Medien : Je später der Abend

Wo läuft die Fußball-Bundesliga? Der Fan muss sich im Free-TV künftig öfters in Geduld üben

Joachim Huber,Kai Kolwitz

Die Fußballfans vor dem Bildschirm müssen in der 44. Bundesliga-Saison ihre Sehgewohnheiten ein wenig ändern. Die Erweiterung des Spieltages um das Freitag-Spiel, spätere Sendezeiten im frei empfangbaren Fernsehen und eine generelle Vorfahrt für den neuen Pay-TVPartner Arena sind die wichtigsten Neuerungen als Konsequenz aus dem 1,2 Milliarden Euro teuren Dreijahresvertrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit diversen Anbietern. Und so verteilt sich der Spieltag der ersten Liga von Freitag (eine Begegnung, Anstoß: 20 Uhr 30), Samstag (sechs Partien, Anstoß: 15 Uhr 30) und Sonntag (zwei Partien, Anstoß: 17 Uhr) auf die Sender im Free-TV, im Pay-TV und im Internet.

Die Liga im Free-TV: Die Situation am ersten Spieltag ist untypisch für den Rest der Saison. Die Eröffnungspartie am Freitag Bayern München – Borussia Dortmund wird ab 20 Uhr 15 live und parallel in der ARD und im Pay-TV-Sender Arena übertragen. Dieses Modell wiederholt sich quasi am Samstag, wenn die Bundesliga-Konferenz sowohl im Bezahlsender als auch im Free-TV-Programm von Sat 1 um 15 Uhr gezeigt wird. Das Motiv von Arena ist nicht Menschenfreundlichkeit, sondern Werbung: Wer noch kein Abo bei Arena erworben hat, der soll via Sat 1 überzeugt werden.

Der Wechsel der Pay- und Live-Rechte von Premiere zu Arena und die Rückkehr zum Freitagspiel verändern auch die ARD-„Sportschau“ am Samstag. Die Sendung, die um 18 Uhr 10 startet, darf erst von 18 Uhr 30 an Bilder von den nur noch sechs Samstagpartien zeigen. Zuvor berichtet die „Sportschau“ aus den Regionalligen und rekapituliert das Freitagspiel. Als „Sportschau“-Moderatoren sind wie bisher Monica Lierhaus, Reinhold Beckmann und Gerhard Delling im Einsatz.

Auch das „Das aktuelle Sportstudio“ des ZDF hält samstags ab 22 Uhr für die Zusammenfassung am bewährten Moderatoren-Quartett Katrin Müller-Hohenstein, Johannes B. Kerner, Wolf-Dieter Poschmann und Michael Steinbrecher fest. Der Mainzer Sender kündigt ein „völlig neues Outfit“ an: „Klare Linien und Formen sowie eine von Weiß, Silber und Orangetönen dominierte Farbgebung sorgen für eine attraktive, edle Optik.“ Man wird sehen.

Sonntags verspricht das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) „Bundesliga-Dramatik pur zur besten Sendezeit“. Das ist pures Marketing, denn Spielberichte von den beiden Sonntagpartien kann das DSF erst zwischen 22 und 23 Uhr zeigen. Vergangene Saison, als die Spiele nicht wie jetzt um 17 Uhr, sondern um 17 Uhr 30 angepfiffen wurden, kamen Free-TV-Zuschauer bei den von Thomas Helmer, Frank Buschmann und Klaus Gronewald moderierten DSF-Berichten ziemlich zeitnah zwischen 19 Uhr 15 und 20 Uhr 15 auf ihre Kosten.

Auch die Dritten Programme der ARD sind von der neuen TV-Aufteilung betroffen. Ihre Magazin-Sendungen am Sonntag beginnen zukünftig in der Regel erst um 22 Uhr 45. Bilder von den Sonntag- spielen sind erst nach 23 Uhr erlaubt. Alle diese Maßnahmen sollen dazu dienen, das Pay TV attraktiver für Fußballfans zu machen. Mit rund 220 Millionen Euro pro Saison steuert schließlich der neue Bezahlsender Arena den Löwenanteil der Fernsehhonorare für die 36 Profiklubs bei.

Die Liga im Pay-TV: Arena zeigt alle 612 Erst- und Zweitligaspiele live (siehe Kasten) und hält auch an der Konferenzschaltung für die erste und zweite Spielklasse fest. Die zweite Bundesliga hat mit der neuen Saison drei Anpfiffzeiten: am Freitag (drei Partien, Anstoß 18 Uhr), am Sonntag (fünf Spiele, Anstoß: 14 Uhr) und am Montag (eine Begegnung, Anstoß: 20 Uhr 15). Das Spiel am Montag wird zeitgleich im DSF übertragen. Arena zeigt alle Partien der beiden Spielklassen live, einzeln und in der Konferenzschaltung. Zu den Moderatoren, die aus einem mobilen Studio im Stadion durch die Sendung führen, gehört Oliver Welke.

Die Liga im Internet. Auch die Telekom-Tochter T-Com zeigt die Spiele der Bundesliga, allerdings nur über das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz. Das Netz ist in neun deutschen Städten, darunter Berlin, in der Aufbauphase. Die Telekom verfügt über keine Sendelizenz und hat sich deswegen mit dem Bezahlfernsehen Premiere verbündet. Premiere sorgt für den redaktionellen Teil: Experten-Talks im Studio mit Marcel Reif, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummennigge. Live-Schaltungen ins Stadion, Interviews mit Spielern und Trainern. Klar ist, dass die Bundesliga im Internet die wenigsten Zuschauer haben wird.

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