• Jill Abramson, Natalie Nougayrède: "New York Times" und "Le Monde" trennen sich von Chefredakteurinnen

Jill Abramson, Natalie Nougayrède : "New York Times" und "Le Monde" trennen sich von Chefredakteurinnen

Die US-Zeitung "New York Times" trennt sich überraschend von Jill Abramson, die 2011 als erste Frau an die Spitze des Blattes gerückt war. Aber auch in Frankreich bei "Le Monde" gibt es einen Wechsel. Hier muss Natalie Nougayrède gehen.

Hans-Hagen Bremer
Muss nach drei Jahren gehen: Jill Anderson ist ab sofort nicht mehr Chefredakteurin der New York Times.
Muss nach drei Jahren gehen: Jill Anderson ist ab sofort nicht mehr Chefredakteurin der New York Times.Foto: dpa

Es ist ein Zufall, zugleich ist es ein Faktum. Zwei Chefredakteurinnen bei zwei renommierten Zeitungen müssen gehen: Natalie Nougayrède bei „Le Monde“, Jill Abramson bei der „New York Times“. Abramson war erst vor drei Jahren als erste Frau an die Spitze der US-Zeitung gerückt. Zum neuen Chefredakteur steigt ihr bisheriger Stellvertreter Dean Baquet auf, erster Afroamerikaner auf diesem Posten. Der „schlagartige Wechsel“ habe die Redaktion „völlig verblüfft“, schrieb die Zeitung am Donnerstag und berichtete selbst über „ernsthafte Spannungen“ zwischen der Chefredakteurin auf der einen, ihrem Stellvertreter und Herausgeber Arthur Sulzberger auf der anderen Seite. Abramson sei „polarisierend und launisch“ gewesen.

Andere kritisieren, dass sie vor allem Frauen auf wichtigen Posten habe durchdrücken wollen. Abramson trieb in ihrer Zeit den Ausbau des Onlineangebots der „New York Times“ voran. Unter ihr meisterte das Traditionsblatt den Wandel in der Medienbranche besser als viele Konkurrenten in den USA. „Wir haben erfolgreich Schneisen an der digitalen Front geschlagen und sind bei der Erfindung neuer Erzählformen so weit gekommen“, erklärte die gefeuerte Chefredakteurin. Als vornehmliche Leistung nannte sie auch, dass sie besonders viele Frauen auf einflussreiche Positionen gesetzt habe. Ihr Nachfolger Baquet gewann als Reporter einen Pulitzer-Preis und arbeitete früher als Redakteur für die „Los Angeles Times“. Der 57-Jährige nannte es „eine Ehre, gefragt zu werden, die einzige Redaktion im Land zu leiten, die tatsächlich besser ist, als sie vor einer Generation war“.

Natalie Nougayrède
Natalie NougayrèdeFoto: AFP

Bei der Pariser „Le Monde“ amtierte Natalie Nougayrède nur ein Jahr als Direktorin der Redaktion. Mit ihrem Rücktritt von dem Posten, dem bei deutschen Zeitungen der eines Chefredakteurs und Herausgebers in Personalunion entsprechen würde, zog die 47-jährige Journalistin die Konsequenz aus einem andauernden Konflikt mit einem großen Teil der Redaktion. Nougarède war von den Hauptaktionären des Blattes berufen worden. Die Redakteure, gegen deren Votum kein Redaktionsdirektor bestellt werden kann, stimmten mit 79 Prozent zu.

Auslöser der Krise waren Nougayrèdes Pläne zur Stärkung des Internetauftritts. Danach sollten 60 Stellen von Print nach Online wandern. In der Redaktion wurde das als „versteckter Sozialplan“ verstanden, da einige Ressorts fortfallen sollten. Diskussionen darüber soll Nougayrède kategorisch abgelehnt haben. Ihr wurde vorgeworfen, sie kommuniziere nicht, neige zu einsamen Entscheidungen. Sie selbst bezeichnete Kritiker als „Putschisten“. Sieben der elf Ressortleiter traten zurück. Am Mittwoch gab Nougayrède auf. Begründung: Es gebe bei den Eignern den Willen, ihre Befugnisse drastisch zu reduzieren. Gilles van Kote soll das Blatt kommissarisch führen, hhb/AFP/dpa

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