle die Gefahr nicht auszuschließen, dass mit den Beiträgen auch die eigene Meinung befördert werden soll. Dennoch: „Die freien Angebote sind für die Arbeit mit unseren Schülern durchaus ernst zu nehmen“, sagt Bernd Kokavecz, pädagogischer Koordinator des Humboldt-Gymnasiums in Berlin. Diese Meinung vertritt auch sein Kollege Hans-Joachim Kofeld. Wichtig für ihn ist vor allem, dass die Schüler jede Information überprüfen. „Selbst angesehene Nachschlagewerke unterscheiden sich oftmals bei Zahlen und Jahresangaben“, sagt der Pädagoge. „Man denke nur an Sterbedaten, die nicht immer ganz gesichert sind.“

HÖHERE ANSPRÜCHE AN DEN UNIS

An den Universitäten sind die Anforderungen höher. „Wikipedia oder Brockhaus sind gute Einstiege, aber nicht erschöpfend“, sagt Wilfried Hendricks, Leiter des Berliner Instituts für Bildung in der Informationsgesellschaft. Von den Studenten erwartet er weiter gehende Recherchen, auch wenn dabei isolierte Einzelmeinungen zu Tage gefördert werden. „Das muss dann eben ernsthaft diskutiert werden“, so Hendricks.

WELCHE REGELN GIBT ES?

Egal, ob nun für die Schule, die Uni oder den Beruf: Die wichtigste Regel bei der Informationsbeschaffung lautet: Vertraue niemals nur einer einzelnen Quelle. An vielen Schulen haben sich darum Empfehlungen entwickelt, die allerdings stark vom jeweiligen Lehrer abhängen. So ist es bei Hans-Joachim Kofeld üblich, „jede Anfrage bei Google auch noch durch eine Suchanfrage bei Yahoo zu ergänzen“. Und jede Wikipedia-Suche wird zusätzlich durch das im Schulnetz installierte Brockhaus-Lexikon verifiziert. Beim Oberstufenzentrum (OSZ) Druck und Medientechnik geht man noch einen Schritt weiter: „Für eine umfassende Recherche müssen die Berufsschüler drei bis vier Quellen im Internet suchen und diese dann noch anhand einschlägiger Fachbücher überprüfen“, sagt Mediengestalter Siegfried Gehlhaar.

MISCHUNG AUS WEB UND FACHBUCH

Die zweitwichtigste Regel: Seine Recherchen nicht nur auf das Internet stützen, sondern auch Fachliteratur nutzen. „Gerade in den Geisteswissenschaften wird auch mit Büchern gearbeitet, die älter als zehn Jahre sind und somit im Internet nicht zur Verfügung stehen“, sagt Hendricks. Hinzu kommt: „Ich werde sehr skeptisch, wenn die Informationen einzig aus dem Internet stammen. Da drängt sich schnell der Verdacht auf, dass viel übernommen, aber wenig selbst erarbeitet wird“, meint Clivia Offermann, die am OSZ Medientechnik unterrichtet.

YAHOO ÜBERHOLT GOOGLE

Für die meisten Nutzer des Internets ist die Suchmaschine Google nach wie vor die Nummer eins. Inzwischen hat jedoch Konkurrent Yahoo seine Datenbasis erheblich erweitert. Über 20 Milliarden Dokumente, Bilder, Multimedia-Dateien werden nun von Yahoo erfasst, bei Google soll die Zahl bei über elf Milliarden liegen. Den Kampf gegen Google hat aber auch Microsoft mit seiner Suchmaschine nicht aufgegeben. Die MSN-Suche gilt besonders bei aktuellen Nachrichten als Alternative.

Suchen und Nachschlagen:

www.google.de; www.yahoo.de;

suche.msn.de; www.metager.de;

www.xipolis.com; www.wissen.de;

www.brockhaus.de;

www.wikipedia.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar