Medien : „Jeder Mann will Spartakus sein“

Also lässt RTL in der Fernseharena gute gegen böse Gladiatoren kämpfen

Alva Gehrmann

Es ist das Jahr 83 nach Christus. Die Sonne brennt auf die Arena in der Handelsmetropole Puteoli. Zwei Sklaven, die Brüder Germanus und Ceradoc, kämpfen ums Überleben. Ihr Gegner in der Arena wird nur der „Schlächter von Sparta" genannt. Es folgt ein brutaler Kampf: Die Schwerter klirren, die muskelbepackten Männer stöhnen. Kurz darauf ist Ceradoc tot. Germanus schwört, den Tod des Bruders zu rächen.

Der RTL-Film „Held der Gladiatoren" setzt ganz auf die Familienehre und gut eingeölte Körper. Protagonist ist Germanus (Stephan Hornung), der Sklave wird als talentiert empfunden und soll auf einer Gladiatorenschule im Norden des römischen Reiches ausgebildet werden, ebenso wie seine Schwester Rhihanna. Die Nachwuchskämpfer haben zwei Möglichkeiten, die Schule zu verlassen: als freie Bürger oder tot.

Grundy UFA hat den Film, der in Südfrankreich und auf Malta gedreht wurde, im Auftrag von RTL und in Co-Produktion mit dem ORF produziert. Gefördert wurde er durch den FilmFernsehFonds Bayern und die Filmstiftung NRW. Das Budget lag bei fünf Millionen Euro, teurer war noch kein RTL-Film. Stimmt die Quote, soll der Sklave Germanus öfter in die Arena gehen und dort mit Menschen oder Löwen kämpfen. Eine Serie mit acht 45-Minuten-Filmen ist denkbar.

Dass auch historische Stoffe funktionieren, könne man gerade im Kino mit „Fluch der Karibik" sehen, sagt Gabriela Brenner, Producerin von Grundy Ufa. Oder beim US-Film „Gladiator". So richtig vergleichen könne man „Held der Gladiatoren" und „Gladiator" nicht, allein schon wegen der Budgets: Schließlich hat der Hollywood-Streifen 120 Millionen gekostet. Brenners künstlerisches Vorbild ist eher „Spartacus", der Film um den niedergeschlagenen Slavenaufstand mit Kirk Douglas in der Titelrolle.

Für RTL war das Gladiatoren-Projekt interessant, weil die Redaktion eine große Parallelität zwischen Gladiatoren und Fußballstars sieht. „Auch damals gab es Transfers und Verträge; es war nichts anderes als heute bei den Fußballclubs", sagt die Producerin. „Die großen Stars durften sich alles erlauben, hatten Geld zur Verfügung, Zugang zu den Palästen, Ruhm, und die Türen zu den edlen Damen standen ihnen offen." Lagos, der „Schlächter von Sparta", ist so ein Star. Eines Tages taucht er in der Gladiatorenschule auf, in der Germanus gerade trainiert wird.

„Die Schauspieler sind wirklich in die Zeit eingetaucht“, sagt Brenner. Das liege wohl am Urinstinkt der Männer: „Jeder will Spartakus sein." Dabei haben die Darsteller alles selbst gespielt, auch die Kampfszenen. „Um das durchzuhalten, brauchen die Schauspieler hundert Prozent Körperbewusstsein, müssen schnell und wendig sein", sagt Brenner, die gelernte Tänzerin ist und an den Choreographien mitgearbeitet hat.

Die Actionszenen werden gut eingefangen durch die Handkamera von Yvonne Tratz, die sich zwischen den Kämpfern bewegt. Unterbrochen wird der durchaus ansprechende Film (Regie: Jorgo Papavassiliou) aber immer wieder durch den Titelsong „Free like the Wind", eine Komposition von Dieter Bohlen. Alexander, der Superstar, singt mit unbedarfter, jugendlicher Inbrunst und zieht die Geschichte damit immer wieder ins Kitschige. Die Musikauswahl war eine Senderentscheidung, die der RTL-Marketingmaschine sicherlich dient, dem Film aber sehr schadet.

„Held der Gladiatoren“: 20 Uhr 15, RTL

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