Jill statt Bill : „Aufstieg nach Walhalla“

Jill Abramson wird die erste Frau an der Spitze der „New York Times“. Sie löst Bill Keller ab, der die Traditionszeitung aus einigen Krisen herausmanövriert hat.

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Jill Abramson wird die erste Chefredakteurin in der 160-jährigen Geschichte der „New York Times“. Sie löst im Sommer Bill Keller ab, der die Zeitung seit 2003 geleitet hat. Als Autor des „Times Magazine“ wird Keller weiter für die Traditionszeitung arbeiten. Verleger Arthur Sulzberger Jr. sagte, er habe Kellers Entscheidung „mit gemischten Gefühlen“ akzeptiert. Die 57-Jährige Abramson bezeichnete ihre Ernennung zur Chefredakteurin als „Ehre meines Leben“. Es sei wie der „Aufstieg nach Walhalla“ für jemanden, der die „Times“ bereits als junges Mädchen gelesen hat, das in New York aufgewachsen ist.

Abramson hatte bis 1997 für das „Wall Street Journal“ gearbeitet. Ihr Aufstieg bei der „New York Times“ verlief steil: Nach drei Jahren wurde sie Büroleiterin in Washington, bevor Keller sie 2003 zur Leitenden Redakteurin machte. Keller musste nach seiner Amtsübernahme den Ruf des Blattes nach der Fälschungsaffäre um Jayson Blair wiederherstellen. Er hatte Teile seiner Texte frei erfunden. Auch wirtschaftlich musste Keller kämpfen. Die Wirtschaftskrise sowie der Druck durch das Internet führten dazu, dass in mehreren Wellen mehrere hundert Stellen abgebaut wurden. Zugleich gewann die Zeitung unter Keller 18 Pulitzer-Preise und vergrößerte die Online-Reichweite auf rund 50 Millionen Leser weltweit. Nachdem die Finanzen der Zeitung nun wieder auf einer stabilen Grundlage stünden, könne er die Zügel beruhigt übergeben, sagte Keller im „Times“-Newsroom.

Die künftige Chefredakteurin will sich besonders um die Integration des digitalen und des Printgeschäfts kümmern. Die Webseite NYTimes.com soll noch stärker zur Online-Community werden. Und was viele Redakteure vermutlich weniger gerne hören: „Ich glaube, es ist möglich, die Konsenskultur der ,Times‘ zu bewahren und gleichzeitig die von Arthur (Sulzberger) gewünschte Kultur der Effektivität zu schaffen.“ Kurt Sagatz

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