Medien : Jerzy Giedroyc: Ende einer Legende

Basil Kerski

Kaum eine Zeitschrift hat das kulturelle und politische Leben Polens im 20. Jahrhundert so geprägt wie die Pariser "Kultura". Am 14. September ist ihr Chefredakteur Jerzy Giedroyc gestorben - im Alter von 94 Jahren. Das bedeutet zugleich das Ende einer Legende: Denn mit seinem Tod stellt "Kultura" nach über 50 Jahren das Erscheinen ein.

Gegründet wurde "Kultura" 1947 in Rom von Jerzy Giedroyc und anderen Angehörigen der polnischen Exilarmee. Ein Jahr später zog die Redaktion der "Kultura" für immer nach Maisons-Laffitte bei Paris. Seit den fünziger Jahren gelangten die Publikationen des Verlagshauses auf illegalem Wege nach Polen und erreichten und beeinflussten ganze Generationen polnischer Intellektueller. Die Redaktion der "Kultura" sprach sich schon in den frühen fünfziger Jahren für die Versöhnung mit Deutschen sowie den östlichen Nachbarn Polens aus und trat für die Akzeptanz des Verlustes der ehemaligen polnischen Ostgebiete ein. Daneben war die Zeitschrift das wichtigste Forum für renommierte polnische Exilschriftsteller wie Witold Gombrowicz, Czeslaw Milosz oder Gustaw Herling.

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