Jörg Pilawa : Noch eine ARD-Kostenstelle

Moderator Jörg Pilawa wechselt überraschend zurück vom ZDF-Hauptabend zu seiner alten Heimat. Kommt nach der Talkshow- jetzt die Showschwemme?

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Neuer Sender, altes Spiel. Das Erste plant mit Jörg Pilawa „Event-orientierte und mehrteilige Shows für den Hauptabend“. „Rette die Million!“ bleibt wohl beim ZDF. Foto: ZDF
Neuer Sender, altes Spiel. Das Erste plant mit Jörg Pilawa „Event-orientierte und mehrteilige Shows für den Hauptabend“. „Rette...Foto: Frank W. Hempel

Jauch, Kerner, Schmidt, Pflaume, Gottschalk, die Reihe der Senderwechsler ist lang, manche Moderatoren wechseln sogar wieder zurück. Jörg Pilawa zum Beispiel. Der wird 2014 in seine alte Heimat, die ARD, zurückkommen. Das Erste plane mit ihm „verschiedene Event-orientierte und mehrteilige Shows für den Hauptabend“, hieß es. Das erste Projekt wird eine neue, international bereits erfolgreiche musikalische Entertainment-Show sein. Darüber hinaus soll Jörg Pilawa auch im NDR-Fernsehen zu sehen sein, wo er früher bereits eine Talkshow moderierte. „Wir richten derzeit die Unterhaltungsangebote des Ersten strategisch neu aus. Ziel ist es, erfolgreiche Formate in serieller Verlässlichkeit anzubieten. Da ist es ein Glücksfall, dass wir mit Jörg Pilawa und Kai Pflaume künftig gleich zwei der beliebtesten, erfolgreichsten und kompetentesten Moderatoren im Ersten haben werden“, sagte Programmdirektor Volker Herres.

ARD und ZDF hatten Pilawa jeweils Verträge über drei Jahre ab 2014 vorgelegt. Pilawa hat sich für das Erste entschieden, dort ist der Geldtopf immer noch am größten. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler ließ mitteilen: „Der Vertrag mit Pilawa läuft zwar noch bis Ende des Jahres. Ich würde ihm aber keine Steine in den Weg legen, wenn er früher wechseln möchte.“ Schon ist fraglich, ob Pilawa Gründonnerstag und Karfreitag die Jubiläumsshow zum 50. Geburtstag des ZDF präsentieren wird. Allerdings gehen dem ZDF langsam die Alternativen zu Markus Lanz aus.

Das Pilawa-Engagement soll das Erste so stärken, dass der Abstand zum – ohne Pilawa – vermeintlich geschwächten ZDF geringer werden möge. Im Februar hat Marktführer ZDF die ARD bei den Marktanteilen mit 13,5 zu 12,4 Prozent klar geschlagen. Das nagt. Kommt hinzu, dass die Showunterhaltung im Ersten mehr als lahmt. Es fehlt an zündenden Ideen, wie sie Jörg Pilawa und das ZDF wenigstens mit „Rette die Million!“ hat. Das Zweite konnte noch nicht sagen, ob die „Millionen“-Show nach Pilawas Abgang im Zweiten bleiben wird. Überhaupt: Wer füllt jetzt die Lücke im zweiten Programm? Das Personaldecke im deutschen Fernsehen ist dermaßen dünn, dass erste Spekulationen auf dem Lerchenberg auf Johannes B. Kerner zuliefen. Der war mal die ganz große Nummer, Kerner kann Superlativ-Shows wie „Der klügste Deutsche“ moderieren. Markus Lanz ist ja ausreichend beschäftigt, eine Rückkehr von Thomas Gottschalk nicht vorstellbar. Einen kleinen Triumph konnte das ZDF am Freitag auch vermelden: Die sehr erfolgreiche Schlagersängerin Helene Fischer kommt vom Ersten zum Zweiten.

Seine TV-Karriere begann Pilawa 1994 beim Privatsender Pro 7 mit der Show „2 gegen 2“. 1996 ging Pilawa zu Sat1, wo er unter anderem das Bundesliga-Magazin „ran“, die Talkshow „Jörg Pilawa“ sowie „Die Quiz Show“ moderierte. 2001 wechselte Pilawa erstmals zur ARD, wo er drei Jahre lang „Herzblatt“ moderierte, außerdem Sportveranstaltungen sowie die „NDR Talk Show“ im Dritten, das „Star Quiz“ im Ersten und Formate wie „Pisa – der Ländertest“ oder „Pilawas großes Geschichtsquiz“.

Im September 2009 wurde bekannt, dass Pilawa seinen Vertrag mit der ARD nicht verlängern und zur zweiten Jahreshälfte 2010 zum ZDF wechseln würde. Dort lieferte er am 13. Oktober 2010 sein Debüt mit der Quizshow „Rette die Million!“. Pilawa gilt vielen Kritikern, ähnlich wie Kai Pflaume, nicht nur als langweilig und verwechselbar, sondern auch als Moderationsroboter und als der ewige Quiz-Onkel des deutschen Fernsehens. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Pilawa bei der ARD gegen dieses Image ankämpfen wird, ankämpfen kann.

Nach jetzigem Stand wird die ARD-Showunterhaltung vor Kraft kaum laufen können: Kai Pflaume, Jörg Pilawa, Thomas Gottschalk, dazu noch Eckart von Hirschhausen oder auch mal Ranga Yogeshwar. Klingt unschlagbar – und doch ist die Kernfrage nicht beantwortet: Wer hat für diese Truppe die notwendigen Ideen? Und dann droht diese ungleich größere Gefahr. Kommt nach der Talkshow- jetzt die Showschwemme?

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