Medien : Jetzt oder nie

G + J erklärt Verhandlungen zur „SZ“-Jugendbeilage für beendet

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Groß war der Protest, als der Süddeutsche Verlag am 9. Juli beschloss, „Jetzt“, die Jugendbeilage der „Süddeutschen Zeitung“, einzustellen. Seit 1993 war es Montag für Montag der Zeitung beigelegen. Bis zum 22. Juli. Dem Verlag sei die Entscheidung schwer gefallen, hieß es in der Mitteilung. Die wirtschaftliche Situation hätte den Verlag zu diesem Schritt gezwungen. Über 400 junge Leser zogen daraufhin vor das Gebäude des Süddeutschen Verlages, um gegen die Einstellung zu demonstrieren. Unterschriftenlisten wurden gesammelt. Unter jetztundfuerimmer.de ist im Internet noch immer eine Liste zu finden, in die sich jene eintragen können, die bereit wären, „Jetzt“ für zwei Euro wöchentlich zu abonnieren. Dort steht auch der Satz „Es gibt verlagsinterne und -externe Initiativen, das ,jetzt’-Magazin weiterzuführen“.

Tatsächlich verhandelten der „Stern“ aus dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr und der Süddeutsche Verlag über eine Wiederbelebung. „Jetzt“ sollte als eigenständiger Titel am Kiosk verkauft werden. G + J, im Verlegen von Zeitschriften erfahren, wollte den Vertrieb und das Anzeigenmarketing übernehmen. Und der Süddeutsche Verlag sollte die Redaktion in München weiter beschäftigen. Alles sollte so bleiben wie es einmal war, das Konzept und auch das Layout. Dem Vernehmen nach sollen dem „Stern“ die Titelrechte von „Jetzt“ einen knapp sechsstelligen Euro-Betrag wert gewesen sein. Für die Dauer von sechs Monaten hätte der „Stern“ über die Rechte verfügen können, danach hätte man sich erneut zusammengesetzt. Das hatten Bernd Buchholz, Verlagsgeschäftsführer des „Stern“, und Hans Gasser, Geschäftsführer beim Süddeutschen Verlag, miteinander ausgehandelt. In Hamburg heißt es, man sei sich „handelseinig“ gewesen. Bis Anfang letzter Woche, als sich Buchholz mit Dirk Refäuter, Sprecher der Geschäftsführung beim Süddeutschen Verlag, traf. Beobachter berichten, Buchholz soll wütend aus dem Gespräch gegangen sein, da Refäuter sich mit der „knapp sechsstelligen Summe“ nicht zufrieden geben wollte. Eine Million Euro soll er dafür verlangt haben, dass der „Stern“ zunächst ein halbes Jahr lang über die Titelrechte an „Jetzt“ verfügen darf.

Der Süddeutsche Verlag wollte sich am Mittwoch nicht äußern, ein Sprecher wollte nicht einmal bestätigen, dass es Verhandlungen gab. „Stern“- Sprecher Frank Plümer sagte lediglich: „Die Verhandlungen zwischen dem ,Stern’ und dem Süddeutschen Verlag über eine gemeinsame Lösung für ,Jetzt’ sind gescheitert“. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aus München, die Verhandlungen seien nur für den Moment gescheitert. Man hätte die starke Marke „Jetzt“ nicht zum Niedrigpreis verscherbeln wollen.

Fraglich ist, ob der Süddeutsche Verlag das Risiko eingehen wollte, dass „Jetzt“ als Kiosk- Zeitschrift mit dem „Stern“ als Partner erfolgreich wird. Letztlich würde nur der „Stern“ als Retter erscheinen. Obendrein würde ihm der Erfolg zu einem jugendlicheren Image verhelfen. Für die Außenwirkung des Münchner Verlages wäre aber auch ein zweiter Flop nicht einträglich. Ulrike Simon

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