Journalismus-Projekt "Crowdspondent" : Für die Leser auf Reisen

Bei „Crowdspondent“ entscheiden die Spender, worüber zwei Journalistinnen berichten. Die ersten 5000 Euro haben sie zusammen, jetzt wird erst einmal japanisch gelernt.

Alice Hasters
Lesergebunden: Steffi Fetz (links) und Lisa Altmeier kennen sich von der Journalistenschule. Mit „Crowdspondent“ machen sie sich selbstständig. Screenshot: Tsp
Lesergebunden: Steffi Fetz (links) und Lisa Altmeier kennen sich von der Journalistenschule. Mit „Crowdspondent“ machen sie sich...Screenshot: Tsp

Für die zwei Journalistinnen Lisa Altmeier und Steffi Fetz geht es im September nach Japan. Das hatten sie schon länger vor, ob es tatsächlich klappt, wussten sie bis zum vergangenen Freitag jedoch nicht. Das gehört zum Konzept ihres Blogs „Crowdspondent“. Altmeier und Fetz haben die Reise per Crowdfunding finanziert. Auf dem Portal Startnext.de baten sie um 5000 Euro innerhalb eines Monats. Interessierte konnten Summen zwischen 15 und 200 Euro spenden. Dafür gab es Geschenke, wie Essstäbchen oder einen Sushi-Kurs. Als das Crowdfunding am Samstag endete, hatten sie sogar 200 Euro mehr auf dem Konto.

Für das Geld bieten sie eigens produzierte Online-Reportagen aus Japan an, die sie auf Crowdspondent.de veröffentlichen. Über was sie berichten werden, entscheidet ebenfalls die „Crowd“ mit ihren Lesern und Unterstützern. Noch wissen die zwei 27-jährigen nicht, was sie in Japan erwartet, denn sie haben gerade erst angefangen die Themenvorschläge zu sammeln. „Uns ist es wichtig, die Finanzierungsphase von der Themenphase zu trennen. Niemand soll den Eindruck haben, er könne mit einer großzügigen Spende Themen erkaufen“, sagt Altmeier. Bis auf die Flüge von München nach Tokio ist noch alles offen.

Die zwei Journalistinnen begannen vor zwei Jahren mit „Crowdspondent“. 2013 reisten sie nach Brasilien und gingen dort Themenwünschen nach. Damals wurden sie durch ein Stipendium für Nachwuchsjournalisten finanziert. Ein Jahr darauf probierten sie für eine Reise durch Deutschland das erste Mal Crowdfunding aus. Mit Erfolg. „Entscheidend war, dass wir zuerst die ,Crowd‘ hatten und erst danach nach Geld gefragt haben“, sagt Altmeier. Ihre Reportagen konnten sie damals an den ARD–Sender EinsPlus und an Jetzt.de verkaufen. „Das Crowdfunding allein deckt nur unsere Reisekosten ab. Erst mit dem Verkauf verdienen wir Geld. Wir müssen ja auch von etwas leben“, sagt Altmeier.

Auch die Krautreporter und "Deine Korrespondentinnen" werden von Usern finanziert

Gerade im Onlinebereich setzten immer mehr journalistische Produkte auf die Finanzierung durch ihre Leser. Die Annahme, dass Internetuser nicht für Inhalte bezahlen wollen, ändert sich durch Projekte wie „Crowdspondent“. Auch Seiten wie Krautreporter.de oder das Frauen-Reporterteam „Deine Korrespondentin“ können durch Finanzierung der User werbefreien, unabhängigen Content anbieten. Ein Teil des Online-Angebots der „Süddeutschen Zeitung“ ist seit diesem Jahr ebenfalls zahlungspflichtig, da die Finanzierung allein durch Werbung immer schwerer wird.

Wegen des großen Interesses an ihrem Modell geben „Crowdspondent“ Seminare zum Crowdfunding. Doch momentan konzentrieren sie sich auf die anstehende Reise. „Wir lernen gerade fleißig japanisch“, sagt Altmeier. Alice Hasters

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