Medien : Jenseits von Yad Vashem

Iris Berben zeigt in einer eindrucksvollen ZDF-Reportage den Alltag in ihrer zweiten Heimat Israel

Simone Schellhammer

Seit dreißig Jahren kämpft Iris Berben für die Aussöhnung zwischen Juden und Nicht- Juden in Deutschland, ungefähr genauso lange dauert ihre Liebesbeziehung zu Israel und die zu ihrem Lebensgefährten, dem Israeli Gabriel Lewy. 2002 erhielt sie vom Zentralrat der Juden in Deutschland für ihr Engagement den Leo-Baeck-Preis, das „Time“-Magazine wählte sie gar zur „Heldin Europas“.

Man konnte also befürchten, dass ihr Film „Und jetzt, Israel?“ ein politisch allzu korrektes Betroffenheitsstück werden würde. Und wenn der Zweiteiler dann mit Aufnahmen der Gedenkstätte Yad Vashem und einem Gespräch mit dem Friedensnobelpreisträger Shimon Peres beginnt, fühlt man sich in dieser Befürchtung schon fast bestätigt. Wunderbarerweise wird der Film im weiteren Verlauf zu einer äußerst lebendigen, bunten, zum Teil auch melancholischen Reisereportage, die Lust macht auf dieses Land und die Menschen, die dort leben.

Wir lernen unter anderem einen Gehirnforscher kennen, einen Psychiater, ein Basketballteam, einen Kamelexperten, einen Choreographen, eine Beduinin mit Hochschulabschluss, eine Autorin und besorgte Mutter, einen Ornithologen, einen Computerhacker, einen ehemaligen Mossad-Agenten und den Rockstar Aviv Geffen, der 1995 beim tödlichen Attentat auf Yitzhak Rabin neben ihm stand. Insgesamt waren es 52 Stunden Material, das auf einer fünfwöchigen Reise in Begleitung des „Brigitte“-Chefredakteurs Andreas Lebert entstanden ist, der das Konzept entwickelt und die aufwendige Recherche im Heiligen Land übernommen hat. Zum Teil sind die Gesprächspartner Freunde oder Verwandte von Iris Berben, wie etwa ihr Schwager Jossi Cohen, Chef des Jerusalemer Busdepots, der die Wracks zeigt, die nach Bombenanschlägen übrig bleiben. Die allermeisten kannte die Schauspielerin jedoch vorher nicht.

Unaufgeregt und neugierig unterhält sich die 53-Jährige mit Interviewpartnern, ohne die rasende Reporterin mimen zu müssen. Oft sieht man Berben lachen, sinnierend am Fenster stehen oder in stets weißer Bluse durch die Landschaft wandern. An einer Stelle wird sie kurz von Tränen übermannt, als die Dolmetscherin aus der Knesset auf die Frage, ob es Momente gab, in denen sie nicht habe übersetzen können, antwortet: Ja, damals im KZ Buchenwald.

Sie habe in ihrer Reportage absichtlich nicht versucht, auf das aktuelle politische Geschehen einzugehen, sagt Iris Berben. „Dazu fühle ich mich nicht berufen.“ Dennoch vermittelt „Und jetzt, Israel?“ bessere Einblicke in die vertrackte politische Situation als viele Nachrichtenbilder und Politikreportagen. Letztlich ist eine Gratwanderung gelungen zwischen Tourismusführung und Nachdenklichkeit, auch wenn wir die Reporterin nicht ganz so oft nachdenklich schreibend zwischen Ausrüstungskisten im Bild hätten sehen müssen. Die Balance zwischen Verzweiflung und Optimismus wird durch einen Ton gehalten, den Shimon Peres zu Beginn des Films anschlägt, als er sagt: „Die Vorstellungskraft ist genauso wichtig wie das Erinnern. Wer sich nur an das Schlechte der Vergangenheit erinnert ohne ein Gefühl für eine bessere Zukunft zu entwickeln, wird sich nicht bewegen.“

„Iris Berben: Und jetzt, Israel?“: Karfreitag, 19 Uhr 30, ZDF. Der 2. Teil folgt am kommenden Dienstag um 22 Uhr 15.

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