Medien : „Jetzt“ droht das Aus

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Ein Dienstag im vergangenen November, im Hof des Süddeutschen Verlags war eine Flotte 7er-BMWs geparkt, was als ein sicheres Zeichen dafür gilt, dass sich die Besitzer der „Süddeutschen Zeitung“ treffen. Tagesordnungpunkt: die Einstellung des „SZ-Magazins“. Am Ende ließen sie es leben: mit einem Votum von drei zu zwei.

Wenn die „SZ“-Gesellschafter am Dienstag wieder tagen, soll es erneut um die Existenz eines Magazins gehen: diesmal um die der Jugendbeilage „Jetzt“. „Jetzt“ macht zwar nicht so viele Verluste wie das „SZ-Magazin“, weil es in der Produktion billiger ist. Doch seit der „SZ-Magazin“-Debatte vor einem halben Jahr hat sich etwas Wesentliches verändert. Der „Süddeutsche Verlag“ ist in die roten Zahlen gerutscht: auf 6,5 Millionen Euro im ersten Quartal 2002 .

Gegründet 1994, hat „Jetzt“ viele Preise für sein Layout und seine Reportagen gewonnen. Es hat, internen Studien zufolge, das Image der „Süddeutschen Zeitung“ verjüngt. Nur: Gewinne hat es nie gemacht. Sein Problem ist wohl, dass jeder inländische „SZ“- Käufer das Heft automatisch bekommt – auch der 50-jährige Anwalt, der sich natürlich nicht dafür interessiert. Bei einer Auflage von mehr als 400 000 Exemplaren führt das zu immensen Papierkosten.

Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff brachte noch mal einen Schub für das „Jetzt“, als er vor zwei Jahren in einem „SZ“-Interview sagte: Er hätte das Jugendmagazin zu einer Marke ausgebaut und an die Börse gebracht. „So wahr ich hier sitze, das Ding wäre heute mehr wert als der gesamte Süddeutsche Verlag.“ Wohl daraufhin wurde der „Jetzt“-Online-Auftritt ausgebaut, mit Erfolg. Aber auch damit lässt sich kein Geld verdienen. Selbst ein rein virtuelles „Jetzt“ würde also wirtschaftlich keinen Sinn machen.

Die Frage ist nun, ob sich die „SZ“-Gesellschafter die prestigeträchtige Beilage weiter leisten wollen. Der Verlag verweigert jeden Kommentar. nol

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