• Jörg Pilawa setzt Pannenshow fort: ARD bekommt „Quizduell“-Technik nicht in den Griff

Jörg Pilawa setzt Pannenshow fort : ARD bekommt „Quizduell“-Technik nicht in den Griff

Erneut mit Plan B: Beim "Quizduell" mit Jörg Pilawa mussten auch am Dienstag die Kandidaten gegen das Saalpublikum antreten, weil die App wieder nicht funktionierte.

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Jörg Pilawa
Jörg PilawaScreenshot: Tsp

Jörg Pilawa versuchte es mit Humor. Was sollte er auch sonst machen? Die Vorabendshow „Quizduell“ ging auch am Dienstag nur als Sparvariante über den Sender. „Ich wurde von der App vorm Traualtar stehen gelassen worden“, witzelte der ARD-Moderator, nachdem die technischen Probleme mit der ersten App-Show im deutschen Fernsehen auch am zweiten Tag fortbestanden. Die Internetnutzer, die mit einer für das Erste angepassten Version der beliebten Wissens-App mitspielen wollten, konnten erneut nur auf dem TV-Gerät verfolgen, wie die vier Kandidaten gegen das Saalpublikum antraten.

Wieder musste der öffentlich-rechtliche Sender zu Plan B greifen. Statt interaktivem Wissenswettbewerb mit Smartphone und Tablets kamen erneut die alt hergebrachten Eingabegeräte zum Einsatz. Fernsehen und Internet, das passt selbst über 20 Jahre nach dem Siegeszug des World Wide Webs offfenbar noch immer nicht nahtlos zusammen. „Ich weiß nicht, was heute passiert“, hatte Moderator Pilawa noch kurz vor der Sendung gesagt. Aber das, was nicht klappte, hat dann erneut gut funktioniert, denn das Quizduell zwischen den vier Lehramtsanwärtern aus Mainz und dem Saalpublikum in Hamburg blieb immerhin spannend bis zuletzt.
Die Zukunft der Sendung hängt nun jedoch weiter am seidenen Faden, wie Pilawa selbst sagte. „Wenn die technischen Probleme nicht gelöst werden, dann ist das Experiment gescheitert.“ Noch haben das Erste und der Moderator die Hoffnung jedoch nicht komplett aufgegeben. Nach der Sendung verabschiedete sich Pilawa bis zum nächsten Tag – ob nun mit oder Internetverbindung.
Über die Ursachen des Pannenstarts wurde indes wenig verraten. Am Montag noch hatte Pilawa eine Hackerattacke vermutet, davon war am Tag danach nur noch als eine von vielen Möglichkeiten die Rede. Die Experten der Fachzeitschrift „c’t“ nehmen die ARD sogar ausdrücklich in Schutz. „Die Firma hinter der ,Quizduell‘-Erweiterung für die ARD kennt sich mit solchen Apps aus“, sagte „c’t“-Redakteur Ronald Eikenberg dem Tagesspiegel. Von der Kölner Firma Grand Centrix stammt auch die App zum Eurovision Song Contest, die bis zu 100 000 Anfragen pro Sekunde verarbeitet hat.

"Man muss kein Genie sein, um die App zu hacken"

Der Crash der „Quizduell“-App der ARD kann zwei Ursachen haben. Am wahrscheinlichsten ist für Eikenberg eine Hackerattacke. Bei einer App lässt sich mit wenig Aufwand feststellen, mit welchem Server die Anwendung kommuniziert. „Man muss kein Genie sein, um diese Adresse anzugreifen.“ Wenn es jemand darauf anlegt, sei eine App kaum zu schützen – vor allem nicht gegen halbstarke Hacker, für die eine solche Aktion äußerst verlockend sei.
Überlastung der Server durch unerwartet großes Interesse an der Sendung – das ist für den Experten ebenso wenig auszuschließen. Im Vorfeld würde zwar mit simulierten Stresstests versucht, eine solche Überlastung auszuschließen. Möglicherweise wurde der Run auf das „Quizduell“ unterschätzt. Der Sender könne versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen, indem die Serverkapazitäten erhöht würden. Von offensichtlichen Fehlern beim Sender oder der App-Firma will der Experte nicht reden.

"Lass dich überraschen", sagt Pilawa

Der Heise-Verlag, zu dem die „c’t“ gehört, war trotz guter Infrastruktur ebenfalls schon mal Opfer einer solchen Überlastungsattacke. In einigen Branchen scheint es üblich zu sein, Konkurrenten derart zu attackieren. Die Lieferdienste Pizza.de und Lieferando haben einmal eine Belohnung von 100 000 Euro ausgelobt, um die bezahlten Hacker zu finden, die ihre Seiten immer wieder in die Knie gezwungen hatten.
Dabei hatte sich mit dem „Quizduell“ alles so einfach angehört. Über 16 Millionen Menschen in Deutschland haben sich die „Quizduell“-App heruntergeladen, bei der von zwei Spielern via Internet identische Wissensfragen beantwortet werden können. Im „Quizduell“ sollten Smartphone-Nutzer mit ihrer App live gegen vier Studiokandidaten spielen. 187 000 Mal wurde die aufs TV zugeschnittene „Quizduell“-App runtergeladen.
„Das Risiko war hoch, das war allen Beteiligten klar. Die Idee des ‚Quizduells‘ bleibt aber gut, wir bleiben dran“, sagte Frank Beckmann. Die Technik-Panne machte dann auch im Netz die Runde: Ob Günter Wallraff jetzt die Sicherheit der ARD-Server auf RTL teste. Am besten bringt Jörg Pilawa sein Quizduell wohl auf klassische Weise zu Ende. Sein Motto lautete jedenfalls: Lass dich überraschen.

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