Journalist und Lobbyist Gerhard Hofmann : ''Zum Wohle der guten Sache''

Gerhard Hofmann hat seine Tätigkeit als politischer Chefkorrespondent von RTL und n-tv Ende Januar 2008 beendet. Seither macht er Lobbyarbeit für die Solarwirtschaft.

Hofmann
Gerhard Hofmann -Foto: ddp

Herr Hofmann, seit 1. Februar arbeiten Sie nicht mehr für RTL und n-tv, sondern für die City Solar AG. Sie haben vom Journalismus zum Lobbyismus gewechselt. Wieso eigentlich?

Es hat der Weisheit der RTL-Spitze gefallen, auf meine mehr oder weniger lichtvollen Äußerungen keinen gesteigerten Wert mehr zu legen. Das traf sich mit meinen Erwartungen, und nach einem kurzen Gespräch haben wir uns einvernehmlich getrennt. Mehr darf, will und kann ich nicht sagen.

Was kann der Journalist, was der Lobbyist braucht?

Der Journalist hat, wenn er nicht Autist oder Purist ist und die Hauptstadt meidet wie der Teufel das Weihwasser, weil er sonst in beschmutzende Berührung mit Politkern kommen könnte (wie beispielsweise der ARD-Kollege Frank Plasberg), im Laufe seiner Tätigkeit als Hauptstadt-Korrespondent eine Menge Kontakte gesammelt, die er jetzt zum Wohle einer guten Sache einsetzen wird. Dabei wird sich zeigen, welcher Kontakt jetzt über die vormals unterstellte Vermutung des Kontaktierten hinausreicht, der Kontaktsuchende verfüge über Sendezeit und sei deshalb bevorzugt zu behandeln.

Sie waren in der Beletage des Journalismus unterwegs, Sie waren Hauptstadt-Korrespondent. Wie begegnen Ihnen die ehemaligen Kollegen?

Freundlich, neugierig, teils mitfühlend, weil ich aus der Meute herausgefallen bin, aber auch beglückwünschend - manch einer kann sich offenbar vorstellen, den Betrieb ebenfalls hinter sich zu lassen.

Der Beruf des Lobbyisten hat nicht den besten Ruf: Wichtigen und anderen Menschen einreden, Sie sollten sich gefälligst für Solarenergie und dergleichen interessieren. Ist dieser Leumund ungerechtfertigt?

Ich widerspreche dieser Darstellung mit Ekel, Abscheu und Empörung. Gerade der Leumund der Sonnenenergie ist so hervorragend, dass mir heute die Nachbarn im Treppenhaus erzählen, sie seien inzwischen zu Lichtblick gewechselt, das haben die früher nicht getan. Im Übrigen: Niemand soll sich „gefälligst interessieren“: Klimawandel, Erderwärmung und Co2-Ausstoß tun ganz von selbst das Ihre, dass die Menschen neugierig werden. Die Zahl der Bescheuerten, die diese Entwicklung bestreiten, wird ja täglich kleiner. Keine Frage ist allerdings: Der Lobbyismus hat sich nicht nur zu seinem Besten entwickelt, seit der Begriff um 1880 im Washingtoner Willard-Hotel entstand, als Präsident Ulysses S. Grant spätnachmittags in der Hotelhalle seinen Whisky nahm und eine Zigarre rauchte - während sich viele mit ihren Anliegen an den Präsidenten heranmachten.

Was unterscheidet eigentlich den Lobbyisten Gerhard Schröder, früher Bundeskanzler, vom Lobbyisten Gerhard Hofmann, früher Korrespondent?

GS ist bei mehreren Großkunden unter Vertrag und verfügt über ein Vielfaches der Summe, die GH von seinem einzigen (City Solar) erhält. GS ist aktiv an der Anbahnung von Geschäften beteiligt, GH nicht. GS reist als gefragter, vor allem gut dotierter Redner durch die große weite Welt. GH referiert dagegen gratis über „Ethisches Wirtschaften in Zeiten der Globalisierung" vor dem Verband „Unternehmensgrün“ in Berlin.

Das Interview führte Joachim Huber.

Gerhard Hofmann hat seine Tätigkeit als politischer Chefkorrespondent von RTL und n-tv Ende Januar 2008 beendet. Seither macht er Lobbyarbeit für die Solarwirtschaft.

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