Medien : Jetzt kommt Bremer

Der letzte „Grüne Salon“ und ein schwarzes Sendeloch bei n-tv

Heiko Dilk

Vor Beginn der Sendung wurden goldene und rote Geschenk-Tütchen verteilt. Die Moderatoren Claus Strunz und Andrea Fischer standen im überfüllten „Grünen Salon" der Berliner Volksbühne und riefen nach und nach das ganze Team zu sich. Heinz Eggert, der gemeinsam mit Erich Böhme die Talkshow begründet hatte, gröhlte in den Saal: „Was machst du denn jetzt Montagabend?" Das war der Moment, als Detlef Röhtz seine Tüte bekam. Röhtz ist Dauergast. Die 212. und letzte Ausgabe des „Grünen Salon" auf n-tv war gleichzeitig die 111. für ihn. Fischer und Strunz waren bei 38 Sendungen dabei.

Es gehört zum Konzept des „Grünen Salon", dass die Zuschauer sich bemerkbar machen, damit Kneipenatmosphäre aufkommt. An diesem Abend, als der Journalist im Ruhestand Böhme und der CDU-Politiker Eggert die Talkgäste waren, wurde noch ein wenig lauter gejohlt und geklatscht als sonst, weil viele Mitarbeiter von der AVE, die den „Grünen Salon" produziert, da waren. N-tv-Geschäftsführer Johannes Züll war nicht da. Er hätte sich auch nicht wohl gefühlt. Vor, während und nach der Sendung ging es darum, dass n-tv den „Grünen Salon" abgesetzt hat.

Böhme sprach vom „Schwarzen Salon" und vom „Schwarzen Loch", und Eggert antwortete auf die Frage Fischers, ob das übertrieben sei: „Das ist nicht übertrieben. Das war ja eine gute Sendung." Dann wurde noch ein wenig über die Boulevardisierung der Politik und von politischen Talkshows lamentiert. Im Subtext ging es aber eigentlich weiter um n-tv. Im zweiten Teil waren dann Antisemitismus und der Parteiausschluss des CDU-Politikers Martin Hohmann Thema. Eggert und Böhme kabbelten sich dabei ein wenig. Das war zwar nicht sonderlich ergiebig, aber unterhaltsam. In den Abspann hinein fragte Eggert, ob n-tv eigentlich weitersende. Der Sender tut es: In den nächsten Wochen gibt es auf n-tv Wiederholungen. Zweimal läuft „Das Duell" (Erstausstrahlung: montags um 17 Uhr 15) mit RTL-Nachtarbeiter Heiner Bremer, und danach alte Folgen des „Grünen Salon", bis n-tv entschieden hat, was mit dem Sendeplatz passiert.

Am Ende der Sendung sagte Strunz noch, dass für ihn und für Fischer „jetzt hier die Lichter aus" gingen. Das „Hier" war nicht unwichtig. Denn die AVE verhandelt bereits mit einem anderen Sender, wie Mitarbeiter durchblicken ließen. Vielleicht ja im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Jedenfalls dürfte nur ein Berliner Sender in Frage kommen. Denn umziehen kann der „Grüne Salon" nicht, der Ort ist die Marke. Da werden eher die Moderatoren ausgetauscht. Claus Strunz, der im Hauptberuf Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ ist, wird bei aller Talk-Tauglichkeit nicht von jedem Sender willkommen geheißen.

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